ARCHÄOLOGISCHE BEITRÄGE WALDTRAUD WAID Balzers, Winkel, 1986 NACHTRAG In den Jahren 1985/86 wurden in Balzers, Winkel (Landeskoordinaten 757.015/215.180; 472 m ü.M.), während Kanalisationsarbeiten von der Archäolo- gie Ausgrabungen unternommen, da in diesem Gemeindegebiet seit 1932 immer wieder römische Funde gemacht wurden.1 Bei dieser Ausgrabung, deren Ergebnisse bereits publiziert sind,2 wurden in 2,5 bis 3 m Tiefe römi- sche Mauerreste entdeckt, die nur mehr in den Fundamentlagen erhalten waren.3 Der stratigraphi- sche Befund4 ist sehr komplex und ergibt, kurz zusammengefasst, folgendes Bild: Unter einer mächtigen Auffüllschicht aus grauem Sand mit Steinen, Ziegel- und Mörtelresten, Frag- menten neuzeitlicher, glasierter Keramik und stark organischem Anteil im unteren Bereich, verläuft eine steinige Schicht aus eckigen Steinen, Gerollen und Grobsand, die der Ausläufer eines Bachschutt- kegels sein könnte, ' also eine Rüfeschicht. Darunter liegt auf einer Höhe von ca. 470 m ü.M. ein mächtiger Sedimentkomplex mit kleinen Tonein- schlüssen, Pflanzen-, Holzkohle- und Mörtelresten, in dem humose Bänder auftreten. In dieser Schicht liegen verstürzte Mauerteile und aus dieser Schicht wurden Scherben römischer Gebrauchskeramik und von Terra Sigillata geborgen. Es folgt eine feine, sandig-lehmige Schicht bzw. eine Feinsandschicht mit Gerollen oder Flussschotter, auf der die Mauer- fundamente aufsetzen. Von der Unterkante der Rüfeschicht (470,60 m ü.M.) wurde eine Holzkohleprobe entnommen und im Cl4-Labor des Geographischen Instituts der Universität Zürich-Irchel untersucht. Die Analyse erbrachte den Wert 690 ± 80 YBP (1988)6, womit ein Zeitraum von 1218 bis 1378 unserer Zeitrechnung eingegrenzt wird, in dem der Bergrutsch niederge- gangen sein kann. Der geologischen Interpretation zufolge' sind die Sedimentschichten durch verschiedene, kurzfristige oder längere Hochwasser entstanden, und auch die römischen Mauern sind durch Hochwasser einge- stürzt. Durch das C14-Datum wird die darüberlie- gende Rüfeschicht ins 13. oder 14. Jahrhundert datiert, eine Zeit, in der einige grosse Überschwem-mungskatastrophen 
des Rheins belegt sind/ mit denen eine stark ansteigende Wasserführung auch der Balzner Bäche einhergegangen sein muss. Ein solches Bachhochwasser scheint die Gebäude und die Bodenhorizonte zerstört zu haben, wobei das Gelände eine längere Zeit überflutet gewesen sein dürfte, was mit einer Auflandung verbunden war.9 Der mittelalterliche Rüfesturz, dessen Abgang nun zeitlich ins 13. oder 14. Jahrhundert gesetzt werden kann, führte zu einer zwischen den Dorfteilen Winkel und Höfle heute noch bemerkbaren Hang- neigung, auf deren Niveau den Wasseraktivitäten des Rheins und der Balzner Bäche offenbar ein Ende gesetzt war. Im oberen Bereich der Rüfeschicht, auf einer Höhe von ca. 470,80 m ü.M., wurde in diesem Grabungs- areal ein Fragment einer Kamm-Muschel, Pecten jacobaeus L. oder Pecten maximus L.10, einer soge- nannten Pilgermuschel, gefunden (Abb. 1 und 2). Die Muschel ist stark fragmentiert, nur der Mittelteil der flachen Schale mit dem oberen Abschluss ist erhalten. Sie weist vier Durchbohrungen auf, zwei in der Schale und zwei im Abschlussteil, von denen eines (rechts) ausgebrochen ist. 1) E. Rheinberger, JbL 32, 1932, 27 (spätrömisches Grab). - ders., JbL 33, 1933. 47 (römische Baureste). - G. Malin, JbL 67, 1967. 31 ff. (römische Baureste). - ders.. JbL 75, 1975, 471 ff. (römische Baureste). 2) H. Fetz u.a., JbL 87, 1987, 121 ff. spez. 134-161 (Areal Nipp). 3) Vgl. dazu den Plan bei Fetz a.a.O. 142 f. Abb. 10. 4) Vgl. Fetz a.a.O. 135 ff. Abb. 5-9 (Profile) und dazu die geologische Interpretation von B. Wohlfarth ebd. 145 ff. Abb. 15-18. 5) Wohlfarth a.a.O. 152. 6) AMS-Datierung; Wert 6 C": - 
24.9 %a 7) Wohlfahrt a.a.O. 149 ff. 8) Vgl. dazu das Buch: Rheinnot in Liechtenstein (1977) 10. 9) Fetz a.a.O. 157. 10) Vgl. Kl. Pauly 3 (1975 ND 1979) 1480 ff. 179
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.