PODHRADSKY, DAS DOMINIKANERINNENKLOSTER ALTENSTADT / REZENSION Sozialgeschichte der Region, auch des später liech- tensteinischen Gebietes, wertvolle Unterlagen. Der Verfasser schöpfte aus dem Klosterarchiv und der Klosterbibliothek Altenstadt, dazu aus dem Pfarrarchiv Altenstadt, dem Stadtarchiv Feldkirch, aus den Diözesanarchiven Feldkirch, Innsbruck und Chur und aus dem Vorarlberger Landesarchiv Bre- genz sowie aus den Ordensquellen. Für die Profess- liste sammelte er überdies Auskünfte von zahlrei- chen Pfarrämtern und Archiven im Umkreis von Wien bis Valladolid, von Grimmenstein bis Vaduz. Podhradsky ist den bisher erst vage ins 15. Jahr- hundert gesetzten Anfängen des Klosters nachge- gangen, insbesondere der «Klose» in Altenstadt. Diese reicht ins Hochmittelalter vor die Jahrtau- sendwende zurück. In einem «Inklusium», einer an die Kirche gemauerten Klause, lebte dort bis ins Spätmittelalter, vielleicht nicht ununterbrochen, als eingemauerte Einsiedlerin eine Inklusin. Ab dem 14. Jahrhundert kamen weitere Frauen hinzu, es bildete sich eine klosterähnliche Gemeinschaft. Für das 15. Jahrhundert sind dort Inkluse und Schwe- stern mehrfach bezeugt, ein Altar wurde 1442 in der (Kloster-)Kapelle geweiht. Dem Predigerorden zugewandt, entwickelte sich das Kloster. Im Dreissigjährigen Krieg führten die Schwestern das feierliche grosse Stundengebet der Dominikane- rinnen ein: Ab dem 7. Januar 1641 wird es in Altenstadt bis auf den heutigen Tag, nie unterbro- chen, gebetet. Auch im Zweiten Weltkrieg führten die zum Lazarettdienst abkommandierten Schwe- stern die klösterliche Gebetsordnung beharrlich fort. 1646 gelobten die Schwestern überdies, zum Dank für die Errettung im Dreissigjährigen Krieg - die gefürchteten Schweden hatten sie ritterlich geschützt - täglich einen Psalter zu beten, was bis heute geschieht. Der Übergang des Klosterkonvents zum Zweiten Orden der Dominikanerinnen erfolgte 1654, und nun wurde zugleich die grosse, strenge Klausur eingeführt - formell, denn sie blieb auf dem Papier. Unter knapp 20 Schwestern war hierbei auch eine Jungfrau aus dem Gebiet von Liechtenstein, das damals noch hohenemsisch war: Die Balznerin Dominica Nigg, vermutlich die Tochter des Mälser 
Wirts Ulrich Nigg, war mit ca. 16 Jahren um 1650 ins Kloster eingetreten, hatte ein Jahr darauf die Profess abgelegt und starb 1688, nach 38 Kloster- jahren. Die ins Dominikanerinnenkloster eintreten- den Frauen waren zu jener Zeit nicht etwa arm, sondern durchwegs «fürnehmer Leute Kinder». Sie hatten eine erhebliche Mitgift ins Kloster einzubrin- gen. Dieses wurde so allmählich wohlhabend. 1718 trat als weitere Liechtensteinerin die ^jäh- rige Anna Maria Wolf aus Vaduz, Tochter von Florin Wolf und Katharina Walser, ein. Mit Klosternamen hiess sie Cäcilia, sie war laut Chronik eine virtuose Musikerin und Sängerin. Mit 33 Jahren starb sie jung. Den Josefinismus überstand das Kloster, da es seit 1782 eine Klosterschule führte und damit «nütz- lich» war. Die Schule bestand bis 1967. Im 19. Jahr- hundert forderten jüngere, neu eintretende Schwe- stern im Konvent wiederholt die strengere Einhal- tung der Klausur. Es gab dagegen zwar erheblichen Widerstand von älteren Schwestern. Der Kloster- beichtvater seufzte 1882 über sie in einem Schrei- ben an den Bischof: «Einen Weiberkopf von lang geübter Gewohnheit abzubringen hält hart.» Schliesslich wurde aber die strenge Klausur defini- tiv eingeführt und abgeschlossen, am Weihnachts- abend 1884, 230 Jahre nach ihrer formellen Über- nahme. Eineinhalb Jahrzehnte später trat 1899 die 21jäh- rige Ursula Schierscher aus Schaan, mit Klosterna- men Constantia, ein. Sie betätigte sich im Kloster unter anderem als Goldstickerin für Paramente, erlebte den Ersten Weltkrieg mit Krankenpflege- dienst der Schwestern und die Inflation, die dem Kloster das ganze Kapitalvermögen der Mitgiften entriss. 1939 starb sie an Tuberkulose, am Tag vor der Vaduzer Fürstenhuldigung, Österreich war be- reits dem Hitlerreich einverleibt. Sie war die bis heute letzte von drei in den Professlisten des Klosters verzeichneten Schwestern aus Liechten- stein. Ab 1943 hatte das Klosterglöcklein zu schwei- gen, erst als 1945 französische Marokkaner auf Klostergrund kampierten, durfte es wieder läuten. 219
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.