geworden. Da aber Frankfurt seit jeher ein Zentrum der deutschen Juden war, lässt sich eine solche Verbindung auch nicht ausschliessen, sie ist im Gegenteil sogar sehr wahrscheinlich. So lässt sich auch in Hohenems 1675 ein «Jud von Franckfort» nachweisen. Im übrigen kann man vorerst nur spekulieren. So könnte etwa der Rabbiner, in dessen Haus die Synagoge zu vermuten ist, irgend- eine Verbindung zu Frankfurt gehabt haben. Künf- tige Forschungen müssten sich auf diese Frage konzentrieren. Wenn es gelingt, solche Beziehun- gen der Eschnerberger Gemeinde zu Frankfurt nachzuweisen, so würde damit die hier vorge- schlagene Namensdeutung von Popers abgesichert. DIE MIKWE Eine jüdische Gemeinde konnte auch nicht ohne eine Mikwe, das rituelle Reinigungsbad, auskom- men. Auch hier fehlt es jedoch einstweilen an einem Beleg. Die Chancen, einen archäologischen Nach- weis dafür zu bringen, scheinen durchaus gegeben. Zu suchen wäre die Mikwe wohl auch am ehesten in einem der Judenhäuser in Eschen oder Mauren, wahrscheinlich auch in dem Haus, das die Synagoge beherbergte. Allerdings ist damit zu rechnen, dass für den Bau der Mikwe und der dazu notwendigen Wasserzuleitungen Holz verwendet wurde. Da die Gemeinde am Eschnerberg nicht viel mehr als 12 Jahre existierte, muss auch damit gerechnet wer- den, dass man in diesem Bereich nicht über ein Provisorium hinausgelangt ist. Auch in Hohenems sind lediglich die Standorte der Reinigungsbäder bekannt; archäologische Reste fehlen. Nach einer schon genannten Aufzeichnung von Fridolin Tschugmell befand sich in der Nähe des Judenfriedhofs auf dem Judenbüchel ein Juden- brünneli. Es handelt sich dabei um eine Quelle, die möglicherweise eine Mikwe im Bereich der oben beschriebenen Synagoge über eine Zuleitung ge- speist haben könnte. Die Verhältnisse in Hohenems lassen einen solchen Schluss zu, doch bedürfen die Einzelheiten noch einer Klärung. 
DER JUDENFRIEDHOF Auch die Frage nach dem Judenfriedhof bleibt vorerst unbeantwortet. Der Flurname «Judengrä- ber» auf der Alpe Guschg (1600 m) im Gemeindege- biet von Schaan58 kann als Hinweis für einen Standort des Friedhofes nicht in Betracht gezogen werden. Zwar ist der Friedhof mit Sicherheit nicht im dichten Siedlungsgebiet zu suchen. Die erwähnte Alpe liegt aber in einem schwer zugänglichen Gelände und zu weit von den jüdischen Siedlungs- zentren entfernt, zumal die Bestattung nach jüdi- schen Vorschriften bereits wenige Stunden nach dem Tod erfolgen sollte. Auch liegt die Annahme nahe, dass die steinige Alpe an Judengräber erin- nert und sich der Name danach gebildet haben mag. Denkbar wäre, dass die Juden am Eschnerberg den Friedhof in Hohenems mitbenutzt haben, der 1641 bereits in Verwendung stand.'9 Gelegentlich kom- men in Hohenems auch Bestattungen fremder Juden vor. Hinweise auf Eschnerberger Juden feh- len jedoch. Für die auswärtige Bestattung könnten auch die liechtensteinischen Zolltafeln sprechen.60 Diese sehen für die Durchfuhr eines toten Juden einen zu entrichtenden Leibzoll in Höhe von 30 Schillingen und 30 Würfeln vor. Allein dieser Zolltarif geht mindestens bis ins 16. Jahrhundert zurück.6' Ein ursächlicher Zusammenhang mit der Gemeinde am Eschnerberg muss demnach ausgeschlossen wer- den. So bleibt die Verwendung eines eigenen Begräb- nisortes, dessen Standort wir nicht kennen, wahr- scheinlich. Der Judenbüchel in Eschen oder Mauren mag in Betracht gezogen werden. Der archäologi- sche Nachweis von Grabsteinen könnte zu einer Bestimmung des Platzes führen. In Hohenems sind solche Grabsteine seit dem 18. Jahrhundert be- zeugt.62 Es ist möglich, dass man vorher anstelle der Grabsteine Holzstelen mit eingekerbten hebräi- schen Inschriften verwendet hat. Solche scheinen im 17. Jahrhundert in der mit Hohenems eng verbundenen jüdischen Gemeinde in Aulendorf üblich gewesen zu sein.6' Falls diese auch am 164
        

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