Christoph Grass Um 1773 (nach Tschugmell16, nach Albert Schädler, Familienchronik17 um 1760) kam mit Joh. Georg Gebhard Schädler ein weiterer Wundarzt nach Liechtenstein. Er war aus dem Allgäu nach Mauren eingewandert und übte dort fortan seinen Beruf aus. Er scheint bald ein angesehener Mann gewe- sen zu sein, wird er doch mit «Dominus Chirurgus» betitelt.18 Es ist aber nicht bekannt, dass er über die Nachbargemeinden hinaus gewirkt hätte.19 Im Jahre 1784 starb der Landschaftschirurg Valen- tin Pümpel20, der seit 1767 im Amt war und als Junggeselle den «Tschaggaturm» neben der St. Flo- rinskapelle in Vaduz bewohnt hatte. Dieser Tschag- gaturm war ursprünglich ein richtiger Wohnturm, der nur zwei Räume übereinander hatte,21 er wurde nach dem Tode Pümpels durch Anbauten im Osten und Westen zu einem geräumigeren Wohnhaus erweitert. 
Nach dem Tode Pümpels 1784 bezog sein Nach- folger, Chirurgus Christoph Grass den oberen Stock des bedeutend erweiterten Gebäudes. Grass war der letzte Landschafts-Wundarzt im 18. Jahrhun- dert. Seine Tätigkeit erstreckte sich auch noch in das erste Dezennium des 19. Jahrhunderts, wes- halb seine Person hier etwas ausführlicher behan- delt werden soll. Christoph Grass war am 26. Mai 1753 in Braz im Klostertal geboren22 und ging dort bei dem Bader und Wundarzt Zacharias Leu einige Jahre in die Lehre.23 Er war jedoch i. J. 1772 «weder examinie- ret noch gewandret, mithin ihme dato die Treibung der Profession untersaget worden». Daher begab er sich im Studienjahr 1774/75 nach Freiburg,24 um sich nach einjährigem Studium «von daselbstig wohllöbl. Medizinischen Facultät ex Chirurgia ex- aminieren zu lassen».25 Kaiserin Maria Theresia hatte i.J. 1767 verfügt, dass auch Wundärzte eine Prüfung ablegen mussten, bevor sie ihren Beruf ausüben durften.26 Wo Christoph Grass die näch- sten Jahre bis 1784 verbrachte, ist nicht bekannt. Vielleicht schaltete er einige Wanderjahre ein, was in jener Zeit bei Wundärzten durchaus üblich war. Es kann aber auch sein, dass er zunächst einige Jahre seinen Beruf zu Hause in Braz ausübte, denn sein jüngerer Bruder Ignaz, der Müller in Braz war, gibt laut einem Verhörprotokoll27 an, dass er zweieinhalb Jahre bei seinem Bruder Christoph gelernt habe. Ignaz Grass wird zum Vorwurf ge- macht, er habe verbotenerweise «allerley chrirugi- sche Operationen» ausgeführt. Zwei Jahre bevor Christoph Grass nach Vaduz kam, heiratete er in Braz am 4. Februar 1782 Maria Josefa Zechin.28 In Liechtenstein wurde Grass bald ein einflussrei- cher Mann. Er war bis 1809 Landschaftschirurg und daneben bis 1808 auch Aufseher über das Strassenwesen. Zu Unrecht wird er gelegentlich als «Strassenaufseher» im eher despektierlichen Sinn apostrophiert. Denn für die allgemeine Hygiene war der Zustand an den Strassen, besonders in den Dörfern von grosser Wichtigkeit und es war ein glücklicher Zufall, die Aufsicht darüber einem Mann übergeben zu können, der die Bedeutung der 24
        

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