LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER Dr. med. Karl Schädler KINDHEIT UND STUDIUM Den Eltern Josef Gebhard Schädler und Maria Katharina geb. Hasler wurde am 23. November 1804 in Eschen als erstes Kind 
Josef Karl Severin geboren. Der Vater159 war dort seit dem Jahre 1801 als Arzt tätig. Bald nach der Geburt Karls übersie- delte die Familie von Rofenberg nach Nendeln, wo sie die nächsten Jahre verbrachte. Aber schon im Jahre 1809 erhielt der Vater die Stelle des Landes- physikus als Nachfolger von Christoph Grass.160 Dies bedeutete einen weiteren Domizilwechsel, und Gebhard Schädler zog von Nendeln nach Vaduz, wo der Familie das untere Stockwerk im «Tschagga- turm»161 als Wohnung zugewiesen wurde. In Vaduz ging dann Karl auch bald schon in die Schule, deren Besuch in Liechtenstein seit 1805 obligatorisch war.162 Im Jahre 1818 bezog der Junge das Gymnasium in Feldkirch,163 das er 1822 abschloss. Es war damals im «Studierstädtchen» Feldkirch üblich, dass die Gymnasiasten bei Bürgerfamilien Unterkunft und Verpflegung fanden. So wird es wohl auch bei Karl Schädler gewesen sein. Aus seinem im Jahre 1829 eigenhändig in lateinischer Sprache geschriebenen Curriculum vitae164 erfahren wir, dass er «in Gym- nasio rhaetoaustriaco Feldkirchensi» in Latein, Griechisch, Religion, Geographie sowie in den Grundlagen der Mathematik und der Geschichte unterrichtet wurde. Im Herbst 1822, nach Abschluss des Gymnasiums, nahm er das Hochschulstudium in Wien auf. Wie jeweils die lange Reise nach Wien vonstatten ging, schildert Albert Schädler in seiner Familienchro- nik165: «Von seiner damals noch lange dauernden und umständlichen Reise nach Wien erzählte Karl gern. War doch eine derartige Reise «des fahrenden Schülers» damals ein fast abenteuerliches Unter- nehmen, das vom poetischen Zauber der Romantik verklärt war. Bis nach Innsbruck ging es mit gelegentlichen Fahrgelegenheiten über den Arlberg und durch das Oberinntal. Von Innsbruck an konnte mein Vater, wie er erzählte, mit einigen ebenfalls nach Wien trachtenden Studenten, ein Floss benüt- zen. Die Flossfahrt dauerte über 8 Tage. Da sie als 
lustige Studenten den Flössern da und dort gele- gentlich behilflich waren und auch mit ihrem fröhlichen Gesängen und Schwänken sich beliebt zu machen wussten, lebten sie prächtig und schliefen in der auf dem Flosse errichteten Bretterstätte so gut wie im besten Gasthof. Die reizvollen Gegenden, an denen sie vorüberfuhren, konnten sie von ihrem Flosse aus am besten bewundern. Da die Flösser den Studenten sehr wohlgesinnt waren und ihnen alles billig berechneten, so hatten die «fahrenden Schüler» zudem noch geringe Reiseauslagen. Nach der prächtigen Flossfahrt kamen Postfahrten und ab und zu auch, nachdem man die Beförderung des Gepäckes mit besonderen Gelegenheiten besorgen konnte, Fusstouren. Auf diese Weise beanspruchte eine Reise von Liechtenstein nach Wien eine Zeit- dauer von reichlich drei Wochen. Den fast bei jeder Provinzgrenze sich wiederholenden Passuntersu- chungen und sonstigen Kontrollen wusste der stu- 149) LLA RC 67/7. 150) I.e. 151) LLA RC 67/7. 152) Aufgrund des Anciennitätsprinzips hätten sowohl Dr. L. Grass als auch Dr. H. Schlegel den Vortritt gehabt. 153) LLA RC 61/7. 154) LLA SR B2. 155) LLA RC 67. 156) Rudolf Schädler 1813-1874, Pfarrer in Bendern 1836-1874. 157) Im Benderer Totenbuch wird die Todesursache mit «Phthisis pulmonalis, Lungenschwindsucht» angegeben. 158) Der bis zur letzten Renovation an der Westfront der Benderer Kirche angebrachte Grabstein ist inzwischen leider entfernt worden und ist nicht mehr auffindbar. 159) Siehe auch Seite 32. 160) Siehe auch Seite 36. 161) Siehe auch Seite 24, Anm. 21. 162) Malin S. 91, Graham Martin, Das Bildungswesen des Fürsten- tums Liechtenstein, S. 39. 163) «Liber Calculorum» des Gymnasiums Feldkirch, Stadtbibliothek Feldkirch und «Matricula Gymnasii Feldkirchensis». 164) «Curric. vitae Caroli Joseph] Schädler», Universitätsarchiv Er- langen. 165) Albert Schädler, Familienchronik, S. 8/9. Abschrift FamARh. 45
        

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