DER FUND EINES BRONZEBEILS IN VADUZ VOLKER RHEINBERGER / WALTER FASNACHT Die Fundumstände VOLKER RHEINBERGER Die Witterung im Januar 1988 kam der Gelegenheit für einen Oberflächenfund ausserordentlich entge- gen: Viel zu warm für die Jahreszeit, kein Schnee in den Niederungen, vorausgegangene Föhnphasen, welche die Hanglagen vom Laub befreiten. Anlässlich eines Sonntagsspazierganges mit der Familie wurde das nachfolgend beschriebene bron- zezeitliche Beil gefunden. An der Erschliessungs- strasse zwischen «Schwefel» und «Schlossweiher» in Vaduz. Der Fundort liegt etwa in Höhe des Schlossplateaus, allerdings in einem Steilhang resp. im entsprechenden Hanganschnitt des Weges. Die Fundstelle lässt eindeutig auf einen Streufund schliessen, da die dortige extreme Neigung des Hanges eine frühgeschichtliche Besiedelung aus- schliesst. Das nahegelegene Schlossplateau und auch zwei darüberliegende kleinere Plateaus scheinen aber für bronzezeitliche Zivilisationen geeignet gewesen zu sein. Die Position der Fundstelle liegt etwa in der Mitte des Hanganschnittes in einer von Geröll stark durchsetzten Erdschicht. Das etwa 'A aus der Erde herausragende Bronzebeil war deshalb relativ ein- fach zu identifizieren, weil die grüne Patina sich deutlich vom Hintergrund abhob und zu dieser Jahreszeit kein Bodenbewuchs die Sicht darauf störte. Es ist anzunehmen, dass über die Jahrhunderte das Beil durch die natürliche Hangbewegung an die Fundposition verfrachtet wurde, d.h. die ursprüng- liche Lage nahe des Felsvorsprunges des darüber- liegenden kleinen Plateaus gewesen sein muss. 
Metallanalysen und morpholo- gisch-typologische Einordnung des Bronzeobjekts INV. NR. 0 1136/0001 WALTER FASNACHT Das Metallobjekt mit der Inventarnummer Vaduz- Schwefel 01136/0001 wurde dem Autor aufgrund des unsicheren Befundes und der einzigartigen Form zur Echtheitsprüfung vorgelegt. Nachbildungen von urgeschichtlichen Bronzen ha- ben selbst schon Tradition und sind morphologisch- typologisch oft schwer von Originalen zu unter- scheiden. Eine Materialanalyse bringt jedoch meist Licht in die dunkle Herkunft. Das Objekt hat ein Gewicht von 210 g. Um es so wenig wie möglich zu beschädigen, wurde am Nacken eine Bohrprobe von wenigen Milligramm entnommen. Metallographische Untersuchungen sind leider an Bohrproben nicht mehr möglich, da der Bohrdrall das Metallgefüge zerstört. Das beim Bohren angefallene oberflächliche Korrosionsmate- rial wurde separat aufgefangen und wie der ge- sunde Metallkern auf seine Spurenelemente analy- siert. Mit diesem Vorgehen sollten Informationen über die Echtheit der 
Metallzusammensetzung und der Korrosion erlangt werden. Einige Bohrspäne wurden in Kunststoff eingebettet und durch J. P. Northover mittels der Elektronen- mikrosonde am Departement of Metallurgy der Universität Oxford auf die Haupt- und Nebenele- mente analysiert. Die restlichen Bohrspäne und das Korrosionsmaterial wurden mittels Atomemissions- Spektralanalyse mit induktiv gekoppeltem Plasma bei der Firma IWM in Glattbrugg ZH auf die Spurenelemente untersucht. 203
        

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