als erster Arzt in Liechtenstein Geburtshilfe betrieb, deshalb als «Hebarzt» lächerlich gemacht wurde. Die beiden «Afterärzte» Eister und Rästli wurden dann auf Befehl des Oberamtes «aus dem Land geschafft». Natürlich hatten sie auch einen schwunghaften Handel mit obskuren «Medizinen» betrieben und dafür Wucherpreise verlangt. LANDESPHYSIKUS, POCKENSCHUTZIMPFUNG Ein neuer Abschnitt begann für Gebhard Schädler, als er zur bestehenden Stelle als «unterer Land- schaftsarzt» auch das Physikat für das Oberland erhielt und damit Landesphysikus wurde. Dies war laut Amtsprotokoll am 4. Februar 1809.89 Wir haben schon gesehen, dass eine der ersten Amtshandlungen des neuen Landvogtes Joseph Schuppler im Spätjahr 1808 die Entlassung Chri- stoph Grass' als Inspektor über das Strassenwesen war.90 Wenige Wochen später trat Grass auch als Landesphysikus zurück. Bei dem gespannten Ver- hältnis, das zwischen beiden herrschte, darf man wohl annehmen, dass Schuppler dem Physikus diesen Schritt nahegelegt hatte. Schuppler setzte sich sofort mit Gebhard Schädler ins Einvernehmen, worauf dieser umgehend um die Betrauung mit dem Physikat nachsuchte. Schuppler empfiehlt Gebhard Schädler in Wien mit den Wor- ten: «So wie Grass ein lauer Arzt ist, ebenso ist Schädler ein thätiger, geschickter Mann, der sich allgemeines Zutrauen bei den Unterthanen einärn- tete . . . »91 Mit Schreiben der Hofkanzlei92 in Wien wurde Gebhard Schädler als Landschaftsarzt oder Landesphysikus bestellt und trat am 4. 2. 180993 das Amt an. Sein Gehalt betrug 200 Gulden jährlich, wovon 50 Gulden aus dem fürstlichen «Camerali» und 150 Gulden aus Landesmitteln zu entnehmen waren. Ausserdem erhielt er die untere Wohnung im «Tschaggaturm» in Vaduz zugewiesen, der Anfang der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts durch Zubauten erweitert worden war,94 dies mit der Bedingung, «dass er die zur Bewohnbarma- chung allenfalls nöthigen Reparationen aus Eige- nem bestreite». 
Auch die Pflichten des neuen Landesphysikus wur- den umschrieben: «dass derselbe nicht nur der fürstlichen Dienerschaft, sondern auch der armen Klasse der Unterthanen den ärztlichen Beistand unentgeldlich leiste und für jede Gemeinde eine Hebamme zum Beistand der Gebährenden abrich- te, auch bey eintrettenden Viehkrankheiten mit Rath und Hilfe den Bedrängten beispringe.» Am 30. Januar 1809 wurde Gebhard Schädler «von dieser herabgelangten hochfürstlichen Hofent- schliessung zu seiner angenehmen Wissenschaft und glücklichen Befolgung der ihm auferlegten Pflichten» verständigt.95 Es wurde jetzt also das in die Tat umgesetzt, was Landvogt F. X. Menzinger schon zwanzig Jahre zuvor als dringend notwendig erachtet hatte,96 was er aber mit dem damaligen Landschaftsarzt Chri- stoph Grass nicht in der Lage war, durchzusetzen. Da Gebhard Schädler - im Gegensatz zu Christoph Grass97 - in der Geburtshilfe gut ausgebildet war und sich auch schon während seiner Praxisaus- übung im Unterland als «Hebarzt» betätigt hatte,98 konnte Schuppler unter ganz anderen Vorausset- zungen handeln. Überhaupt hatte Schuppler in Gebhard Schädler für das liechtensteinische Gesundheitswesen einen tüchtigen und loyalen Mitarbeiter gefunden, der - genau gleich alt wie Schuppler selbst - mit ju- gendlichem Elan an seine neue Aufgabe heranging. Eine der wichtigsten Neuerungen, die auf die Initiative Schädlers erfolgte, war die Einführung der allgemeinen, obligatorischen Pockenschutzimp- fung im Jahre 1812.99 Die Pocken waren eine Seuche, die im 18. und auch noch im 19. Jahrhundert die Bevölkerung in ganz Europa dezimierte. Ihr fielen allein in Deutschland jährlich etwa 60000 Menschen zum Opfer. In manchen Staaten entstanden dadurch ernsthafte bevölkerungspolitische Probleme. Doch die Kuhpockenimpfung brachte hier auf lange Sicht eine Wende. Der englische Arzt Eduard Jenner hatte im Jahre 1796 den Beweis erbracht, dass auf den Menschen übertragene Kuhpocken, diesen immun machten gegen die so gefährlichen «schwarzen Blattern».100 Diese Entdeckung war 36
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.