PETER KAISER UND SEIN WIRKEN IN GRAUBÜNDEN MARTIN BUNDI «Die wahre Wissenschaft umfasst nicht bloss die Gegenwart, sondern auch die Vergangenheit, und erst die Kenntnis dieser setzt jene in ihr wahres Licht.»1 Diese Aussage Kaisers in einer Abhandlung von 1831 widerspiegelt zwei wichtige Grundan- schauungen des Autors: Erstens, dass alles mensch- liche Tun nebst der Orientierung in der Gegenwart des Bezuges zur Vergangenheit, zur Geschichte, bedarf, «da sonst neue Barbarei entsteht und keine Hinweisung auf die Zukunft möglich ist». Und zweitens, dass Vergangenes erst mit Hilfe der alten Sprachen richtig erkannt werden kann; diese bilden die Brücken oder Vermittler wichtiger Zusammen- hänge und Erkenntnisse. Damit bekennt sich Kaiser zum traditionellen Bildungsideal des Humanismus. Es wäre aber lückenhaft, seine philosophische Grundhaltung allein an diesem einen Zitat zu mes- sen. Kaiser war ebenso erfüllt von der Überzeu- gung, dass alles menschliche Streben auf die Aner- kennung eines Höheren, das über dieses Leben hinaus geht, ausgerichtet sein muss. In diesem Sinne sollte für ihn Erziehung dem Grundsatze folgen: «Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst.»2 Nebst der Gottbezogenheit und der Orientierung an der Geschichte - nebst einer tiefreligiösen und einer humanistischen Verankerung also - war für Kaiser der Bezug zu den praktischen Erfordernissen des Alltags ebenso wichtig. Dieser dritte Pfeiler bot sich ihm vom zeitgenössischen Geschehen sozusagen selbstverständlich an. Es galt für ihn, sowohl die positiven Errungenschaften des Liberalismus als auch die neuen Erkenntnisse auf dem Gebiete der Erziehung, wie sie von Pestalozzi und Fellenberg erarbeitet worden waren, aufzunehmen und umzu- setzen. Dies tat Kaiser einerseits in seinem Wirken als Historiker und Staatsbürger und anderseits in seinem Hauptberuf als Lehrer und Erzieher. Wir wollen ihn etwas näher auf diesen seinen Stationen, soweit sie seine Anwesenheit in Graubünden betra- fen, verfolgen. 
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in ttt j&ttgreitlicfjcn öucljbr 11 cf ertt. Titelblatt der ersten, 1830 veröffentlichten histori- schen Schrift von Peter Kaiser, damals Lehrer und Rektor der Kantonsschule in Aarau/Schweiz 1) Programm der Aargauischen Kantonsschule 1831, S. 3/4 2) Programm der katholischen Kantonsschule Disentis 1839, S. 5 139
        

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