DIE JÜDISCHE GEMEINDE AM ESCHNERBERG KARL HEINZ BURMEISTER Tatsächlich findet sich im Landesarchiv zu Vaduz in der Sammlung von Gustav Matt eine Aufzeichnung über einen Brand in Popers, wo am 26. Dezember 1856 die Häuser Nr. 10 (Eigentümer Joseph Hasler) und Nr. 11 (Eigentümer Johann Matt) abbrannten.33 Notizen zu diesen Berichten, deren Autor wahr- scheinlich Fridolin Tschugmell ist und denen auch eine Planskizze beiliegt, besagen, dass diese 1856 abgebrannte Doppelnummer 10 und 11 «die einsti- ge Synagoge gewesen sei der im sog. Freiendorf und Popers ansässigen Juden». Das später an diese Stelle gesetzte Haus des Nätzili lässt leider keine Schlüsse mehr auf eine ehemals dort vorhandene jüdische Gebetsstätte zu. Tschugmell betont aber, dass die stete Dorfüberlieferung und die Bezeich- nung Judenbüchel, «eine Flur gleich anstossend an die Strasse, die an die beiden abgebrannten Objekte anstösst, ein ziemlicher Beweis» für die Richtigkeit dieser Annahme sei, ebenso aber auch der Um- stand, dass in der Nähe auch der Judenfriedhof auf dem Judenbüchel sowie auch das Judenbrünneli ebendort zu finden sei. Vorerst ungelöst, aber weiter in künftige Betrach- tungen einzubeziehen ist die Parallele von «Freien»- dorf in Mauren und «Frei»-gasse in Hohenems. Benedikt Bilgeri behauptet, dass eine Identität zwischen Freigasse und Judengasse in Hohenems bestehe.56 Das entspricht aber in dieser strikten Form der Aussage, nicht den Tatsachen. Ganz abgesehen davon, dass die Juden in Hohenems im 17. Jahrhundert an vier verschiedenen Stellen des Ortes siedelten, und die Konzentration auf eine Judengasse sich erst im 18. Jahrhundert allmählich herausgebildet hat, umfasst die Hohenemser Frei- gasse auch die Christengasse.3' Gleichwohl könnte aber eine Parallele gegeben sein, wenn man unter den Freien in Mauren und in Hohenems Leute versteht, die von den Grafen privilegiert («gefreit») waren, wie wir es auch für die Juden am Eschner- berg annehmen müssen (vgl. unten). Ungelöst ist auch die Deutung des Ortsnamen «Popers» (Poppers), dessen jüdische Herkunft je- denfalls künftig in die Diskussion einbezogen wer- den müsste. Der Name «Poper» oder «Popper» 
bedeutet «Frankfurter» (vgl. Gerhard Kessler, Die Familiennamen der Juden in Deutschland, Leipzig 1935, S. 51). Dazu führt Louis Lamm in einem Aufsatz über die «Familien- und Ortsnamen» (in: Jüdische Familien-Forschung 6, 1930, S. 318 f.) aus, dass die Juden die doppelsilbigen Ortsnamen durch die beiden Anfangsbuchstaben der Silben abzukürzen pflegten. «So kürzte man Frankfurt vielfach mit 2 «f» ab, was dann von den Nachkom- men, welche die Abbreviatur nicht mehr ver- standen, als Pap oder Pop gelesen wurde. Schliess- lich wurde Popper daraus». Im hebräischen Al- phabet wird «f» und «p» durch denselben Buchsta- ben wiedergegeben, so dass «ff» (für «f»rank«f»urt) leicht als «pp» gelesen werden konnte. Diese Deutung setzt aber zweierlei voraus. Einmal musste diese Bezeichnung von den namengebenden einheimischen Christen übernommen werden. An- gesichts des intensiven Kontakts der jüdischen und christlichen Bevölkerung erscheint das durchaus möglich, auch wenn die Juden nur 10-12 Jahre im Land waren. Die fremdartige Bezeichnung mochte besonders reizvoll erscheinen, so dass sie nach dem Abzug der Juden überlebte. Zweitens setzt diese Deutung eine Beziehung zwi- schen den Eschnerberger Juden und Frankfurt voraus. Eine solche ist bis jetzt nicht sichtbar 48) Vorarlberger Landesarchiv. HoA Sch. 298, Fase. 1. sub dato, Fol. 2'. 49) Büchel (wie Anm. 3), S. 147. 50) Vorarlbergcr Landesarchiv, Hds. u. Cod., Reichsgrafschaft Hohen- ems 345, Fol. 117". 51) Tänzer (wie Anm. 4), S. 30, Anm. 2. 52) Vorarlberger Landesarchiv, Hds. u. Cod.. Reichsgrafschaft Hohen- ems 345. Fol. 62'. 53) Tänzer (wie Anm. 4), S. 554 ff. 54) Ebenda, S. 554. 55) Landesarchiv Vaduz RC 105/297. Den Hinweis auf den Nachlass Matt verdanke ich Paul Vogt. 56) Liechtensteinisches Urkundenbuch, Bd. 4, bearbeitet von Georg Malin, Vaduz 1963/65. S. 480, Anm. 9. 57) Ludwig Welti, Die Dompropsteigasse in Hohenems, in: Montfort 7, 1955, S. 211-219 (hier S. 211). 163
        

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