3K»» Einbürgerung versuchte man, ihm den Bürgernut- zen vorzuenthalten und er musste sich wehren, um zu seinem Recht zu kommen.79 In dieser Zeit begann Gebhard Schädler auch den mühsamen Kampf gegen das Kurpfuscherwesen, welches gegen Ende des 18. Jahrhunderts einen mächtigen Aufschwung genommen hatte. Liechten- stein scheint geradezu ein Tummelplatz für diese zweifelhaften «Heilkünstler» gewesen zu sein, denn es fehlte von Seiten der Obrigkeit an ernsthaftem Bemühen, ihnen das Handwerk zu legen. Es ist eine alte Erfahrung, dass da, wo wirklich tüchtige Ärzte fehlen, das Vakuum zwangsläufig durch Scharlata- ne ausgefüllt wird; und je wirrer die Zeiten, umso tiefer fassen auch Aberglauben und Quacksalberei Fuss. So war es auch in Liechtenstein; ein ganzes Bündel von Akten im liechtensteinischen Landesar- chiv zeugt davon.80 Aber auch in unserer schweize- rischen Nachbarschaft scheint es damit kaum bes- ser bestellt gewesen zu sein, was dem Regierungs- amt auch gleich dazu diente, die Schuld nicht beim eigenen Unvermögen, Ordnung zu schaffen, zu suchen, sondern sie den Nachbarn zuzuschieben. So wird etwa argumentiert, «dieses Übel ist hier fast unvermeidlich, denn in der Schweitz sind an jedem Ort ein und mehr derley Leute und wenn sie nicht herüberkommen oder sich einer im Lande selbst hervortut, so gehen die hiesigen hinüber und lassen sich drüben pröllen».81 Einige Beispiele mögen veranschaulichen, wie un- verfroren und arrogant die Pfuscher auf der einen Seite vorgingen, wie gross aber auf der anderen Seite die Unwissenheit, ja Dummheit bei der Bevöl- kerung war. Da war ein zwölfjähriger Knabe wegen «Erb- grind»82 beim Landschaftsarzt Schädler in Behand- lung. Als der Erfolg sich nicht schnell genug einstell- te, bot der Schmied und Rossarzt Büchel von Gamprin eine sichere Kur83 an. Aus einer Mischung eines weissen Pulvers mit Schweineschmalz berei- tete er eine Salbe, mit der die erkrankte Kopfhaut behandelt werden sollte, und zwar mussten die erkrankten Stellen in einem bestimmten «Mondzei- chen» eingerieben werden. Die Anweisung des Rossarztes wurde befolgt mit der unmittelbaren 
Wirkung, dass der arme Knabe so rasende Schmer- zen bekam, dass «er sich entleibt haben würde, wenn er ein Messer bekommen haben würde.» Am nächsten Tag liess man den Landschaftsarzt Schäd- ler kommen, der dann den kleinen Patienten bis zu seinem Tode am 8. Tag täglich besuchte. Schädler hat auch den Ablauf der Symptomatik aufmerksam verfolgt. Am ersten Tag nach der Einreibung der Salbe traten «Ohnmächten und Erbrechen und Abweichen» auf. Am zweiten und dritten Tag «convulsivische Zuckungen, allmähli- cher Kräfteschwund», am vierten Tag «Bauch- schmerzen» und vom fünften Tag bis zum Tod des Knaben am achten Tag «zunehmend kleiner wer- dender Puls, abwechselnd Frost und Hitzen und völlige Entkräftung».84 Dieser Verlauf über acht Tage bis zum unvermeidli- chen Tod, zeigt den klassischen Ablauf einer spezi- fischen Vergiftung. Der Rossarzt hatte fast ein gan- zes Lot85, also etwa 15 Gramm Sublimat mit Schweinefett gemischt, um damit die Pilzerkran- kung am Kopf zu behandeln. Nun ist aber die Quecksilberverbindung Sublimat ein ausserordent- lich stark wirkendes Gift, das bei einer Verdünnung 34
        

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