EIN VENEZIANISCHER RIPPENBECHER HANSJÖRG FROMMELT nes und versiegeltes Reliquienglas mit einer Wei- heurkunde, ausgestellt am 8. Dezember 1504, ge- funden worden ist.1' Ob es sich dabei um eine Wei- hehandlung Stephan Tschugglis handelt, kann aus der Notiz nicht geschlossen werden. Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist 1905 jenes Reliquienglas ge- funden und anlässlich der Neuweihe der Kapelle im Jahre 1907 wieder im Altar deponiert worden, das dann 1961 dem Sepulcrum des Hochaltares ent- nommen worden ist und das sich heute in den Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liech- tenstein befindet."' Die Reliquien, die Pergamentur- kunde und der Wachsdeckel mit dem bischöflichen Siegel fehlen heute17 (vgl. Abb. 8). 14) Pergamenturkunde, 23,5 cm x 12,8 cm; Pfarrarchiv Triesen, U 9: Nos frater Steffanus ordinis predicatorum Dei et apostolice sedis gratia episcopus Bellinensis / reverendissimi in Cristo patris et domini domini Pauli eadem gratia electi et confirmati ecclesie / Curiensis in pontificalibus vicarius generalis recongnoscimus per presentes quod (?) sub / anno Domini millesimo quingentesimo decimo tertio menss autem Julii die vicesima / sexta consecravimus unum altare in dextro latere ecclesie seu Capelle sancte / et gloriose virginis Marie in Try- senn prope Renum in Honorem sancte Anne / matris gloriose virginis Marie, sanctorum Johannis Baptiste, Georgii, Christofferi / martyrum et sancte Ursule et sodalium eius. Nos vero omnibus vere confitenti- bus / confessis et contritis qui in festivitatibus patronorum altarium praenominati ac etiam in / dedicatione ipsius ecclesie eandem devote visitaverint et ibidem divinum officium audierint / seu alias ad capel- lam et altare huius modum (?) legaverint aut manus porrexerint adiutrices / nos de omnipotentis Dei misericordia sanctorum Petri et Pauli apostolorum et patronorum / predictorum eius auctoritate confi- si quadraginta dies criminalium et centum venialium / peccatorum iniunctis de eis penitenciis misericorditer in Domino relaxamus. da- tum et / actum die loco quibus supra sub nostra pontificali sigillo presentibus subappenso. Übersetzung der Urkunde: Wir, Bruder Stephan, vom Orden der Prediger, durch Gottes und des apostolischen Stuhles Gnaden Bischof von Bellinensis und zugleich bischöflicher Generalvikar des ehrwürdigen Vaters und Herrn in Christus Paul*, des Bischofs von Chur, erkennen vor allen Anwesen- den, dass wir im Jahre des Herrn 1513, am 26. Juli, den rechten Seitenaltar der Kapelle zur heiligen und glorreichen Jungfrau Maria in Triesen. nahe dem Rhein, zu Ehren der Heiligen Johannes d.T. und Georg, zu Ehren des Märtyrers Christopherus und zu Ehren der Heiligen Ursula und ihrer Gefährtinnen weihen. Wir gewähren all jenen Ablass, die reumütig bekennen und diese Kirche demütigst an den Festen der obengenannten Altarpatrone oder am Kirchweihfest selbst besuchen und die Messe hören, oder die auf andere Weise der Kapelle und dem Altar ein Vermächtnis hinterlassen oder dieser hilfreich durch Arbeit etwas beisteuern. Um des allmächtigen Gottes Barmherzigkeit willen und kraft der Autorität der heiligen Apostel Petrus und Paulus und der vorgenannten Kirchenpatrone gewähren 
wir all jenen gnädig im Herrn vierzig Tage Ablass bei schweren Sünden und hundert Tage Ablass bei lässlichen Sünden. Gegeben vor allen Anwesenden am obigen Tag und am obigen Ort und durch unser unten angefügtes Siegel bestätigt. * Paul Ziegler, Bischof von Chur, 1505-1541. Vergleiche Clavadetscher, Otto P., a.a.O., Seite 493. Wichtige Hinweise zur Weiheurkunde verdanke ich den Herren Dr. Werner Vogler, Stiftsarchiv St. Gallen, lic. phil. Paul Vogt, Landesar- chiv Vaduz und Claudius Gurt. Nach freundlichen Angaben von H. Herrn Dr. Bruno Hübscher, Bi- schöfl. Archivar in Chur, ist für Stephan Tschuggli keine weitere Weihetätigkeit im Räume des heutigen Fürstentums Liechtenstein urkundlich belegt. 15) «ANTIQUARISCHER FUND. Unter einer Platte der Schlosskapelle wurde ein mit dem bischöflichen Siegel verschlossenes Glas mit Reli- quien gefunden. In demselben befand sich ein beschriebener Perga- mentstreifen, aus welchem zu entnehmen ist, dass am 8. Dezember 1504 ein Altar geweiht wurde. Ob es sich um einen Hausaltar oder um einen Altar der Schlosskapelle dreht, konnte bis jetzt noch nicht sichergestellt werden.» Aus: Liechtensteiner Volksblatt, Nr. 4, 27. Januar 1905, Titelseite. Wenn Hofrat Dr. Franz von Wieser in seiner «Baugeschichte der Burg Vaduz» im Jahre 1920 schreibt, dass in der Schlosskapelle die «Ein- weihung eines neuen Altärchens um 1504» urkundlich bezeugt ist, wird er sich wohl auf die im Reliquienglas aufgefundene Weihe- urkunde beziehen. Vergl. Rheinberger. R. Eine bisher unveröffentlich- te Darstellung der Baugeschichte der Burg Vaduz, in: Jahrbuch des Historischen Vereins für das Fürstentum Liechtenstein, Band 77, 1977, Seite 60. 16) Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein, Inv. Nr. 1670. Berkemeyer. Ende des 15. Jahrhunderts / Anfang des 16. Jahrhunderts - vermut- lich vor 1504. Höhe: 10,9 cm 0 der Lippe: 9,5 cm 0 des Fussrings: 7,1 cm Grünes Glas mit vielen Lufteinschlüssen. Aufgelegter, durchbrochener Fussring. Eingestochener Boden. Auf der Wandung alternierend 3 grössere einzelne und 3 etwas kleinere paarweise übereinandergestellte Nuppen mit gerichteten Spitzen. Oberhalb der Nuppen ist ein Glasfaden aufgelegt. (Abb. 8) 17) Nach Angaben von a. Kabinettsdirektor Dr. Gustav Wilhelm be- fanden sich bei der Bergung des Reliquiars im Jahre 1961 nicht mehr lesbare Fragmente einer Pergamenturkunde, Reste des Wachsver- schlusses und Skelettreste einer Maus im Nuppenbecher. Mit Sicher- heit handle es sich beim 1961 aufgefundenen Reliquienglas um den Berkemeyer, welcher sich heute in den Sammlungen des Regierenden Fürsten von Liechtenstein befindet. 251
        

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