SCHLUSSFOLGERUNGEN Beim venezianischen Rippenbecher, der im Liech- tensteinischen Landesmuseum in Vaduz ausgestellt ist, handelt es sich um ein Glas, welches sicher vor 1538 hergestellt worden und als Reliquienbehälter von Weihbischof Stephan Tschuggli in einem Altar- sepulcrum deponiert worden sein muss. Ob es aus einer Kirche aus dem Gebiete des heutigen Fürsten- tums Liechtenstein oder ob es aus dem benachbar- ten Ausland in den Besitz des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein gelangte, lässt sich nicht mit Sicherheit klären. Gewiss ist nur, dass das Reliquiar aus dem Gebiete des Bistums Chur stammt.1* Beim oben beschriebenen Reliquienglas handelt es sich in verschiedener Hinsicht um ein besonders beachtenswertes Objekt. Einerseits stellt es, wie dar- gelegt, in der Kombination von Rippen mit Email- und Golddekor, einen seltenen Glastyp dar. Ande- rerseits ist es das bis heute einzige nachgewiesene venezianische Glas, das im Bistum Chur von Weihbi- schof Stephan Tschuggli als Altarreliquiar verwen- det worden ist. In der Regel deponierte Tschuggli grüne Nuppenbecher in den Altären1" (vgl. Abb. 9). 
Abb. 9: Grüne Nuppenbe- ANSCHRIFT DES AUTORS eher. Weihbischof Stepha- nus Tschuggli setzte diese Hansjörg Frommelt Gläser anlässlich einer Landstrasse 31 Neuweihe am 30. Septem- FL-9490 Vaduz ber 1520 als Reliquiare in den drei Altären der Kirche St. Laurentius in Surcasti, Graubünden, bei. (Abbil- dung: Hansjörg Frommelt) 18) Einzig der Nuppenbecher in den Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein kann sicher als Reliquienglas einem Gottes- haus im Gebiet des heutigen Fürstentums Liechtenstein zugeordnet werden. Die von Kaplan Fetz beschriebenen Altarreliquiare aus der Kapelle St. Florin in Vaduz müssen als verschollen gelten. Dass bereits im Jahre 1960 die Frage nach der Herkunft des venezia- nischen Bechers ungelöst war. zeigt folgender Ausschnitt aus einem Brief Erwin Poeschels: «Das von Ihnen neulich abgezeichnete und abgedrückte Siegel stammt vom Weihbischof Stephan Tschuggli, Episcopus Bellinensis. Wenn Sie eine von ihm vollzogene Kirchweihe in Liechtenstein nachweisen könnten, würde man wissen, aus wel- chem Gotteshaus das fragliche Reliquienglas stammt.» Ausschnitt aus einem Brief Erwin Poeschels. 24. März 1960. Im Liechtensteinischen Landesmuseum in Vaduz aufbewahrt. Wir können heute eindeutig eine Weihe Stephan Tschugglis belegen, das Reliquienglas aber dieser mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht zuordnen! 19) Der Berkemeyer Inv. Nr. 1670 in den Sammlungen des Regieren- den Fürsten von Liechtenstein würde in die Reihe der von Stephan Tschuggli als Altarreliquiare verwendeten Glasbecher passen. Ob er die Weihe des Altares in der Burgkapelle vollzogen hat, kann nicht belegt werden. 252
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.