LIECHTENSTEINER ÄRZTE DES 19. JAHRHUNDERTS RUDOLF RHEINBERGER ner des Ortes». Alles Entgegenkommen, das er bisher von der Gemeinde genossen habe, sei eine freiwillige Leistung gewesen. Das Haus, das er bewohne, gehöre seinem Vater. ARZT IN KLOSTERS, GRAUBÜNDNER ÄRZTEVEREIN Auf diesen abschlägigen Bescheid hin entschloss sich Dr. Schlegel, sein Glück in Graubünden, wo Ärztemangel herrschte, zu versuchen. Mit der Ab- sicht, sich in Klosters niederzulassen, meldete er sich beim Sanitätsrat in Chur zur ärztlichen Prü- fung, die er am 8. Mai 1830 vor versammeltem Sanitätsrat ablegte.536 Die Prüfung war «ganz be- friedigend ausgefallen» und Schlegel wurde danach beeidigt und patentiert.537 In den folgenden Jahren übte er die ärztliche Praxis in Klosters aus.538 Zwei Jahre lang, von 1834 bis 1835, versah er auch den Dienst als «Landschaftsarzt» der Talschaft Davos. Als solcher hatte er einen Vertrag mit der Obrigkeit von Davos und bezog ein Wartgeld.539 Wie hoch das vertraglich festgesetzte Wartgeld für Schlegel war, ist nicht bekannt, doch betrug es bei seinen Vorgän- gern und Nachfolgern um 300 fl pro Jahr. Dazu kam eine Entschädigung von 24 Kreuzer für jeden verlangten Hausbesuch.540 An den Versammlungen des Graubündner Ärzte- vereins nahm Dr. Schlegel zunächst mit einiger Regelmässigkeit teil und beteiligte sich auch an dem wissenschaftlichen Gedankenaustausch während der Jahressitzungen. So berichtete er in der Herbst- sitzung 1827 über die «Heilung eines grauen Stars durch Operation». Zwei Jahre später teilte er zwei Fälle von Vergiftungen mit Belladonna (Tollkirsche) und deren Verlauf mit. An der Hauptversammlung im März 1832 brachte er eine Abhandlung über die «Heilung eines Knaben nach Entfernung eines Knochensequesters am Oberarm». Auf die Hauptversammlung vom 16. Mai 1836 hin war der gesamte bisherige Vorstand des Graubünd- ner Ärztevereins zurückgetreten. Bei der Neuwahl wurde dann Dr. Jos. Hannibal Schlegel zum Präsi- denten des Vereins gewählt. Diese Ehre scheint ihm 
aber eher ungelegen gekommen zu sein, wie aus den Protokollberichten541 der nächsten Jahre her- vorgeht. Über die Sitzung vom Mai 1837 heisst es: «Da der Herr Präses (Dr. Schlegel) wegen unab- weisbaren Hindernissen dieser Versammlung nicht beiwohnen konnte, so wurde seine eingesendete, für die gegenwärtige Versammlung richtig berech- nete und gut ausgearbeitete Rede . . . durch den Actuar vorgelesen.» Aber auch den folgenden Sit- zungen blieb Schlegel aus unbekannten Gründen fern. Am 15. Dezember 1837 hält das Protokoll542 fest: «Da der gegenwärtige Vereinspräsident Dr. Schlegel nicht anwesend war, und auch keine Rede zur Eröffnung der heutigen Sitzung ohne Angabe irgend eines Entschuldigungsgrundes ein- sandte, so begann die Sitzung unter Vorsitz des Hr. Actuars Dr. Thormann.» Es wurde dann u.a. folgender Beschluss gefasst: «Es solle durch das Sekretariat dem Herrn Vereinspräsidenten Dr. Schlegel wegen Ermangelung seiner Anwesen- heit, sowie wegen Nichteinsendung einer Präsidial- Rede ohne irgendeinen angebrachten Entschuldi- gungsgrund, ein billiges Befremden von Seiten des Vereins zu erkennen gegeben werden.» Auf die Sitzung vom 18. Mai 1838 erklärte Schlegel dann schriftlich seinen Austritt aus der Gesellschaft. Welches die Gründe für das eigenartige, ja unver- ständliche Verhalten Schlegels waren, ist nicht zu eruieren. Ist darin vielleicht schon ein Vorbote seiner schon früh zum Tode führenden Krankheit zu sehen? 536) Siehe auch oben S. 48. 537) Staatsarchiv Graubünden, Protokoll des Sanitätsrats Graubün- den 1822-1831, CB II 846. 538) Nach Ii. Bucher, Familienchronik VII/97, hat sich die Familie Schlegel zeitweise auch im Oberhalbstein aufgehalten. 539) «Aesculap in Graubünden», S. 142. 540) I.e. 541) ProtocoU des ärztlichen Vereins in Graubünden, Staatsarchiv Chur. 542) I.e. 103
        

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