DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN ne Reise, bei der er, als König Artus verkleidet, Ritter zu Turnieren herausfordert. Einer dieser Rit- ter ist Heinrich von Liechtenstein, und an mehreren Stellen hebt Ulrich dessen männliche, tapfere und ritterliche Eigenschaften hervor:19 von Liehtenstein her Heinrich der hiez von reht der manlich (S. 470) Zuo mir geviel mich her Heinrich von Liehtenstein, der muotes rieh (S. 497) bi den geschart reit riterlich von Liehtenstein min her Heinrich (S. 499) Neben diesen Tugenden nennt Ulrich aber auch eine negative Charaktereigenschaft: Heinrich war näm- lich für seinen Geiz bekannt!2" Die oben aus S. 470 zitierte Stelle fährt weiter: er was des libes gar ein degen, er het ab milte sich bewegen: von milt wolt er niht lobes hän, er was für war ein arger man. [arg = geizig] Nach der Darstellung der geschichtlich nicht beleg- baren «Artusfahrt» schildert Ulrich die historischen Ereignisse der Schlacht an der Leitha (1246) und den Tod des österreichischen Herrschers, Herzog Friedrichs IL21 Heinrich von Liechtenstein spielt eine entscheidende Rolle im Kampf, der zum Sieg der österreichischen Truppen führt. Ulrich beschreibt seine Ankunft mit folgenden Worten: gein den kom schöne an der zit mit einer schar min her Heinrich von Liehtenstein, der muotes rieh: erfuort den vanen in siner haut. (S. 527) Nach dem Tod Herzog Friedrichs gelingt es Hein- rich, die Russen zu besiegen: den sie iedoch aldä gewan von Liehtenstein der biderbe man. der gebärt da unglich einem zagen, bi im vil Hute wart erslagen. die Riuzen muosten wichen dä: sie huoben sich ze flühte sä. (S. 528) Im Zuge der patriotischen Bewegung in Österreich, die gegen Ende des achtzehnten und am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts als Reaktion auf die Be-drohungen 
durch Napoleon aufkam, griffen viele Autoren gern auf das dreizehnte Jahrhundert zu- rück - auf eine Zeit, in der die Österreicher gegen andere Völker (Ungarn, Böhmen, Russen) kämpfen mussten, um ihre Freiheit zu bewahren. Die zentra- len Heldenfiguren in dieser Zeit waren der letzte Babenberger, Friedrich IL, sowie der erste öster- reichische Habsburger, Rudolf L, - und beiden stan- den Liechtensteiner zur Seite. Karoline Pichlers schon zitierter Roman Friedrich der Streitbare (siehe den vorhergehenden Ab- schnitt) erwähnt Heinrich von Liechtenstein mehr- mals als Gefährten und Vertrauten Herzog Fried- richs. Zunächst fungiert er als Gesandter des öster- reichischen Herrschers, einmal um mit König Bela IV von Ungarn zu unterhandeln (2. Tl., S. 151), dann als Brautwerber für Herzog Friedrich um die Hand 15) Heinrich Heine, 1797-1856. studierte damals in Göttingen. 16) Vgl. Heinrich Heine. Werke, Verlag C. H. Beck, München; Bd. 1. 1973, S. 324. 17) Vgl. die Erläuterung in dem von Stuart Atkins herausgegebenen 1. Bd. der in der letzten Anm. zitierten C. H. Beck-Ausgabe: «Satire auf deutsche Kleinstaaterei und Untertanengeist» (S. 851). In der Insel-Ausgabe (II. Heine, Sämtliche Werke, hrsg. von Oskar Watzel. Leipzig; hier Bd. 4, hrsg. von Julius Petersen, 1912) verweist der Bearbeiter in einer Erläuterung (S. 493) auf die «Bierstaaten», die Studenten in Dörfern in der Umgebung der mitteldeutschen Universi- täten zu errichten pflegten. Nach einem indirekten Beleg muss ein Bierstaat Cypern bestanden haben, und es wird vermutet, dass es auch einen Bierstaat Lichtenstein gab. Diese Vermutungen wurden in die Anmerkungen zu gewissen späteren Heine-Ausgaben aufgenom- men, nicht aber zum 1973 erschienenen 6. Bd. der Historisch-kriti- schen Gesamtausgabe, welche zur betreffenden Stelle keinen Kom- mentar anbietet. 18) Geschichtliche, genealogische und biographische Details über die hier behandelten Angehörigen des Hauses Liechtenstein wurden vor- wiegend den Werken entnommen, die im Literaturverzeichnis am Schluss der Arbeit angeführt werden. 19) Die Zitate entstammen der Ausgabe des «Vrouwen dienest» von Karl Lachmann (Berlin 1841; Nachdruck Hildesheim u. New York 1974). Vgl. auch Falke. I. S. 285. 20) Vgl. dazu Falke, ebda. 21) Diese Ereignisse, einschliesslich Heinrich von Liechtensteins Rol- le, werden auch in der Reimchronik des steirischen Ottokars (s. unten, im Zusammenhang mit Grillparzers «König Ottokar», bzw. Anm. 24). geschildert. 89
        

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