DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN Vorbemerkungen Angesichts der Bedeutung des Hauses Liechtenstein in der europäischen Geschichte' ist es nicht verwun- derlich, dass das alte Adels- und Herrscherge- schlecht auch in der deutschen Literatur einen be- stimmten Niederschlag findet. Das Vorkommen der Liechtensteiner in der Literatur umfasst in der Tat die Zeitspanne von der mittelhochdeutschen Epik bis zur Kurzprosa unseres Jahrhunderts. Wir haben uns aber entschlossen, dieses Vorkommen nicht nach der Literaturgeschichte oder literarischen Gat- tungen, sondern eher nach der genealogischen Chronologie darzustellen. Dabei ist zu bemerken, dass das literarische Vorkommen Angehöriger des Hauses Liechtenstein sehr unausgewogen erfolgt ist; bestimmte Zeitabschnitte und einzelne Persönlich- keiten sind nämlich stärker vertreten als andere. Die Gründer der Nikolsburger Linie im 13. Jahrhundert und diejenigen des Fürstenhauses im 17. Jahrhun- dert, zum Beispiel, wirkten in historisch sehr be- wegten Zeiten, welche viele literarische Darstellun- gen erlebt haben. Dagegen sind uns überhaupt keine Beispiele für Nennungen der Gründer des eigentli- chen Fürstentums am Anfang des 18. Jahrhunderts in der schönen Literatur bekannt. Logische Regeln sind also hier nicht im Spiel: Findet man gewisse wichtige Vertreter des Geschlechts in mehr oder weniger bedeutenden literarischen Zusammenhän- gen vor, so fehlen andere für die Geschichte des Hauses ebenso wichtige Persönlichkeiten gänzlich, oder aber sie kommen in eher belanglosen literari- schen Kontexten vor. Dafür aber tauchen einige Liechtensteiner im Rahmen der schönen Literatur auf, die im Rahmen der Geschichte des Hauses nicht sehr prominent sind. Es fällt geradezu auf, dass bei den begrenzten Fällen von Nennungen Angehöriger des Hauses Liechten- stein in der deutschen Literatur viele Verwechslun- gen vorliegen. Bei teilweise recht bekannten literari- schen Werken wurden Vater und Sohn, zwei Brüder oder gar zwei verschiedene Linien aus dem Ge- schlecht Liechtenstein miteinander verwechselt. Wir haben uns bemüht, in diesen Fällen wo möglich Klarheit zu schaffen und die Irrtümer gewisser Lite- raten und Literaturwissenschaftler richtigzustellen. 
Es dürfte einleuchtend sein, dass es so gut wie unmöglich ist, ein Thema wie das vorliegende syste- matisch zu erforschen. Der Verfasser sammelt schon seit vielen Jahren Belege zu diesem Fachbe- reich, war aber im grossen und ganzen - abgesehen von den wenigen vorhandenen einschlägigen Publi- kationen - auf zufällige Funde und auf freundliche Hinweise von Dritten angewiesen. Lediglich bei den Themengruppen (a) Friedrich der Streitbare / Rudolf von Habsburg und Ottokar von Böhmen bzw. (b) Dreissigjähriger Krieg / Rudolf II. / Ferdinand II. / Wallenstein war es einigermassen möglich, ein sy- stematisches Vorgehen zu versuchen. Es kann nicht stark genug betont werden, dass in dieser Arbeit nicht der geringste Anspruch auf Vollständigkeit er- hoben wird. Da auch in der jüngsten Zeit neue Belege zum Vorschein gekommen sind, wird es un- vermeidlich sein, dass andere wiederum unberück- sichtigt blieben. Es kann also lediglich ein Überblick über die Fälle geboten werden, welche uns zufällig bekannt sind. Da aber unseres Wissens bisher nie versucht wurde, die verstreuten Nennungen von Mitgliedern des Hauses Liechtenstein in der deut- schen Literatur zusammenzutragen, können wir nur hoffen, dass dieser - wenn auch lückenhafte - Über- blick von einigem Interesse sein wird. 1) Vgl. Volker Press, Das Haus Liechtenstein in der europäischen Geschichte, in: Liechtenstein - Fürstliches Haus und staatliche Ord- nung, hrsg. von Volker Press und Dietmar Willoweit, Vaduz / Mün- chen u. Wien 1987, S. 15-85. 83
        

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