Er befürwortete als Reichsoberhaupt nicht einen erblichen Kaiser, sondern ein mehrköpfiges Direk- torium oder aber eine Lösung, nach welcher ab- wechslungsweise in einem Turnus von 6 Jahren der österreichische Kaiser und der preussische König dem Reich vorgestanden wären.272 Interessant ist, dass er, als es um das Wahlverfah- ren ging, gegen die Linke für die indirekte Wahl stimmte. Dies, obwohl die von ihm selbst im Sommer ausgearbeitete Wahlordnung für den liech- tensteinichen Landrat keine Wahlmänner mehr wie früher, sondern eine direkte Wahl der Abgeordne- ten vorsah. Schädler unternahm in der Nationalversammlung mehrere persönliche Vorstösse. So versuchte er, für Liechtenstein eine praktische Mitwirkung in der grossen Kammer des Parlaments, dem sogenann- ten Volkshaus zu erreichen. «Bei der ersten Lesung des Wahlgesetzes fürs Volkshaus habe ich einen kurz motivierten Antrag zur Wahrung unseres Vertretungsrechtes in demselben gemacht, der 
dann mit Glanz durchfiel».273 Dafür sollte dann aber Liechtenstein eine der 192 Stimmen im Staa- tenhaus erhalten. Eine grundlegende Veränderung in der gesamten politischen Situation brachte das Fait accompli Fürst Schwarzenbergs, des österreichischen Mini- sterpräsidenten. Am 4. März 1849 dekretierte er eine gesamt- österreichische Verfassung, aufgrund derer auch die nicht deutschsprechenden Völker, Tschechen, Polen, Serben, Slowenen, Magyaren und Italiener insgesamt in den österreichischen Staat integriert wurden. Wie aber sollte ein solcher Vielvölkerstaat noch mit den übrigen deutschen Staaten zu einem Reich vereinigt werden können, das den Anspruch auf das Attribut «grossdeutsch» erhob? Somit waren die Aussichten der «Kleindeutschen» auf einen Sieg in der Nationalversammlung mit einem Schlag um ein gutes Stück vorangekommen. Aber auch für Liechtenstein hatte sich die Lage durch das staatsstreichähnliche Vorgehen 
Schwar- —^f >™*J, 
w 'S1 —^^-^ Ausschnitt aus dem Brief Dr. Karl Schädlers aus Frankfurt an Landesverwe- ser Michael Menzinger in Vaduz vom 9. März 1849. Darin die Schicksalsfrage: «Sollen wir nicht jetzt, wo es Zeit ist und leicht gienge, selbstthätig auf Mediatisie- rung dringen? ...» 60
        

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