tion führte er in Chloroformnarkose aus. Schon einmal, am 4. Oktober 1848, hatte er bei einer Frau in Ruggell eine Brustamputation in Chloroformnar- kose vorgenommen.337 Dies war etwas ganz Neues, Unerhörtes. Im Jahre 1846 war von Morton und Jackson in Amerika erstmals die Äthernarkose338 angewendet worden, eine Entdeckung, welche die Voraussetzung für die ganze fernere Entwicklung zur modernen Chirurgie bildete. Schon 1831 hatten Justus Liebig und Eu- gene Soubeiran unabhängig voneinander das Chlo- roform entdeckt.339 Seine vorzügliche Eignung als Narkosemittel fand dann am 4. November 1847 James Y. Simpson in England.340 Verblüffend ist, dass die Chloroformnarkose dann schon im Okto- ber 1848 von Karl Schädler angewendet wurde. Diese erste Ausführung einer Narkose in Liechten- stein zeigt, wie rasch sich Karl Schädler die Neue- rungen in der Medizin zu eigen machte - trotz seines Engagements in der Politik. Er vollbrachte damit eine ärztliche Pionierleistung für Liechten- stein. Übrigens führte er auch derartig anspruchs- volle Operationen, wie die beiden oben genannten, jeweils zu Hause beim Patienten durch. Neben dem Beruf widmete Karl Schädler seine Aufmerksamkeit vor allem der Erziehung und Aus- bildung seiner Kinder. Rudolf (1845-1930) und Albert (1848-1922) studierten nach Abschluss des Gymnasiums Medizin und wurden praktische Ärzte in Vaduz. Die beiden Töchter Hildegard und Aloi- sia besuchten ein Töchterinstitut in Bayern. Karl (1850-1907) ergriff das Ingenieurfach und machte sich einen Namen im Strassen- und Eisen- bahnbau. Adolf (1853-1903), der Jüngste, besuchte eine landwirtschaftliche Schule in der Schweiz und betrieb dann eine Musterlandwirtschaft mit Mühle in Balzers.341 Schädlers besondere Neigung galt der Geschichte unseres Landes. Er sammelte systematisch Urkun- den, die sich auf unser Land beziehen. So berichtet sein Sohn Albert Schädler in den «Regesten zu meiner Sammlung liechtensteinischer Urkun- den»342 über das Zustandekommen der Urkunden- sammlung343: «Den Grund hierzu legte mein im Jahre 1872 verstorbener Vater Dr. Karl Schädler. 
Mehrere alte Urbare, sämtliche Urkunden betref- fend die Liebfrauenkapelle in Triesen, einige Ur- kunden, in welchen deutsche Kaiser den Grafen von Brandis, Sulz und Hohenems Privilegien verleihen, eine Reihe alter Zinsbriefe, und fast sämtliche Urkunden vom Jahre 1840 bis 1859 stammen aus dieser Quelle . . .». Aus den «Journalen» geht hervor, dass Karl Schäd- ler auch Weinberge bewirtschaftete. Sie lagen an der «Halde» in Triesen und stammten aus dem Besitz der Familie seiner Frau Katharina.344 Tag- löhne für Weinbergarbeit und gelieferte Stickel wurden gegen ärztliche Behandlung verrechnet. Die in den «Journalen»345 regelmässig wiederkeh- renden Taglöhne lassen auf ein grösseres Wein- bergareal schliessen. Ein von Schlosser Marock in Triesen geliefertes «Stosseisen» sagt uns, dass damals die Weinbergstickel nicht in den Boden geschlagen sondern «gestossen» wurden.346 Die Eintragungen in den «Journalen» lassen auch den Schluss zu, dass zum Doktorhaus ein Stall mit einem Pferd, einer Kuh und etwas Kleinvieh gehör- te. Eine nicht unwichtige Rolle scheint sowohl für Ludwig Grass als auch für Karl Schädler das tägliche Gespräch am Stammtisch, der «Tausch- handel von Ideen», wie Grass es einmal nannte,347 gespielt zu haben. DER LANDTAG AR 1862, KRANKHEIT, TOD Die neue, konstitutionelle Verfassung sicherte der Volksvertretung, jetzt Landtag genannt, einen ent- scheidenden Einfluss auf die Gesetzgebung und das gesamte Staatsleben. Auch die gesetzliche Freiheit im bürgerlichen Leben war in ihr verankert. Ohne Zustimmung des Landtags durfte weder der Staat im ganzen noch ein Teil desselben veräussert, auf kein Staatshoheitsrecht verzichtet oder darüber verfügt werden. Die Gemeinden sollten eine mö- glichst grosse Unabhängigkeit erhalten. Der Land- tag hatte aus fünfzehn Mitgliedern zu bestehen, wovon zwölf durch indirekte Volkswahl und drei durch fürstliche Ernennung bestimmt wurden. 70
        

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