Sozialzulagen, doch war der Transfer der Löhne vorerst beschränkt. Dennoch war glücklich, wer dort Verdienst fand. Andererseits blieben die Knechte aus der neuen «Ostmark» (Österreich) nun aus.141 Der spärliche diplomatische Verkehr Liechtensteins mit dem Reich lief über die Schweiz. Parallel dazu pflegten Hoop wie Vogt rege inoffizielle Kontakte ins Reich,142 von der Schweiz und im Lande bearg- wöhnt. Hoop, der in Berlin als «bauernschlau» und kompro- missbereit galt,143 hatte dort allzu sorglos zugesagt, im Sommer 1938 könnten bis zu 750 deutsche HJ- Jungen in drei 14tägigen Etappen ein Lager im Steg durchführen, in Uniform. Nur mit Mühe konnte er es wieder abblasen.144 Stattdessen campierten engli- sche Pfadfinder im Land.145 Hoop und der Fürst verteilten als diplomatische Gebinde auch Orden und Briefmarken an hilfreiche Persönlichkeiten, welche Kontakte knüpften oder in den Ministerien Einfluss übten.146 WECHSEL AUF DEM FÜRSTENTHRON: TOD VON FÜRST FRANZ L, REGIERUNGS- ANTRITT VON FÜRST FRANZ JOSEF II. Der Prinzregent besuchte alsbald im Mai 1938 die Gemeinden von Balzers bis Ruggell.147 Die herzlich- patriotischen Anlässe webten am persönlichen Band zwischen Volk und Fürst. Bei der grösser aufgezoge- nen Besuchsfeier für den Regenten in Vaduz - mit Fackelzug, Schlossillumination und Feuerwerk - sprach sich Regierungschef-Stellvertreter Vogt in seiner Rede im Rathaussaal für Freundschaft mit beiden Nachbarstaaten aus und bekräftigte die Treue zur Selbständigkeit und zu den Schweizer Verträgen, womit er einiges Misstrauen auch in den eigenen Reihen zerstreute.148 Auf den 14. August plante die Regierung eine grosse Landeshuldi- gung,14'' als Demonstration der Eigenständigkeit des Volkes, das sich um die Integrationsfigur seines Re- genten scharen sollte. Es kam nicht dazu. Denn am 25. Juli 1938 starb der 85jährige Fürst Franz L, nach neunjähriger Regierung. Trauer-geläute, 
Seelenrosenkränze in allen Gemeinden, dunkle Kleidung für Beamte, Trauersitzung des Landtages und vier Wochen strenge Landestrauer ehrten den toten, wohltätigen Fürsten. Landtag und Regierung gaben ihm in Feldsberg und Wranau das Geleit.15" Fürst Franz Josef II. trat am 25. Juli nun auch for- mell die Regierung an. Im Aufruf «An mein Volk in Liechtenstein» gelobte der neue Fürst, «meinem Lande ein gerechter Fürst zu sein, die verfassungs- mässigen Freiheiten zu wahren, den Bedrängten und Armen ein Helfer und dem Rechte ein treuer Hüter zu sein», dies hoffe er «in gemeinsamer Arbeit mit dem Volke» und mit Gottes Gnade zu erfüllen.151 SUDETENKRISE UND FÜRSTLICHE BESITZUNGEN Als Hitler im September der Tschechoslowakei die deutsch besiedelten Sudetengebiete abpresste,152 rutschten auch zwei Drittel der tschechoslowaki- schen Hausbesitzungen des Fürsten, darunter elf Schlösser, in die reichsdeutschen Grenzen und unter deutsche Hoheit. Zur Regelung des Transfers der Betriebsmittel und der Erträge der Güter von der Tschechoslowakei nach Deutschland und vor allem nach Liechtenstein wurden Verhandlungen mit den Behörden in Berlin und Prag nötig, auch zur Aufrol- lung der zuvor in der Tschechoslowakei für das Fürstenhaus unbefriedigend und unvollständig ge- regelten Enteignungsentschädigungen, mit anfälli- ger «Wiedergutmachung» oder Rückgabe von Gü- tern. In Berlin führte diese Gespräche Regierungs- chef Hoop für den Fürsten, vom 16. bis 20. Oktober 1938.153 Obwohl sie das Privatvermögen des Für- stenhauses betrafen, war es für den liechtensteini- schen Staat wichtig, des Fürsten materielle auswär- tige Interessen zu stützen, boten jene doch traditio- nell nicht nur die Grundlage für die fürstliche Wohl- tätigkeit, sondern im Falle der Not geradezu eine Art letzte Staatsgarantie für das Land. Auch daran wird deutlich: Land und Fürst von Liechtenstein stützten sich 1938 gegenseitig. 30
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.