RECHENSCHAFTSBERICHT DES LANDESVERWESERS CARL VON IN DER MAUR außerordentlich wichtiger Schritt zur Besserung der Alpverhältnisse, beziehungsweise zur besseren Aus- nützung der Alpen und der Arbeitskraft geschah in Triesenberg. Der Verkauf der fürstlichen 
Alpe Säcke bot die günstige Gelegenheit, den von der fürstlichen Regierung in früherer Zeit wiederholt vergeblich gemachten Versuch zu erneuern, die Gemeinde, welche auf die Erwerbung dieser Alpe den größten Werth legen mußte, zu bewegen, von der seit Jahr- hunderten eingelebten Einzelbewirthschaftung der Alpen zum genossenschaftlichen Betriebe überzuge- hen, wozu der Landtag unter günstigen Bedingun- gen ein Darlehen von 50 000 fl bewilligte. Seither hat sich der Übergang vollzogen, wenngleich zahl- reiche Schwierigkeiten zu überwinden und viele Verdrießlichkeiten zu überstehen waren und es noch lange Zeit brauchen wird, bis die starrsinnig am Alten hängenden Triesenberger sich eines Bes- seren werden belehren lassen. Schon jetzt läßt sich der Vortheil der geänderten Betriebsweise der Al- pen beinahe ziffermäßig nachweisen. Während früher täglich aus jeder Alphütte eine Per- son zwei oder drei Stunden weit gehen mußte, um einige Liter Milch nach Hause zu tragen, um sodann wieder in die Alphütte zurückzuwandern, wornach sich, wie 
von Klentze in seiner Monographie «Die Alpwirthschaft im Fürstenthume Liechtenstein» be- rechnet, ein jährlicher Verlust von mindestens 9000 Arbeitstagen ergibt, wenn nur angenommen wird, dass während einer dreimonatlichen Alpzeit 130 Personen die Arbeit von höchstens 30 verrich- ten, findet gegenwärtig ein größerer Theil der dispo- niblen Arbeitskraft in der Weberei zu Triesen Ver- wendung. Dortselbst waren früher durchschnittlich nicht mehr als 12 Triesenberger beschäftigt, wäh- rend jetzt schon fast 50 Personen aus Triesenberg dort beschäftigt sind, was allein einem Jahresver- dienst von 12 000 bis 15 000fl gleichkommt und überdieß den Vortheil hat, dass fremde Arbeiterele- mente durch einheimische ersetzt werden. Ein in Liechtenstein seit 1886 bestehender, vom Lande mit jährlichen 300 fl subventionirter land- wirtschaftlicher Verein hat die in ihn gesetzten Er- wartungen nicht erfüllt, indem er sich im letzten Jahre, um die Zeit der Landtagswahlen, statt mit 
landwirtschaftlichen Gegenständen unliebsamer Weise mit Wahlagitationen befaßte, welche in die Form landwirtschaftlicher Fragen gekleidet waren und ihre Spitze gegen den früheren Landtag kehr- ten. Über die aus der Mitte des Landtages hervorge- tretenen bezüglichen Bekriminationen habe ich mei- nen Standpunkt genau präcisirt und bin zu der An- nahme geneigt, dass die Vereinsthätigkeit fortan die in den Vereinsstatuten vorgesehenen Bahnen nicht verlassen werde. Ein beklagenswertes Hinderniß stellte sich den vieh- züchterischen Bestrebungen dadurch entgegen, dass in der unmittelbaren schweizerischen Nach- barschaft seit Jahren die Maul- und Klauenseuche und zwar zeitweise sehr intensiv herrschte. Es war nur mit dem Aufgebote aller Mühe möglich zu ver- hindern, dass die Seuche nach Liechtenstein über- greife und hier eine ähnliche Ausdehnung erlange, wie in der Schweiz; im Ganzen waren hier seit Jahren nur 3 Ställe infizirt und gelang es, die Seuche zu lokalisiren. Obwohl aber Liechtenstein seuchen- frei ist, wird dasselbe von der Schweiz stets als verseuchtes Land behandelt, was hier einen großen Schaden verursacht'" und begreiflichen Unwillen er- regt, so dass das Bestreben laut wurde, sich von der zwischen Österreich und der Schweiz abgeschlosse- nen Seuchenconvention loszusagen und mit der Schweiz eine eigene Convention einzugehen, welche voraussichtlich eine günstigere Position für Liech- tenstein schaffen würde. Nach der 1886er Zählung betrug der liechtensteini- sche Viehstand in runder Summe 300 Pferde, 4000 Stück Rindvieh, 1000 Schafe, 2000 Ziegen und 2 000 Schweine und es kann der Werth dieses Vieh- standes immerhin auf etwa 600 000 fl veranschlagt werden. Gegen Unfälle des Rindviehes besteht im Lande ein Viehversicherungsverein, welcher eine ersprießli- che Wirksamkeit entfaltet. 10) Bis 1890 wurde jeweils mehr als die Hälfte des Viehs in die Schweiz exportiert. Diese Exporte gingen stark zurück. Vgl. Alois Ospelt. Wirtschaftsgeschichte des Fürstentums Liechtenstein im 19. Jahrhundert. Anhang Nr. 62: Rindviehausfuhr Liechtenstein 1888-1918. In: JBL 1972, S. 175. 73
        

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