Auch hier findet man einen Heinrich von Liechten- stein, einen österreichischen Ritter, als eine von bloss sechs handelnden (bzw. singenden) Hauptper- sonen. Dieser Heinrich steht in einem ähnlichen Verhältnis zu seinem Herrn, Rudolf, wie bei Grill- parzer, ist aber eine viel blassere Gestalt. Im grossen und ganzen übt er in diesem Stück eine Botenrolle aus - er überbringt immer wieder Nachrichten und Botschaften. Nebenbei wird er als besonderer Ver- trauter des Kaisers vorgestellt; Hartmann, Rudolphs Sohn, sagt zu Liechtenstein: [...] viel und gern Vertraut mein Vater Euch. (S. 281) Später redet ihn Hartmann mit «treuer Lichten- stein» an (S. 308). Heinrich von Liechtenstein ist es, der wiederum den günstigen Ausgang der Schlacht auf dem Marchfeld verkündet: [...] Die Schlacht Ist aus, und - Öst'reich hat gesiegt! (S. 305) Er beschreibt den Verlauf des Kampfes, nimmt da- bei allerdings keine besondere persönliche Rolle für sich in Anspruch. Gegen das Finale hin singen Liechtenstein, Hart- mann und dessen Braut Kunigunde (Ottokars Toch- ter) ein Terzett, das die Aussage des Stücks zusam- menfasst - «Gewiss, die Tugend wird belohnet» meint Liechtenstein dabei (S. 309). Friedrich Sengle berichtet, dass dieses Werk eine Auftragsdichtung gewesen sei, die aber beim Hof keine Gnade gefunden habe.2'' In einem Gedicht, «Die Marchfeldschlacht», welches im Buch Liechtenstein im Liede enthalten ist"', hebt Johann Langer Heinrich von Liechtensteins ent- scheidende Rolle im Verlaufe des Kampfes hervor. Nachdem der greise Haslau das österreichische Banner hat sinken lassen, bekommen die Böhmen neuen Mut. Aber: Getrost! Es naht der Retter, so schnell wie Wetterschein Es ist der tapfre Heinrich, der Held von Liechtenstein. Der Kampf geht weiter, König Ottokar wird getötet, und schliesslich siegen die Österreicher endgültig. 
Das Gedicht endet mit folgender Strophe: Von vielen tausend Lippen der Siegesjubel braust Und stolzer weht das Banner in Heinrichs Heldenfaust; Durch ihn ward Böhmens König einstmals der Herzogshut Heut kauft' er ihn für Rudolf zurück mit seinem Blut. Schon wieder kommt eine historische Verwechslung vor (vielleicht hat sich Langer auf Grillparzers bzw. Hormayrs Darstellung der Begebenheiten gestützt): Der Heinrich von Liechtenstein, der Ottokar zur österreichischen Herzogswürde verhalf, war näm- lich Heinrich L, während derjenige, der Rudolf in der Schlacht auf dem Marchfeld beistand, Heinrich II. war. 92
        

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