LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER konnten. Zu diesen gehörte Liechtensteins Abge- ordneter Dr. Karl Schädler, und er nahm die Mö- glichkeiten, die ihm damit geboten waren, mit der ihm eigenen Energie wahr. Abend für Abend nahm er bis in die Nacht hinein an den Zusammenkünften der Klubs teil.266 Schon auf der Anreise nach Frankfurt hatte Schäd- ler einige Herren kennengelernt, deren politischer Einstellung er nahestand. Er liess sich von ihnen dazu bewegen, in einen Klub des linken Zentrums einzutreten.267 Allerdings wirkte er dort zunächst nicht aktiv mit, was er in einem Brief an seinen Bruder Rudolf begründete: «Zuerst muss die öster- reichische Sache, die ich mit unserer identisch halte, abgethan sein, dann werde ich erst meiner individuellen Meinung so gut wie möglich fol- gen».268 Folgerichtig trat er schon in den ersten Tagen seines Frankfurter Aufenthaltes zwei Klubs bei, die ganz der Sache Österreichs zugetan waren, dem «Österreicher Klub» und dem «Pariser Hof». Auch dies teilt er seinem Bruder Rudolf mit269: «Mittlerweile habe ich mich in den Österreicher Klub .. . und in den Klub im Pariser Hof aufnehmen lassen, um mein Möglichstes zum innigen An- schluss Österreichs an Deutschland beizutragen . . . Übermorgen wird der Kampf wegen Österreich in der Paulskirche beginnen. Der wird lange dauern, bis es zu einer Entscheidung kommt. Hie Preussen, hie Österreich ist der Kampfruf. Beide Parteien stehen an Zahl einander gleich, und sind in ihren Vorbereitungen äusserst rührig. Könnte ich eine Partei für mich finden, so würden wir rufen: Hie beide!» «Wie die Sachen jetzt stehen, werde ich für Österreich halten, so gut ich kann.» Warum diese fast unbedingte Stellungnahme Schädlers für Öster- reich? In der Nationalversammlung ging es in jenen Tagen vor allem um die Einheit Deutschlands; aber, wer sollte in einem grossdeutschen Staat die Füh- rung innehaben? In dieser Frage schieden sich die Geister und es kam zwischen den beiden rivalisie- renden Mächten Österreich und Preussen zu einem unlösbaren Gegensatz. So strebte Preussen eine Einigung ohne Österreich - die sogenannte Klein- deutsche Lösung - an. Die österreichisch ausgerich- tete Parlamentsgruppe suchte den grossdeutschen 
Staat mit Einschluss der deutschsprachigen Teile Österreichs zu verwirklichen. Schied Österreich aber aus dem Reichsverband aus, so konnte dies - so schien es wenigstens - für Liechtenstein infolge seiner geographischen Lage ohne Verbindung mit anderen deutschen Bundesstaaten nur eine noch grössere Isolierung bedeuten. Die Selbständigkeit, wie sie sowohl der Fürst als auch das Volk zu erhalten suchten, wäre aufs höchte gefährdet gewe- sen. So stimmte Schädler, wenn es um die Sache Österreichs oder Liechtensteins ging, für diese, jedoch für die Linke, wenn es um die Verankerung der Volksrechte in der Verfassung ging.270 Dazu gehörten vor allem das unbeschränkte Wahlrecht, die Stärkung der Parlamente gegenüber den Regie- rungen und auf der kommunalen Ebene grössere Unabhängigkeit der Gemeinden.271 256) Aufzeichnung Karl Schädlers über die Geburten seiner Kinder, FamARh, R Sch 5 (Albert ist der spätere Arzt und langjährige Landtagspräsident, Sanitätsrat Dr. A. Schädler). 256a) Karl Schädler an seinen Bruder Rudolf. LLA Schädler-Akten 112. Siehe auch: Ernst Frank, Friedr. L. Jahn, Offenbach 1972. 257) Geiger, S. 137 ff. 258) Ludwig Grass an Karl Schädler in Frankfurt, 1. 2. 1849. LLA Schädler-Akten 311. 259) Karl Schädler an seinen Bruder Rudolf. 10. 2. 1849, LLA Schädler-Akten 312. 260) Geiger, S. 142. 261) I.e. 262) Karl Schädler an seinen Bruder Rudolf, 10. 2. 1849, LLA Schädler-Akten 312. 263) I.e. 264) I.e. 265) Geiger, S. 143. 266) Schädler an Menzinger, 2. Februar 1849, LLA XXVU/F 2. 267) Karl Schädler aus Frankfurt an seinen Bruder Rudolf, 9. Jänner 1849. LLA Schädler-Akten 310. 268) Karl Schädler an Rudolf Schädler 9. Januar 1849, LLA Schädler- Akten 310. 269) I.e. 270) Geiger, S. 144 ff. 271) I.e. 59
        

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