DER PARTEIENFRIEDEN Rasch bahnte sich aber derweil im Lande die politi- sche Lösung an. Am Freitag, 18. März — in Berlin entschied sich gleichzeitig die liechtensteinische An- schlussfrage -, fanden sich im Regierungsgebäude unter Regierungschef Hoops Vorsitz die Parteispit- zen zu einer Besprechung. Auf Bürgerparteiseite nahmen neben Dr. Lloop der Parteiobmann Bern- hard Risch, Fritz Walser, Oswald Bühler und Dr. Ludwig Marxer, auf Unionseite Parteiobmann Dr. Otto Schaedler, Dr. Alois Ritter, Dr. Alois Vogt und Regierungsrat Alois Schädler teil. Sie waren einig, «dass beim Ernst der gegenwärtigen Lage eine politische Befriedung des Landes notwendig ist». Die VU-Vertreter erklärten, «dass sie eindeutig auf dem Boden der Selbständigkeit und Unabhän- gigkeit des Fürstentums stehen», verlangten aber zugleich die «rasche Umbildung der Regierung» und den Proporz in Landtag, Kommissionen und Gerich- ten sowie eine Umbesetzung beim Arbeitsamt. Die Bürgerparteiseite sagte zu, die Vorschläge den Par- tei-Instanzen befürwortend zu unterbreiten. Bis Montag wurde Antwort zugesagt.'13 Die Geburt der Koalition war eingeleitet. Auf der Strasse in Vaduz traf Regierungschef Hoop an diesem Freitag unvermittelt auf den jungen Thronfolger. Der damals knapp 32jährige Prinz Franz Josef war in raschem Entschluss aus Sorge um seine künftige Herrschaft von Wien hergereist. •aJltiftereiii. T5rcttag ben 18. SFiärj l. 3- fanö bei ber fürftl. 9\egierung eine Vefprccbung ^roifeben Vertre- tern ber Vürgcrpartei unb ber Vatcrlänbifchcn Union über bie ©urebfübrunq einer innerpoliti- feben Vefriebung ftatt. "Sic 'Sluäfpracbe, bie ftcb auf ber (^runblaqc »eiliger politifeber ($(cicbbc-- reebtiaunq beroeqtc, bat einen crfota,»crfprcctocn= ben Verlauf genommen. T>ic bei ber Vefprect)- unq anniefenben Vertreter ber 'Parteien finb ber '•Jluffaffung, bafj bteburrf) alte Voraueffetjungcn gefebaffen finb für eine gcbeiblicbc 3ufammcn- arbeit in ber 3utunft. «Liechtensteiner Vater- land», 19. März 1938 
Er hatte niemandem etwas mitgeteilt, auch dem Fürsten nicht. Der Thronfolger drängte den durch das Auftauchen des Prinzen sichtlich «unangenehm berührten» Regierungschef, der seine Politik gestört sah, und die noch misstrauische Bürgerpartei, sofort die Vorschläge der VU anzunehmen und sich mit ihr zu einigen. Mit beiden Seiten führte der Thronfolger entsprechende Gespräche. Er gewann die Zuver- sicht, dass Liechtenstein sich treu bliebe.94 Am Montag, 21. März, konnte die von den Parteiaus- schüssen bereits abgesegnete «innenpolitische Be- friedungsaktion» definitiv vereinbart werden. Beide Parteien bekannten sich darin erneut zu Verfassung, Selbständigkeit und Fürstenhaus und zu den Verträ- gen mit der Schweiz. Sie vereinbarten die Koali- tionsregierung, nach welcher die Bürgerpartei den Regierungschef und einen ständig amtierenden Re- gierungsrat, die VU den Regierungschef-Stellvertre- ter und einen nicht ständig amtierenden Regie- rungsrat und beide Parteien je einen Regierungsrat- Stellvertreter erhielten. Der Anspruch stützte sich auf die knapp 48% der Wählerstimmen der VU von 1936. Ebenso wurde der Proporz für die Landtags- wahl und für Kommissionen und Gerichte zugesagt. Die Landtagswahl sollte nicht jetzt, sondern im Ja- nuar 1939 stattfinden.1'5 Der Frieden war geschlossen, rascher als erwartet - und dauernder. Daneben liefen allerdings noch liechtensteinische Einflussversuche in Berlin. BERLIN-REISEN VON OTTO SCHAEDLER UND BEGIERUNGSCHEF HOOP Dr. Schaedler war nämlich am Freitag (18. März) im Anschluss an das Parteiengespräch nach Berlin ge- reist. Er sprach am Samstag, 19. März, bei der Volksdeutschen Mittelstelle vor. Hier erklärte er, die von ihm dem Regierungschef präsentierten Forde- rungen'"' seien «die beste Grundlage für einen natio- nalsozialistischen Aufbau von Liechtenstein»; er in- trigierte gegen Hoop und vermittelte den Eindruck, der Thronfolger sei dem deutschen Regierungssy- stem gewogen.'17 Schaedler betrieb hier ein mehr als bedenkliches Doppelspiel, mit dem Ziel der Macht. 20
        

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