LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER ten an: Dr. Karl Schädler, Pfarrer Wolfinger, an dessen Stelle aber Christoph Wanger trat, Dr. med. Ludwig Grass, Joh. Wolfinger und Jakob Goop. Die dringendsten Geschäfte wurden sogleich in Angriff genommen. An vorderster Stelle stand dabei die Ordnung der Finanzmisere. Es war kein Geld mehr in der Staatskasse. Durch Kriege ausgeplün- dert, durch Rheingrössen unter Wasser gesetzt und schliesslich durch Missjahre dem Hunger preisge- geben, bot das Land ein Bild schrecklicher Ar- mut. Dazu kam noch, dass die Steuern und an- dere Abgaben nur spärlich oder gar nicht ent- richtet wurden, da manche unter dem revolutio- nären Schlagwort der «Freiheit» auch die Freiheit von allen Steuern und Abgaben verstanden. Um die dringendsten Ausgaben zu decken, waren Vorschüsse aus den fürstlichen Privatrenten und aus Fondsgeldern eingesetzt worden. Die Rekrutie- rungen im Frühjahr 1849 machten eine Neueinklei- dung der Soldaten mit voller Ausrüstung notwen- dig. Zu diesem Zwecke bewilligte der Landrat in seiner ersten Sitzung die Aufnahme eines Darle- hens von 3000 fl in St. Gallen. Die Kreditwürdigkeit des Landes wurde aber so gering eingeschätzt, dass ein Privater, nämlich Postmeister Wolfinger von Balzers als Bürge einspringen musste.289 Der Landrat beschloss nun auch den strengen Einzug der Abgaben und Steuerrückstände in der Höhe von 11 657 fl sowie die Ausschreibung einer direkten Steuerumlage von 5000 fl.290 Damit konn- ten die grössten Löcher in der Staatskasse vorläufig gestopft werden. Als das liechtensteinische Militärkontingent im Frühjahr 1849 aufgeboten wurde, um im dänisch- schleswigholstein'schen Konflikt eingesetzt zu wer- den, stiess diese Massnahme auf keinen grösse- ren Widerstand in der Bevölkerung, betraf sie doch eine gesamtdeutsche, nationale Angelegenheit. Als dann aber die ursprüngliche Disposition durch das Reichsministerium geändert und das liechtensteini- sche Kontingent zum Einsatz gegen die Revolution in Baden kommandiert wurde, änderte sich auch die Stimmung im Lande sofort und der Landrat verlangte die Entlassung der liechtensteinischen Soldaten in die Heimat. Karl Schädler übermittelte 
diesen Landratsbeschluss vom 23. Mai 1849 so- gleich an das Regierungsamt, welches den Wunsch des Landrates unterstützte und an den Fürsten weiterleitete. Trotz dieser Bemühungen entschied die Reichszentralgewalt anders und das liechten- steinische Kontingent wurde bei der Niederschla- gung des Badischen Aufstandes eingesetzt.291 Der bekannte militärische Einsatz dauerte vom 18. Mai bis 11. September 1849.292 Der Geschäftsausschuss des Landrates tagte auch den Sommer hindurch und befasste sich mit der längst überfälligen Umgestaltung der Gemeindeord- nung. Die Gemeindeautonomie war für Karl Schäd- ler ein wichtiges Prinzip, da das föderalistische Element im liechtensteinischen Staatsgefüge nur 280} Am 13. Mai, Praxisjournal II, pag 497. Gemeindearchiv Vaduz. 281) ebendt. pag. 492-497. 282) Rudolf Schädler an Karl Schädler, 20. Februar 1849, LLA, Schädler-Akten 313. 283) Erlass vom 7. März 1849, LLA RC 100/4 und Schädler-Akten 315. Albert Schädler, Regesten, JbL 7, S. 161. 284) Geiger, S. 120 ff. 285) siehe auch oben, Seite 56. 286) Geiger, S. 159, Anm. 6. 287) Bericht über die am 20. Mai 1849 in Vaduz abgehaltene Landsgemeinde zur Wahl der 24 Landräthe und 8 Ersatzmänner. LLA, Schädler-Akten 317. Geiger, S. 160 ff. - Gewählt wurden: Peter Kaiser, Mauren; Joh. Ferd. Wolfinger, Balzers; Christoph Wanger, Schaan; Dr. Karl Schädler, Vaduz; Franz Anton Kirchthaler, Vaduz; Franz Josef Marxer, Eschen; Magnus Biedermann, Schellenberg; Dr. Jos. Ludwig Grass, Vaduz; Joh. Georg Marxer, Schellenberg; Joh. Jak. Goop, Eschen; Pfarrer Anton Wolfinger, Vaduz; Joh. Büchel, Triesenberg; Andreas Falk, Vaduz; Andreas Kieber, Mauren; Franz Jos. Oehri (Generalauditor), Mauren; Jos. Frick, Balzers; Joh. Bapt. Vogt, Balzers; Biedermann, Ruggell; Joh. Bapt. Beck, Triesenberg; Joh. Biedermann, Schellenberg; Jakob Heibert, Eschen; Joh. Dietrich, Ruggell; Jos. Walser, Triesen. 288) Protokoll, 3. Mai 1849. LLA Schädler-Akten 318, Regesten 315. S. 162, Geiger, S. 161/162. 289) Geiger, S. 163, Anm. 26. Franz Büchel, Beiträge zur Geschichte, S. 214. 290) Geiger, S. 164, LLA Schädler-Akten 322/323. 291) Geiger, S. 168, Moritz Menzinger, Die Menzinger in Liechten- stein, Ausmarsch des liechtensteinischen Kontingents im Jahre 1849. Peter Rheinberger, Tagebuch 1848-1850. FamARh H2a. 292) Gefecht bei Oos am 30. Juni 1849. 63
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.