RECHENSCHAFTSBERICHT DES LANDESVERWESERS CARL VON IN DER MAUR Dieser Rechenschaftsbericht zerfällt in folgende Abschnitte: I. Schulverwaltung II. Politische Verwaltung im engeren Sinne u. zwar: A) Landesfinanzen B) Polizeiwesen u. zwar: a) Sicherheitspolizei b) Feuerpolizei c) Baupolizei d) Gewerbepolizei C) Cultus D) Gemeindewesen E) Armenwesen F) Landescultur u. zwar: a) Forstliche Angelegenheiten b) Jagd, Fischerei, Obst- und Weinbau c) Viehzucht und Alpwirtschaft d) Rheinbauten e) Straßen und Communikationen III. Justizverwaltung I. ABSCHNITT: SCHUL-VERWALTUNG Dem Schulwesen wurde fortgesetzt ein eingehendes Augenmerk zugewendet, was in einem Lande, wel- ches, wie Liechtenstein, keine allgemeine Wehr- pflicht besitzt und gerade dadurch auch eines wich- tigen Volkserziehungsmittels entbehrt, mehr als an- derswo geboten erscheint und schon aus rein mate- riellen Rücksichten nothwendig ist, weil ein großer Theil der Liechtenstein'schen Bevölkerung seinen Verdienst im Auslande - namentlich in der benach- barten Schweiz - suchen muß und die Erfahrung zeigt, dass Personen mit solider Schulbildung im Kampfe um das Dasein bei sonst gleichen Verhält- nissen fast immer besser bestehen als Leute mit mangelhafter Schulbildung. Im Allgemeinen wurde mit jener Beharrlichkeit, ohne welcher in der Verwaltung überhaupt und in der Schulverwaltung insbesonders nichts erzielt 
werden kann, daraufhingewirkt, dass einerseits das Lehrpersonale seinen Pflichten gewissenhaft nach- komme und dass andererseits die Schuljugend nicht nur das Lehrziel erreiche, sondern auch in ordentli- cher Zucht gehalten werde. In ersterer Beziehung hat die Anerkennung guter Leistungen des Lehrpersonales und die wo nur immer möglich mit Consequenz durchgeführte Auf- rechthaltung der Autorität desselben wie nicht min- der das gleichmäßige Vorgehen in jenen seltenen Fällen, in welchen sich Mitglieder des Lehrstandes Ausschreitungen, Eigenmächtigkeiten oder Läßig- keiten zu Schulden kommen ließen, ein lobenswer- thes Streben und einen regen Wetteifer in der Pflichterfüllung unter dem Lehrpersonale wachge- rufen. In anderer Hinsicht hat die stetige Betonung des Momentes einer guten Schulzucht, die beharrliche Hinweisung auf die Nothwendigkeit den erziehli- chen Einfluß der Schule mehr zur Geltung zu brin- gen und das energische Auftreten gegen die unter der hiesigen Schuljugend so oft vorkommenden Rohheiten und Zügellosigkeiten sich sowohl für Schüler als für Lehrer und Eltern heilsam erwiesen. Die im Anfange meiner Dienstleistung häufig be- klagten Fälle von Renitenz, böswilliger Unfolgsam- keit und hartnäckigem Trotz gegen das Lehrperso- nale sind viel seltener geworden, die äußere Haltung der Schuljugend hat sich unzweifelhaft gebessert und auch in der Bevölkerung ist einiger Einfluß der eingeführten systematischen Ordnung im Schulwe- sen wahrzunehmen. Freilich ist der in einer großen Anzahl hierländiger Familien herrschende Geist nicht eben besonders gut und sind die Beispiele, welche den Kindern im Elternhause gegeben wer- den, häufig genug sehr bedenkliche, so dass nicht selten das Haus verdirbt, was die Schule mit Noth und Mühe gutgemacht hat. In Familien, in welchen derartige Verhältnisse be- stehen, kann natürlich von einem nachhaltigen er- ziehlichen Einfluße der Schule nicht die Rede sein und haben selbst die besten Verwaltungsmaßregeln eine nur vorübergehende Wirkung. Wenn nach diesen Bemerkungen mehr allgemeiner Natur übergegangen wird zu den bedeutenderen 47
        

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