Baptizorum» von Triesenberg aufgezeichnet. Einen Fall einer Taufe im Mutterleib erwähnt auch Tschugmell in Bendern.12s Im Triesenberger Taufbuch \Vird unter dem 3. 
Sep- tember 1817 
aber noch von einer anderen, denk- v.,rürdigen Art berichtet, vvie Gebhard Schädler ein gefährdetes Kind doch noch der Taufe zuführen konnte. Die knappe lateinische Eintragung lautet: «lnfans ex mortuo Matris latere vivus dissectus -baptizatus, post 
horam mortuus et una cum Matre sepultus. Dominus Gebhard Schädler, Medic. Doctor ex Vaduz.» Das bedeutet nichts anderes als einen Kaiserschnitt an der Toten. Die Übersetzung lautet: «Von Herrn Gebhard Schädler, Doktor der Medizin aus Vaduz wurde das Kind noch lebend aus dem toten Körper129 der Mutter geschnitten, getauft und es 
starb eine Stunde danach. Es wurde zusammen mit der Mutter begraben.» Für den Arzt war in diesem Falle neben der Taufe des Kindes vor allem der Versuch, dem Kind überhaupt das Leben zu er- halten, das primäre Anliegen. Voraussetzung für das Gelingen dieser Operation war, dass der Arzt beim Eintritt des Todes der Mutter schon anwesend war und dann kurz entschlossen und ohne Zögern handelte. Denn von dem Zeitpunkt des Todes der Mutter an durften nicht mehr als einige Minuten vergehen, sollte das Kind noch lebend zur Welt kom- men. Eine weitere Bedingung war natürlich die Be- herrschung der Operationstechnik-auch unter Zeit- druck und nicht idealen äusseren Verhältnissen. Überhaupt vvaren die äusseren Bedingungen, unter denen der Arzt in der Besuchspraxis arbeiten mus- ste, oft sehr erschwerend, und der Schwerpunkt lag nun einmal auf der Besuchspraxis, denn nur der kleinere Teil der Patienten suchte den Arzt in seiner Ordination auf. Der Arzt wurde «geholt», da den meist schwerkranken Patienten der, Transport auf einem Fuhrwerk nicht zugemutet werden konnte. Die ärztliche Tätigkeit Jos. Gebhard Schädlers war nicht nur auf Liechtenstein beschränkt, sie dehnte sich auch auf die benachbarten St. Gallischen Ort- schaften aus, wobei er, um über den Rhein zu ge- langen, jeweils die Fähre benützen musste. Die Wohnungsverhältnisse, die Schädler im «Tschaggaturm» 1809 
antraf, waren von Anfang an 
LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINHERGER sehr prekär. Er hatte dort zunächst nur den unteren Stock mit «einem Wohnzimmer, einer Kammer und Küche» 
130 zugewiesen bekommen, «derzeit und in so lang die Obrigkeit dessen nicht selbst benöt- higt» .131 Wie und wo sich da die «Sprechstunde» abspielte, 
kann man sich nur schwer vorstellen, wenn man bedenkt, dass auf diesem engen Raum noch die achtköpfige Familie 
wohnen musste! Mehr Platz für die grosse Familie gab es im Jahre 1819, 
als Schädler auch den oberen Stock des «Tschaggaturms» auf Zusehen hin und gegen einen Mietzins von jährlich 
12.-fl zur Benützung er- hielt.132 Man sieht daraus, dass dem Landschafts- arzt keine eigentliche Dienstwohnung zustand, wie z.B. 
dem Rentmeister oder dem Amtsschreiber.133 Das Amt des Landschaftsarztes war nämlich keine Beamtenstelle im Sinne des Beamtenrechts. Dafür war auch das Gehalt von 150 
bzw. 200 
fl zu gering, so dass dieses als eine Art Wartegeld bezeichnet werden kann. Der Posten des Landschaftsarztes 122) J_ B. Büchel. Bischof Franz Anton ivlarxer 1703-1775. JbL 28. s. 137ff. 123) <> bedeutet: mit dem Vorbehalt. dass die Bedin- gungen für eine gültige Taufe erfüllt sind. 1241 JbL81. S.111 ff. 125) Kriss·sches Stipendium. Abschrift LLA. i.J. 
1810: <>. Praxis-Journal!! von Dr. Kar! Schädler: <> Siehe Abb. S. 50. 126) Alexander Frick. Wallfahrten unserer Vorfahren mit totgebo- renen Kindern. JbL 81. S. 144 ff. 127) Zwischen 1781 und 1785 waren allein aus Triesenberg 5 totge- borene Kinder nach Sehruns zur Taufe gebracht worden. l.c. 128) Fridolin Tschugmell. Das Totenbuch Bendern. JbL 62. S. 117 Nr. 
23. 129) Das Wort <> kann sowohl mit <> als auch mit <> übersetzt werden. Der Kaiserschnitt wurde zu jener Zeit noch öfters seitlich ausgeführt. 130) Hofkanzlei an Oberamt. LLA SR B2. 131) I. c. 132) LLA RB V2. 133) Siehe auch Julius Banko. Zur Geschichte der Hechtensteinischen Landvögte. JbL 37. S. 61. 41
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.