und ist meines Erachtens eines der interessantesten der bisher rund siebzig bekannten Blätter Menzin- gers mit Motiven aus dem Fürstentum Liechtenstein (Abb. 6). Ein recht flüssig und anmutig gemaltes Aquarell von Vaduz (Abb. 7) sowie ein breit angelegtes aquarel- liertes Landschaftsbild, das die Landschaft vom hinteren Schellenberg mit der St. Georgskapelle und der weiten Vorarlberger Rheintalebene mit Kum- menberg und Viktorsberg im Hintergrund schildert (Abb. 8), galten bislang als Arbeiten eines anony- men Kleinmeisters aus der Mitte des 19. Jahrhun- derts. Meine Nachforschungen haben nun ergeben, dass es sich um Aquarelle des weitgereisten Land- schaftsmalers und Radierers Thomas Ender aus Wien (1793-1875) handelt. Prof. Dr. Walter Koschatzky, ehem. Direktor der Albertina in Wien, bestätigt dies: «... Es freut mich, Ihnen mitteilen zu können, dass in der Tat und ohne jeden Zweifel die beiden Aquarelle von der Hand des Thomas ENDER (1793-1875) stammen. Auch die Beschriftung zeigt seine Handschrift. Die Frage nach der Datierung kann wohl im Zusammenhang mit der Reise des Künstlers im Jahre 1854 beant- wortet werden, die ihn über Vorarlberg in die Schweiz führte: St. Moritz, Grindelwald, Chamonix, Zermatt, von wo er über Genfersee und Lago Maggiore heimkehrte. Die Qualität der damals entstandenen Blätter kann als besonders bezeichnet werden (vgl. «Am Aarefluss» / Albertina oder «Das Matterhorn» / Albertina), was auch durchaus für Ihre beiden Aquarelle zutrifft ...».' Vier weitere Aquarelle aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts sind ebenso Arbeiten eines bislang unbekannten Malers. Rudolf Rheinberger, der sich besonders um das Werk Moriz Menzingers verdient gemacht hat, hat sie im Anhang seiner umfangrei- chen Arbeit über Moriz Menzinger angeführt/ Kom- position, Duktus und Malweise deuten jedoch zwei- fellos auf einen bislang anonymen Zeitgenossen Menzingers hin. Die Blätter zeigen die Ruine Guten- berg bei Balzers, Schloss Vaduz, die Ruine Schalun und die obere Burgruine Schellenberg. Bei einem Besuch im Heimatmuseum auf der Schattenburg in Feldkirch fielen mir unlängst vier Ansichten aus 
Feldkirch auf, die dieselbe Art der Umrandung und Beschriftung aufweisen wie die vier Aquarelle im Liechtensteinischen Landesmuseum. Ein Vergleich der Schriftzüge lässt auf dieselbe Hand schliessen.J Mehrere reizvolle Bleistift- und Federzeichnungen stammen von August Kayser aus Bregenz (1813— 1874), von dem das Liechtensteinische Landesmu- seum eine ganze Reihe von Arbeiten besitzt (Abb. 9). Von den Landschaftsdarstellungen aus dem Liechtensteiner Unterland sind vor allem die Farblithographie von Jean Jacottet, nach einer Zeichnung von Nicolas Marie-Joseph Chapuy (1790-1858), zu nennen; ein überaus beliebtes Sammelstück, das in anmutiger Weise einen beleb- ten Dorfplatz in Bendern mit der Pfarrkirche im Hintergrund zeigt (Abb. 10). An dieser Stelle sei auch noch ein seltener und recht merkwürdiger kolorierter Kupferstich von Bendern aus dem Jahre 1868 erwähnt. Er trägt die Aufschrift «Ansicht der Rheinbrücke Bendern-Haag und der Westseite von Bendern. Eine Festgabe zur Erinne- rung an die Eröffnungsfeier am 24. Mai 1863» (Abb. 11). DAS GEBIET DES HEUTIGEN FÜRSTENTUMS LIECHTENSTEIN IN DER KARTOGRAPHIE Aus der reichhaltigen kartographischen Sammlung des Liechtensteinischen Landesmuseums konnten aus Platzgründen nur einige wenige Blätter ausge- stellt werden. Der kartographische Rundgang beginnt mit einer frühen Holzschnitt-Karte von Laurenz Fries (ca. 1490 bis ca. 1532), erschienen um 1525 in «Geo- graphia tum veteris tum nova absolutissimum opus». Sie trägt den Titel «Tabula Nova Helvetiae» und nennt am oberen Bildrand aus unserem Ge- biet ausschliesslich «Gütenbg» (Gutenberg bei Bal- zers). Daneben sind die sog. Thurgaukarte (1548) von Johannes Stumpf aus Bruchsal (1500-1578) sowie die Karte «Helvetia prima . . . », ein Holzschnitt aus der Sebastian-Münster-Chronik aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, zu sehen. Sebastian Münster 262
        

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