Lorenz stuft sein «Werk von der Architektur» zwar als ein Zeitdokument von höchster Bedeutung ein, das jedoch nicht einen Beitrag zur Weiterentwick- lung der Architektur geleistet habe. Vielmehr liege die Bedeutung dieses Werks darin, dass es die Ansprüche eines adeligen Bauherrn (nämlich mit schönen Bauten sich selber und dem ganzen Haus ein Denkmal zu setzen) offenlegte. Lorenz meint, dass dem Fürsten zur künstlerischen Auseinander- setzung mit der Architektur die nötige Literatur und die Stichwerke fehlten, die vorbildliche architekto- nische Lösungen zeigten. Der Fürst habe sein Selbstvertrauen vor allem aus dem Gedanken ge- schöpft, dass der Adelige kraft seines Standes befähigt sei, auch in der Architektur die richtigen Entscheidungen zu treffen. Zwei Bauten des Fürsten misst er gleichwohl eine hohe Bedeutung zu: der Pfarrkirche in Feldsberg («Die bislang in der For- schung nur wenig beachtete Kirche zählt zu den entscheidenden Leistungen der mitteleuropäischen Architektur dieser Zeiten», S. 141) und dem Schloss Plumenau. Im Unterschied zu seinem Vater war Johann Adam mit der Kunstentwicklung in den europäischen Zentren gut vertraut. Bei seinen zahl- reichen Bauten orientierte er sich an internationa- len Standards. Mit dem Bau der beiden hervorra- genden Palais in der Bankgasse und in der Rossau trug er Wesentliches dazu bei, den Rang Wiens als führende Barockstadt zu begründen. Gernot Heiss berichtet über die Erziehung und den Unterricht der Fürsten im Zeitalter des Absolutis- mus. Einleitend bedauert er, dass über die Erzie- hung der Töchter, denen im späteren Leben eine passive Rolle zugedacht war, kaum Quellenmaterial zu finden ist. Inhaltliche Schwerpunkte in der Ausbildung der Söhne waren das Erlernen von Sprachen (neben Latein an erster Stelle Franzö- sisch, daneben auch Italienisch und Spanisch und aus praktischen Gründen Tschechisch und Unga- risch), das Studium der Logik (Philosophie), des Rechts und der Kunst und Architektur. Ebenso ernstgenommen wurde die Erziehung zu bestimm- ten religiösen und moralischen Einstellungen und Verhaltensweisen (zum Beispiel im Umgang mit Dienern) sowie zu einem standesgemässen Auftre-ten. 
Während der erste Teil der Ausbildung zu Hause erfolgte, wurden die Prinzen für einen zwei- ten Teil gerne Schulen der Jesuiten übergeben. Im Alter zwischen 16 und 18 Jahren begannen die jungen Fürsten eine oft mehrjährige Bildungsreise durch Italien, oft auch durch Frankreich und Süd- deutschland mit gelegentlichen Abstechern nach England und Holland. Aus Sicherheits- und Kosten- gründen reisten die jungen Fürsten meistens inkog- nito. Heiss berichtet detailliert, was die Fürsten auf ihren Reisen studierten. Besonders eindrucksvoll sind in diesem Zusammenhang die Stundenpläne, nach denen sie in Paris, Rom und Turin unterrichtet wurden. Was bei Heiss (und auch bei Winkelbauer) auffällt, ist der ausgedehnte Anmerkungsapparat, der auf ein intensives Quellenstudium schliessen lässt. In ihrem zweiten Beitrag behandelt Evelin Ober- hammer das Thema Heiraten im Hause Liechten- stein. Die Wahl des Ehepartners wurde kaum den Betroffenen überlassen, vielmehr wurde diese Ent- scheidung durch die Familie getroffen. Zwar wur- den die Heiraten arrangiert, doch wurden die Brautleute nicht gegen ihren Willen zu einer Ehe gezwungen. Meist nahmen sie aber die von der Familie getroffene Wahl widerspruchslos hin. Da sich die Ehepartner kaum kannten, kamen Liebes- heiraten eher zufällig zustande. Eine Heirat durfte der Familie zumindest keine Nachteile bringen. Der Kreis, aus dem der Ehepartner ausgewählt wurde, war klein. Oft wurde innerhalb der Familie geheira- tet, wozu es einen päpstlichen Ehedispens brauchte (für den gewöhnlich bezahlt werden musste). Wäh- rend für den Erstgeborenen die Familiengründung geradezu Pflicht war, besassen die nachgeborenen Söhne aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Voraussetzungen geringere Heiratschancen. Die Heiratschancen waren hingegen für die Töchter wieder sehr gut. Pikant ist dabei ein Detail am Rande: Während das Aussehen der künftigen Schwiegersöhne kaum eine Rolle spielte, war das Aussehen der künftigen Schwiegertöchter (bzw. der Stammütter im Hause Liechtenstein) ein wesentli- ches Auswahlkriterium. Bei der Frage nach dem vorhandenen Besitz war es genau umgekehrt: Die 212
        

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