Balzers, Fürstenstrasse, 1986 NACHTRAG Im Jahr 1986 wurden bei Kanalisationsarbeiten in der Fürstenstrasse in Balzers (Landeskoordinaten 757.110/214.640; 474m ü.M.) in 2,50m Tiefe römische Mauerreste entdeckt. Da in Balzers seit vielen Jahren wiederholt römische Funde zutage gekommen waren1, wurde in der Fürstenstrasse auf einer Fläche von 20 m X 10 m eine archäologische Ausgrabung durchgeführt, deren grundsätzliche Er- gebnisse bereits publiziert sind.2 Die vier Mauerzüge, die erfasst werden konnten3, waren nur in den Fundamentlagen erhalten und nicht eindeutig einem Gebäudetypus zuzuordnen, sehr wahrscheinlich handelt es sich um Reste eines grösseren Komplexes, und verkohlte Früchte (Abb. 1), die in der Südwestecke des Grabungsare- als gefunden wurden, könnten auf eine Nutzung als Lagerraum hinweisen.4 In dieser kleinen Grabungsfläche konnten viele Funde geborgen werden, vor allem Terra-Sigillata- und Gebrauchskeramik-Scherben, aber auch Lavez- gefässfragmente und Metallobjekte', und ausserdem elf römische Münzen (Abb. 2), die hier in einem Anhang vorgelegt werden. Im weiteren soll über die Analyse der verkohlten Früchte und die C14-Analyse von Holzkohleproben berichtet werden. Zuvor jedoch muss der stratigraphische Befund'' des Grabungsareals kurz zusammengefasst werden: Unter den oberen Schichten aus Humus, einer lehmig-sandigen Schicht und einer Rüfeschicht ver- läuft in ca. 170 cm Tiefe eine mit Kies durchsetzte, fundreiche humose Schicht, die die Oberkante der langen Ost-West-Mauer teilweise überlagert und im unteren Bereich eine Steinlage mit Mörtelresten mit einschliesst. Der Steinhorizont lässt sich in der südlichen Grabungshälfte als Rollierung interpretie- ren. Unter dieser verläuft im nördlichen Grabungs- abschnitt eine weitere Rüfeschicht, während im südlichen Bereich eine zweite humose Schicht mit Mörtelresten und Fundmaterial zutage tritt. In der südlichen Grabungshälfte sind also zwei Kulturschichten nachweisbar, zwischen denen der Steinhorizont verläuft. Da dieser etwa bei Quadrat- meter E26 endet, liegen in der östlichen Grabungs- ecke beide Kulturschichten direkt übereinander. 
Wie das übrige Fundmaterial stammen auch die Münzen aus den beiden Kulturschichten, wobei eine Häufung der Münzfunde im südöstlichen Bereich des Grabungsareals auffällt, in dem Bereich, in dem sich beide Schichten ungetrennt überlagern. Die Bestimmung der Münzen (siehe Anhang) ergab eine zeitliche Streuung von der 2. Hälfte des 1. Jahr- hunderts bis in die 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts. Aus der oberen Kulturschicht stammen drei Münzen (Nr. 1, 2, 8), aus der zweiten Kulturschicht unter- halb des Steinbodens alle anderen (Nr. 3-7, 9-11). Anders als erwartet geben die durch die Münzen gewonnenen Daten8 keine zeitliche Abgrenzung für die beiden Schichten, was dafür spricht, dass sie ohne grosse Unterbrechung entstanden sind. Dies ist erstaunlich, stimmt aber mit der Tatsache überein, dass auch die Keramikfunde aus den beiden Schichten keine gut abgestufte zeitliche Abfolge dokumentieren können, da die Daten für die obere Schicht von der Mitte des 2. Jahrhunderts bis ins 4. Jahrhundert und für die untere Schicht von der Mitte des 2. Jahrhunderts bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts reichen.9 Für weitere Datierungsansätze wurden aus zwei Schichten Holzkohleproben entnommen, um sie im C14-Labor des Geographischen Instituts der Univer- sität Zürich-Irchel untersuchen zu lassen. Die Pro- ben wurden etwa in der Mitte der südlichen Gra- bungshälfte genommen, eine von der unter dem Steinhorizont verlaufenden Kulturschicht und eine zweite von der Unterkante der Rüfeschicht. Die erste Probe erbrachte einen Wert von 1870 + 75 YBP (1988)10, d.h. man erhält für den unteren Kulturhorizont einen Datierungsansatz zwischen 43 und 193 n.Chr., also im 1. oder 2. Jahrhundert, eine Zeit, in der Münzen und Keramik im Fundmaterial einsetzen bzw. schon stärker vorhanden sind. Die zweite Probe ergab einen Wert von 810 ± 75 YBP (1988)11, wodurch der Abgang der Rüfe zwischen 1103 und 1253 unserer Zeitrechnung angesetzt werden kann. Die verkohlten Früchte (Abb. 1), ca. 120 Stück, die unter dem Steinboden lagen, sind im Laboratoire 182
        

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