Entartungen, . . . mehreren Bauchstichen sowie glücklicher Beendigung einiger schwieriger Gebur- ten . . ,»176 So, gleichermassen mit theoretischem Wissen und praktischem Können ausgestattet, war es nun Karl Schädlers Ziel, sobald wie möglich seine Promotion zu erhalten. Zu diesem Zweck immatrikulierte er sich am 12. Dezember 1829 in Erlangen. Bereits vom 5. bis 7. Januar 1830 absolvierte er die schriftlichen Prüfungen bei den Professoren Henke, Jäger, Leupold und Fleischmann. Nach der mündli- chen Prüfung bei denselben Professoren am 18. Ja- nuar wurde er schon am 23. Januar 1830 promo- viert. Die schriftliche Doktorarbeit hatte den Titel «de Hepate eiusque functione».177 Das gedruckte Doktordiplom ist in 2 Exemplaren erhalten.178 Es stellt sich hier die Frage, warum Karl Schädler sich zur Erlangung des Doktortitels nicht nach Wien begab, nachdem er doch dort sein ganzes Medizin- studium absolviert hatte. Diese Frage ist aus der geschichtlichen Entwicklung heraus zu beantwor- ten. Bis zum Erlass des Sanitätsgesetzes vom Jahre 18 74179 war «in richtiger Würdigung der früheren Zugehörigkeit Liechtensteins zum Deutschen Bunde das an 
einer deutschen Universität erworbene Doktorat Vorbedingung zur Ausübung der ärztli- chen Praxis».180 Auch in Erlangen kann sich Karl Schädler nicht aktiv als Burschenschafter betätigt haben. Die 6 Wochen seines Aufenthaltes in Erlan- gen waren voll ausgefüllt mit der Vorbereitung auf die Promotion und den damit verbundenen Prüfun- gen. Karl Schädler muss seine Zukunftspläne schon frühzeitig gefasst und sie auch sorgfältig vorbereitet haben. Eine Niederlassung in Liechtenstein - solan- ge sein Vater noch die Praxis ausübte - scheint er nicht in Betracht gezogen zu haben. ALS ARZT IN GRAUBÜNDEN Laut Sitzungsprotokoll des Sanitätsrates des Kan- tons Graubünden vom 19. März 1830181 «meldete sich ein junger Doctor Schädler von Vaduz, der sich in Ems niederzulassen gedenkt, zur Prüfung und 
bittet unterdessen um die Erlaubnis zur Praxis». Diese gesetzlich vorgeschriebene Prüfung fand am 6. und 7. Mai 1830 für die beiden Kandidaten «Dr. Schädler von Vaduz und Rucklin von Emmen» vor dem versammelten Sanitätsrat des Kantons Graubünden in Chur statt.182 Zunächst erfolgte die mündliche Prüfung «in allen Fächern der Heilkun- de». Sie dauerte bis «Abends späth». Am nächsten Tag folgte das schriftliche Examen. Darüber heisst es im Protokoll183: «Schädler und Rucklin hatten ihre schriftlichen Arbeiten eingereicht und sämtli- che Examinatoren erklärten, dass beide Candida- ten - etwelche Lücken ausgenommen - in den gesamten heilkundigen Fächern zu ihrer vollen Zufriedenheit bestanden seyen, worauf beschlossen wurde, den Herren Schädler und Rucklin die Medi- zinalordnung vorzulesen, darauf sie zu beeidigen und alsdann zu patentieren. - Schädler will sich in Ems niederlassen.» Damit war Dr. Karl Schädler ohne Beschränkungen oder Auflagen in Graubün- den als Arzt zugelassen. Aus denselben Akten184 geht übrigens hervor, dass am 7. und 8. Mai 1830 Dr. Hannibal Schlegel185 «vom Triesnerberg im Lichtensteinischen» der sich in Klosters niederlassen wollte, geprüft, beeidigt und patentiert wurde. So liess sich Dr. Karl Schädler im Frühjahr 1830 in Ems bei Chur nieder,186 wo er über sieben Jahre «mit glücklichem Erfolg und voller Zufriedenheit als praktischer Arzt fungierte».187 Den Haushalt führte ihm in Ems seine jüngere Schwester Caroline. Eine ganz neue und ungewohnte Tätigkeit erwarte- te ihn mit der Ernennung zum Militärarzt am 7. Januar 1833 durch die Militärkommission.188 Der Sanitätsrat hatte schon in seiner Sitzung vom 30. März 1831189 beschlossen, Dr. Karl Schädler als Feldchirurg in Vorschlag zu bringen. Er wurde dann als Unterchirurg dem 2. graubündnerischen Bataillon des ersten Bundesauszuges zugeteilt und es wurde davon mit Schreiben vom 12. August 1833 dem eidgenössischen Oberfeldarzt Mitteilung gemacht.190 Wie aus den Akten des Sanitätsrates eindeutig hervorgeht, war die Teilnahme am Militärdienst freiwillig, sie konnte auch abgelehnt werden. Die 48
        

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