LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER v bekommen hatte.» Der Pfuscher war hier ein «Fremder», von dem man vermutete, dass er aus dem «Brettigäu» komme. In den Jahren 1807/08 häufen sich die Klagen und Anzeigen gegen die beiden Pfuscher Rästli in Rug- gell und Eister in Schaanwald. Landschaftsarzt Gebhard Schädler berichtet88 an das Oberamt, dass besonders Rästli «auf die unverschämteste Art» seine «hebärztlichen Verrichtungen glossiert.» Man sieht aus dieser Bemerkung, wie Schädler, der von 1:2000 schon alle Bakterien abtötet. 0,2-1 Gramm davon reichen aus, um beim erwachsenen Menschen den Tod herbeizuführen. Wenn man weiss, dass beim «Erbgrind» unter dem Pilzrasen die Haut völlig wundgefressen ist, so ist es nicht verwunderlich, dass - sind die Pilzborken einmal losgelöst -das Gift ungehindert durch die Wundflä- che resorbiert wird und so in den Körper eindringt. Zu seiner Verteidigung brachte der Schmied vor, «er habe das Mittel in Schweinefett wohl abgetötet, dass es keine so schädliche Wirkung mehr hätte haben sollen». Die Strafe, die das Oberamt über den kriminellen Pfuscher verhängte, bestand in drei Tagen Arrest und einer Geldbusse von zehn Gulden.86 Über einen anderen Fall, der in den gleichen Akten festgehalten ist, berichtet zusammenfassend G. Malin87: «Nach der Jahrhundertwende behandelte ein Quacksalber ein Kind, das ebenfalls an «Erb- grind» litt. Um die ganze Behandlung schmerzlos zu machen, verabreichte der Medizinmann ein «Trün- kel». Nachdem die Eltern die «Sauce eingebettelt» hatten, starb der kleine Patient kurz darauf, da er 2V2 Gramm Opium zur schmerzlosen Behandlung 
79) Gemeinde-Archiv Eschen, Verhörprotokolle II/10b, il/lOc. 80) LLAARXXV/1. 81) Oberamt an Hofkanzlei, LLA AR Fase. XXV/1. - «pröllen» = prellen. 82) Erbgrind = Pilzerkrankung am behaarten Kopf. 83) Gebhard Schädlers Bericht an Oberamt, 24. Januar 1803, LLA AR Fase. XXV/1, Bericht des Oberamtes an Hofkanzlei, 1. März 1803, LLA AR. 84) I.e. 85) 1 Lot = 17,5 Gramm. 86) LLA AR Fase. XXV/1. 87) Mahn, S. 119. 88) Schädler an Oberamt, 9. März und 26. April 1808, LLA AR XV/1. Einbürgerungsvertrag für Gebhard Schädler in der Gemeinde Eschen vom 27. März 1803 (Seite 34) Quittung über 150 fl als erste Rate der Einbürge- rungstaxe für Gebhard Schädler, 1803 (oben) Wappen der Familie Schädler nach einem Sie- gel Unterschrift Gebhard Schädlers in jüngeren Jah- ren 35
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.