Die Nadel3, die zum Befestigen des Gewandes diente, ist 28,5 cm lang und im Querschnitt rund. Sie hat einen schmalen, umgekehrt konischen Na- delkopf mit einer leichten Eintiefung an der Ober- seite und eine Halsverdickung, an der die oberen zwei Drittel mit feinen Rippen und Strichelbändern verziert sind, wobei der Mittelteil durch zwei tiefe Rillen abgesetzt ist. Das untere Drittel der Zierzone ist im Gegensatz zu vergleichbaren Nadeln (siehe unten) unverziert. Der Schaft ist glatt, verjüngt sich leicht und ist im unteren Teil verbogen. Die Oberflä- che hat eine dunkelgrüne Patina. Typologisch betrachtet handelt es sich bei dieser Bronzenadel um eine gegossene Nadel vom feinge- rippten Typ. Solche Nadeln sind Leitformen der späteren Mittelbronzezeit (Bz C, 14. Jahrhundert v.Chr.): Es fehlt ihnen die Halsdurchbohrung der älteren Mittelbronzezeit und sie zeigen die charak- teristische Verzierung durch Horizontalrippengrup- pen zwischen Strichelbändern.4 Im Fundmaterial der Schweiz bzw. des Fürstentums Liechtenstein gibt es ähnliche feingerippte Nadeln5, genau entsprechende Vergleichsbeispiele in Grösse, Umrisslinie des Nadelkopfes und der Zierzone mit Dekoranordnung gibt es jedoch nicht. In der Westschweiz sind Nadeln mit geripptem, zylindrischem Kopf und gewölbtem Abschluss ver- breitet; in Hessen, Thüringen und im Elsass hinge- gen ist ein unserer Nadel sehr ähnlicher Typ mit umgekehrt konischem Kopf geläufig.6 Dementspre- chend finden sich für unsere Nadel im Fundmaterial von Hessen und Rheinhessen gute Vergleichsbei- spiele.' In Umriss des Nadelkopfes und Gliederung der Zierzone ist sie mit den Typen Reckerode8 und Haitz9 vergleichbar, wobei sie dem Typ Haitz näher kommt.10 
Bronzegewandnadeln findet man häufig in mittel- bronzezeitlichen Gräbern, sowohl als Zubehör der Männer- als auch der Frauentracht11, und man kann durch die Fundlage der Nadeln im Bereich des Oberkörpers und des Kopfes annehmen, dass sie ein Obergewand in Schulterhöhe zusammenhielten12. Unsere Bronzenadel ist ein «Zufallsfund» ohne weitere Beifunde und könnte vor langer Zeit verlo- ren worden sein. Es ist aber möglich, dass sie aus einem nicht mehr lokalisierbaren, zerstörten Grab stammt. 3) Publiziert: E. Helferich, JbSGU 17, 1988, 256, Abb. 2a. 4) Vgl. C. Osterwalder, Die mittlere Bronzezeit in schweizerischen Mittelland und Jura. Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz 19 (1971) 31. 5) Vgl. ebd. die Beispiele Taf. 20.1 (Zürich ZH «Letten»). Taf. 20,2 (Fundort unbekannt, Fürstentum Liechtenstein). - Zur Nadel Taf. 20,2 ist zu bemerken, dass der Fundort bekannt ist: Buggell FL. 6) Osterwalder a.a.O. 31. 7) Vgl. W. Kubach, Die Nadeln in Hessen und Rheinhessen. Prähistori- sche Bronzefunde XIII. 3 (1977) 263 ff. Taf. 44 ff. 8) Kubach a.a.O. 263 ff. Nr. 573 ff. Taf. 44 ff. 9) Kubach a.a.O. 273 ff. Nr. 603 ff. Taf. 46 ff. 10) Vgl. Kubach a.a.O. Taf. 48 Nr. 618, 623, 625. 627, 630 f. - Taf. 49 f. Nr. 633-635, 646-648, 662 f. - Vgl. ausserdem Taf. 51 f. Nr. 676- 679, 690 (Nadeln mit umgekehrt konischem Kopf und verdicktem Hals). 11) Kubach a.a.O. 548 ff. (zur Funktion). 12) Kubach a.a.O. 553 ff. mit Anm. 56. 198
        

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