räthe - ein getreues Abbild der in den Gemeinden herrschenden Zustände - fallen meistens jenem der in ihrer Mitte befindlichen Schwätzer zum Opfer, welcher die hier besonders beliebte Rolle eines Op- ponenten mit der größten Unverschämtheit und dem grössten Aufgebote von Stimmmittel zu spielen versteht. Die Wahl in die Gemeindevertretung vollzieht sich nicht selten derart, dass eine Gruppe von Wählern mit Erfolg bestrebt ist, aus Bosheit und zum Hohne irgendein augenscheinlich ungeeignetes Individuum in den Gemeinderath zu wählen, was dann meist allgemeines Gelächter hervorruft und den ganzen Vertretungskörper in den Augen der Mitbürger dis- kreditirt, worauf es eben abgesehen ist. In fast allen Gemeinderäthen sitzen Individuen, deren Wahl der- artig zu Stande gekommen ist. Dass bei solchem Geiste unter der Bevölkerung auch in den Gemein- deräthen ein Gemeinsinn fast ausnahmslos fehlt, Wichtigthuerei, kleinliches persönliches Gezänke, grober Eigennutz und Unverstand an der Tagesord- nung sind, ist eine leider nur zu wahre Thatsache. Euere Durchlaucht werden hieraus entnehmen, wie schwierig es für die staatliche Verwaltung, deren Basis im Großen und Ganzen doch immer die Ge- meinde sein muß, ist, mit so unzuverläßigen und minderwärthigen Vollzugsorganen zu amtiren. Thatsächlich stellen sich der Durchführung der al- lergewöhnlichsten und natürlichsten Maßregeln hier oft ganz ungeahnte Hindernisse in den Weg, andererseits ist man in den Gemeinden weder fähig noch gewillt, auch nur die einfachsten Dinge abzu- thun, sondern schickt die Leute wegen der minde- sten Bagatellsachen zu den Behörden - ein Verfah- ren das wohl auch intendirt, sich selbst von aller Verantwortlichkeit zu entlasten und sich keiner Bos- heit auszusetzen, die fast nie ausbleibt, wenn sich eine Partei durch den Spruch eines Gemeindefunk- tionärs beinträchtigt glaubt. Von der Überzeugung ausgehend, dass eine Ord- nung im Gemeindewesen überhaupt ganz unmög- lich ist, wenn nicht das Rechnungswesen in Ord- nung gestellt wird, habe ich den Gemeinden für die von ihnen abzulegenden öffentlichen Rechnungen 
sowie für ihre Rechnungsvoranschläge leicht faßli- che Formularien hinausgegeben, welche nicht nur eine geregelte Rechnungslegung sondern auch eine gründliche Controle der letzteren ermöglicht haben. In Folge der Läßigkeit der Gemeindekassiere, wel- che Steuer- und dergleichen öffentliche Schuldigkei- ten an die Gemeinde bei den Parteien nicht einzo- gen, um sich mit diesen nicht zu verfeinden, wuch- sen die Rückstände an solchen Abgaben sehr bedeu- tend an und betrugen nach den 1884er Gemeinde- rechnungen rund 40 000fl; seit Einführung der er- wähnten Formularien sind diese Reste so bedeutend gesunken, dass sie nach den 1889er Rechnungen weniger als 20 000H ausmachen und eine weitere Verminderung angenommen werden kann. Nach den 1888er Rechnungen betrug die gesammte Geld- gebahrung der Gemeinden im Empfange 275 664 fl in der Ausgabe 149 941 fl. E) ARMENWESEN Im Allgemeinen ist dieser Zweig der öffentlichen Verwaltung den ländlichen Verhältnissen angemes- sen besorgt. Es bestehen in drei 
Gemeinden {Triesen, Schaan, Mauren) Armenhäuser und in einer vierten Gemein- de {Vaduz) ist ein solches im Entstehen begriffen. Die bestehenden Armenhäuser sind entsprechend organisirt und haben auch je kleine Krankenabthei- lungen, welche allerdings mangelhaft eingerichtet sind, weßhalb beabsichtigt wird, es nach und nach durch Zuwendung eines Theiles der Interessen des landschaftlichen Armenfondes zu ermöglichen, dass wenigstens die allernothwendigsten medizinischen und chirurgischen Gegenstände beigeschafft wer- den. Die Möglichkeit der Unterbringung gemeingefährli- cher Irren in den Armenhäuser liegt nicht vor; nach der Lage der Verhältnisse könnte eine rationelle Irrenpflege hierlands ohnehin nicht durchgeführt werden und wird es stets nothwendig werden, vor- handene bösartige Irre in auswärtigen, fachlich ge- leiteten Heilanstalten unterzubringen, dass die Ar- 68
        

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