LIECHTENSTEIN IM JAHRE 1938 PETER GEIGER Nächsten Sonntag nachmittags 2 Uhr finöet in öer „Eintracht" in Eschen eine öffentliche Versammlung statt, an welcher Herr Regierungschef Dr. Hoop über: „Aktuelle Landesfragen" sprechen wirö. Jedermann ist zu öieser öffentlichen Versammlung freundlichst eingeladen. 
«Liechtensteiner Volks- blatt», 10. Dezember 1938. Bölleranschläge und das anstehende Proporzgesetz riefen einer klärenden Stel- lungnahme zum Kurs des Landes. HOOPS ESCHNER REDE VOM 11. DEZEMBER 1938 Die Regierung musste handeln. Der Regierungschef lud auf Sonntag, 11. Dezember 1938, nachmittags 2 Uhr, zu einer öffentlichen «Grossen Volksver- sammlung» nach Eschen in den «Eintracht»-Saal.177 Das Haus fasste die Zuhörer nicht. Hoops Rede zu «Aktuellen Landesfragen»'7* wurde bereits vier Tage später vom deutschen Generalkonsul in Zürich mit bitterem Kommentar nach Berlin gesandt.17'* In der Rede argumentierte Hoop eindringlich. Hier gebe es keine «unterdrückten Menschen», die von auswärts Hilfe bräuchten. Zur Schweiz und zu Deutschland stehe Liechtenstein in herzlichen Be- ziehungen, die Hoop persönlich pflege. Im Innern habe der Parteienfrieden «Liechtenstein gerettet», sonst wäre es «vom Abgrund verschlungen». Kolle- gialregierung und Landtag seien mit dem Volk einig, den Kindern und Enkeln eine Heimat zu erhalten, «in der sie zwar bescheiden, aber frei und zufrieden und glücklicher als irgendwo in der Welt leben kön- nen». Er verglich die Verhältnisse in Deutschland mit jenen im Fürstentum: In Deutschland werden Opfer gefordert, hohe Steuern und drei Mannesjahre vom Staat verlangt, Kriegsdienst und Tod drohen, keine persönliche Freiheit existiert, keine Freiheit der Kritik und der Wahl. Dafür den liechtensteini- schen Frieden zu verkaufen, wäre «Frevelmut ohne- gleichen», ganz Liechtenstein würde sich erheben. Die Gewalttäter rief er auf, die Folgen ihres Tuns zu bedenken, es möchte sonst das empörte Volk «sein Recht herunter von den Sternen holen», um sich zu 
162) Diese Angaben aufgrund einer Reihe von Fällen in den Akten, LLARF 179/-184/. 163) Interview des Verfassers mit Altregierungschef Dr. h.c. Alexan- der Frick, Schaan, vom 1. Juni 1988. Er war 1938 Steuerkommissär. 164) LLARF 182/491. 165) LLARF 179/203,183/82. 166) Interview des Verfassers mit Oberlehrer i.R. Egon Meier. Mau- ren, vom 14. Juli 1988. 167) LLA GS (= Gerichtsakten, Strafakt) 71/323. - LLA RF 184/369. 168) LLA RF 180/49, GS 71/123, RF 183/156. RF 176/448, GS 71/ 249. 169) LLA GS 71/121. 71/129. 170) LLA RF 180/42. - LLA L Prot, der Landtags-Finanzkommission vom 20. Mai 1938. - Vgl. 50 Jahre Pfadfinder in Liechtenstein 1931-1981, Fotos. Originaltexte und Dokumente, Vaduz 1981, S. 28 ff. 171) L1ARF180/248, 184/30. 172) SieheobenAnm. 167. - Interview des Verfassers mit Altregie- rungschef Dr. h.c. Alexander Frick vom 1. Juni 1988. 173) L.Vo. und L.Va. 1938. Nur andeutungsweise sprach man davon. 174) LIARF 184/240, RF 184/369, GS 71/321. 175) Z.B. LLA RF 185/70, 184/329. 176) Interview siehe oben Anm. 43d. 177) Ankündigung im L.Vo., 10. Dezember 1938. 178) Abgedruckt im L.Vo., 13. Dezember 1938, auf den ersten beiden Seiten. Das L.Va. brachte nichts über die Versammlung und die Rede Hoops. 179) Generalkonsul Voigt in Zürich ans Auswärtige Amt, 15. Dezem- ber 1938, LLA Dok. 1204/331 776 f.: der von Voigt mitgesandte Text von Hoops Rede war eine Abschrift aus dem L.Vo. vom 13. Dezember 1938. 33
        

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