DIE JÜDISCHE GEMEINDE AM ESCHNERBERG KARL HEINZ BURMEISTER 20. September 1642 forderte die Regierung von der Stadt Feldkirch einen 
Bericht, «wie und wassgestalt es geschehen und passiert werden khan, das den Juden die aufenthaltung und das domicilium in Ewrer Statt vnd offt besagter herrschafft Velt- khürch allerdings verholten, entschwischen aber allerley Contractus solten darinnen exerciren vnd austollen mögen.»41 DAS SIEDLUNGSGEBIET Die Ansiedlung der Juden am Eschnerberg erfolgt nicht in einem geschlossenen Ghetto, sondern breit gestreut. In den Quellen werden im einzelnen Eschen, Mauren und Nendeln genannt. Dagegen ist Balzers, das 1652 als Aufenthaltsort eines Juden genannt wird,42 wohl nur als vorübergehender Aufenthaltsort, nicht als Wohnsitz zu verstehen. Der Schwerpunkt der jüdischen Gemeinden lag in Eschen und Mauren. Denn beide Gemeinde ver- langten 1649 von den Juden ein Insässgeld.4' In beiden Gemeinden ist auch der Name «Judengasse» belegt,44 wobei einstweilen offen ist, wann die Bezeichnungen entstanden sind. Offen bleibt vorläufig auch die Identifizierung der einzelnen Judenhäuser, soweit diese noch beste- hen. Aus den Quellen geht hervor, dass die Juden im Besitz von Häusern waren, mögen diese auch nur gemietet worden sein. Moises, Jude von Eschen, sagt laut einem Protokoll von 1642 
aus, «er het allwegen noch so vil gelt im hauß».4' Die Be- zeichnung «Judengasse», immer vorausgesetzt, dass diese sich im Zusammenhang mit der Gemein- de am Eschnerberg gebildet hat, würde in Eschen und in Mauren mehrere Judenhäuser verlangen. Dafür spricht auch die Zahl der jüdischen Ge- meindemitglieder. DIE ZAHL DER JUDEN Vorerst lassen sich diese Zahlen nur für die Ge- samtgemeinde am Eschnerberg angeben. Eine jüdi- sche Gemeinde setzt 
ein minjan (hebr. = Zahl) 
voraus, d.h. eine Mindestzahl von zehn erwachse- nen Juden, die für den Gemeindegottesdienst vor- geschrieben ist. Das Schuldenverzeichnis von 1649 nennt 16 Juden,4'' die auf eigene Rechnung Handel treiben, mithin also volljährig sind. Für den Zeit- raum 1640-1649 sind mindestens 20 erwachsene Juden für die Gemeinde am Eschnerberg nament- lich auszumachen. Rechnet man mit 20 Haushal- tungen, zu denen ausser den Frauen und Kindern auch die Dienstboten (hier eingeschlossen auch Schreiber und Lehrer) gehörten, so kommt man auf etwa 100-120 Juden. In Hohenems wohnen ver- gleichsweise 1696 59 Juden in insgesamt 11 Haus- haltungen.4' Vielleicht ist die Zahl von 100-120 Juden etwas zu hoch veranschlagt, sie lag aber keinesfalls unter 60 Personen. Dabei bleiben auch die aussergewöhnlichen Kriegsumstände zu berück- sichtigen. DIE ORGANE DER GEMEINDE Eine Gemeinde dieser Grösse erforderte entspre- chende Organe zur Leistung der geistlichen und weltlichen Angelegenheiten. 1649 ist der Rabbiner 36) Tiroler Landesarchiv, Buch Walgau, Bd. 13, Fol. 492' f., 572' f., 575; Bd. 14, Fol. 54' f., 55' und 56' u.ö. 37) Ebenda, Fol. 55' (hier Joseph Hiele genannt). 38) Landesarchiv Vaduz, RA 145 (= Verhörtagsprotokoll Vaduz 1639-1648). S. 60 und S. 65. 39) Zum Beispiel der 1640 in Götzis wohnhafte Mayerle Moos. Vgl. oben Anm. 26. 40) Dokumente (wie Anm. 18), S. 24. 41) Tiroler Landesarchiv, Buch Walgau, Bd. 14, Fol. 193' f. 42) Büchel (wie Anm. 3), S. 148. 43) Ebenda, S. 147 f. 44) Lorenz Jehle verdanke ich einen entsprechenden Computeraus- druck aus dem Namenbuch in Triesen. 45) Landesarchiv Vaduz, RA 145, S. 63. 46) Vorarlberger Landesarchiv, HoA Sch. 298, Fase. 1. sub dato. 47) Tänzer (wie Anm. 4), S. 50. 161
        

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