RECHENSCHAFTSBERICHT DES LANDESVERWESERS CARL VON IN DER MAUR d) durch die Hinweisung auf die Nothwendigkeit, den Aufsätzen die bisher mangelnde eingehende Pflege angedeihen zu lassen; e) durch Einführung eines für alle Schulen giltigen Normalalphabetes; f) durch Einführung des Zeichnens als obligaten Gegenstandes für Knaben der II. und III. Klasse in getheilten Schulen, was insbesonders für Knaben, die sich dem hier viel verbreiteten Bauhandwerken widmen wollen, wichtig ist; g) durch Erlassung der bisher fehlenden genauen Vorschriften für die Unterweisung im Obstbau und in den weiblichen Handarbeiten - ein Gegenstand, welcher bis jetzt vielfach vernachläßigt wurde; h) durch strikte Vorschriften über die Ertheilung von Hausaufgaben - um den gerechtfertigten Klagen über die Überbürdung der Schulkinder zu begeg- nen; i) durch detaillirte Bestimmungen über die Aufstel- lung der auf den Lehrplan sich gründenden Stun- den- und Unterrichtspläne. Der Lehrplan für die Fortbildungsschulen faßt die dießfalls bestehenden einzelnen Vorschriften orga- nisch zusammen und bezweckt dem Schwanken der bisherigen Schulpraxis ein Ziel zu setzen. Die Schulvisitationen werden in allen Schulen jähr- lich wenigstens einmal von dem Gefertigten vorge- nommen, außerdem wurden auch alle Elementar- sowie alle Fortbildungsschulen regelmäßig einmal im Jahre und, wo das Erforderniß vorlag, auch in außerordentlicher Weise fachlich inspiziert. Für die Berichterstattung über die fachlichen Schulinspek- tionen wurden Formularien vorgeschrieben, durch welche die Möglichkeit eines Überblickes über den Stand der inspizirten Schule, sowie des allfällig ge- botenen sofortigen Einschreitens eröffnet wurde. Über behördlichen Auftrag wurden während 6 Jah- ren größere Erweiterungsbauten in Schulhäusern mit einem durchschnittlichen Aufwände von 5000- 6000 fl vorgenommen in den 
Gemeinden Vaduz, Balzers, Mauren und Rugell. Kleinere bauliche Ver- änderungen (insbesondere Herstellung sanitär ent-sprechender 
Aborte u.dgl.) haben während der ab- gelaufenen 6 Jahre zumeist über behördlichen Im- puls fast in allen Schulhäusern stattgefunden. Die am wenigsten entsprechende Schule ist jene in Triesenberg und hat der Landesschulrath in der Erwägung, dass der Fortbestand der gegenwärtigen Verhältnisse nicht weiter verantwortet werden könnte, diese Gemeinde im Entscheidungswege ver- halten, nach Ende des Wintersemesters an einen Neu- oder Umbau zu schreiten. Die für jede Schule erforderlichen Lehr- und Anschauungsmittel (Re- chenmaschinen, Tabellen für metrisches Maß, Glo- ben, geometrische Figuren usw.) sind im Laufe von 6 Jahren fast in allen Schulen ergänzt oder neuange- schafft worden, so dass wohl alle Schulen dermalen in dieser Hinsicht gut versehen sind. An Lehrmitteln wurden eine deutsche Sprachlehre neu eingeführt, in Vorbereitung sind begriffen ein Leitfaden für Geschäftsaufsätze (zum Gebrauche in den Fortbildungsschulen) sowie eine Schulkarte von Liechtenstein, deren Herstellung schon vor mehre- ren Jahren der bekannte Kartograph 
Professor Ger- ster übernommen hat, ohne bis heute damit zu Ende gekommen zu sein.2 Um Eltern armer Schulkinder die Beischaffung von Lernmitteln zu erleichtern, wurde jeder Lehrperson ein jährlicher Pauschalcredit gegen detaillirte Ver- rechnung zur Verfügung gestellt. Was die Heranbildung der Lehrer betrifft, so erfolgte dieselbe in früheren Jahren an den königl. württem- bergischen Anstalten, als aber nachträglich wegen Platzmangels die Aufnahme liechtensteinischer Candidaten abgelehnt worden ist, wurden dieselben an der k.k. Lehrerbildungsanstalt in Bregenz ausge- bildet. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass die in Württemberg instruirten Lehrer eine ausgezeichne- te Vorbildung erlangten und dass der Aufenthalt im Lehrerinternate auch den Charakter günstig beein- flußte, zudem erhielten die Zöglinge gediegenen Un- 2) Am 13. Oktober 1888 wurde mit dem Kartographen J.S. Gerster in Rheineck ein Vertrag über die Erstellung einer Schulkarte des Für- stentums Liechtenstein abgeschlossen. LLA RE 1888/1432. Die Karte, der erste liechtensteinische Farbdruck, lag im Frühjahr 1894 vor. Bericht im Liechtensteiner Volksblatt vom 30. 3. 1894. 53
        

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