Dr. Karl Schädlers lautet dann: «Albert, der zweite Sohn wurde den 24ten Christmonath 1848 geboren und getauft 
um 8V2 Uhr vormittags».256 Schädler reiste in der ersten Januarwoche 1849 nach Frankfurt und bezog dort sein Quartier in der Allerheiligengasse 30. In demselben Hause, direkt unter ihm wohnte auch der Turnvater Friedrich Jahn256a. Er nahm am 8. Januar erstmals an einer Sitzung der Nationalversammlung in der Paulskir- che teil. Kurz vorher hatte das Frankfurter Parla- ment mit nur geringer Stimmenmehrheit die Media- tisierung der kleinen und kleinsten Staaten abge- lehnt. Damit war vorerst auch Liechtenstein der grossen Gefahr enthoben, einem anderen Staat - es hätte ja nur Österreich sein können - zugeschlagen zu werden.257 In Vaduz war zu dieser Zeit das Gerücht im Umlauf, Karl Schädler weile schon in Wien, um dort über die Einverleibung Liechten- steins in das habsburgische Kaiserreich zu unter- handeln.258 Die Hauptziele, welche Karl Schädler in Frankfurt vordringlich zu erreichen suchte, waren der Abbau der finanziellen und militärischen Verpflichtungen Liechtensteins gegenüber dem Bund einerseits und der Zugang zum Markt, wenigstens Österreichs und der süddeutschen Bundesstaaten, andererseits. Was die zu schaffende Form für das politische Zusammenwirken der deutschen Staaten anging, so schien ihm eine föderalistische Verfassung, ähnlich derjenigen der Schweiz, als erstrebenswert.259 Schädler wusste, dass er alle Möglichkeiten nutzen musste, wenn er etwas für Liechtenstein erreichen wollte und so beschränkte er sich nicht nur auf die parlamentarische Tätigkeit, sondern nahm bald auch Verhandlungen mit den Ministern der zentra- len Reichsgewalt auf. Somit «versah er eigentlich zugleich die Funktion eines vom Volk statt vom Fürsten beauftragten liechtensteinischen Gesandten bei der Zentralgewalt».260 Auf dieser Ebene konnte er auch durchaus Erfolge erzielen.261 In einem Brief vom 10. Februar 1849 an seinen Bruder Rudolf262 berichtet Karl, nicht ohne einen gewissen Stolz, dass auf Grund seiner Vorstellungen beim Reichs- ministerium die 60 Mann, welche Liechtenstein als Ersatz für Kavallerie und Artillerie zusätzlich zu 
stellen gehabt hätte, erlassen seien. Das sei das Weiteste, das er habe erreichen können. Freiherr v. Holzhausen, der fürstliche Bevollmächtigte Liech- tensteins bei der Zentralgewalt, sei über dieses Resultat wie über einen Sieg erfreut gewesen und habe erklärt, dass er für die übrigen Staaten, die er vertrete, ein solches Resultat nicht habe erreichen können. Schädler war ein hartnäckiger Unterhänd- ler und suchte die Reichsminister mehrmals auf, bis ihm die Konzession gemacht wurde, dass Liechten- stein von der Pflicht befreit sei, sein Militärkontin- gent von 140 auf 200 Mann zu erhöhen.263 Von Wichtigkeit für die Aufhebung der Zollgrenzen zwischen Österreich und Liechtenstein - die dann ja 3 Jahre später mit dem Zollvertrag von 1852 Wirk- lichkeit wurde - war auch eine Intervention Karl Schädlers beim österreichischen Bevollmächtigten in Frankfurt, A. v. Schmerling.264 Dieser hatte auf die Frage Schädlers, wie es anzugehen sei, dass die Zollgrenzen Österreichs geöffnet würden, den Rat erteilt, dass der Fürst sich direkt beim Ministerium in Wien dafür verwenden solle.265 Zwar war diesem Vorstoss kein unmittelbarer Erfolg beschieden, doch die Frage war nun einmal aufgeworfen und blieb im Raum. Das parlamentarische Leben in Frankfurt spielte sich sozusagen auf zwei Ebenen ab. Da waren auf der einen Seite die grossen Debatten und Abstim- mungen in der Paulskirche. Hier standen sich die Gruppen der Rechten, der Linken und des Zentrums gegenüber. Andererseits kamen am Abend, wenn die Parla- mentsarbeit getan war, die einzelnen Gesinnungs- freunde mit ihren Anhängern in kleineren Gruppen zusammen, um Erfolge und Misserfolge des Tages abzuwägen und um das weitere Vorgehen zu beraten. Dies geschah in den sogenannten Klubs, die meist ihren eigenen Namen hatten. Für die Abgeordneten war es wichtig, einem oder mehre- ren der Klubs anzugehören, da man sich hier am besten über Stimmungen und Strategien orientie- ren konnte. Doppelt wichtig war dieser Kontakt aber für Einzelabgeordnete, die sich eine eigene Meinung 
bilden mussten, ohne dass sie sich an den jeweiligen Direktiven ihrer Fraktion orientieren 58
        

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