Ribbentrop seinerseits notierte: «1.) gegen Wahl 2.) keinerlei Einmischung von uns 3.) Anschluss aus- schalten 4.) gegen Monacco Danzigstellung (sie) nichts einzuwenden 5.) Fürst Lichtstein (sie) soll bleiben 6.) später eventuell Zoll und Währungs-Uni- on.»82 Vom Aussenministerium in Berlin aus ergin- gen ab Freitag, 18. März, und Samstag, 19. März, die entsprechenden Weisungen nach Bern und Zü- rich. Der deutsche Gesandte in Bern hatte Absichten einer Einbeziehung des Fürstentums in die schwei- zerische Landesverteidigung «mit unverhohlenem Erstaunen zu begegnen».83 Ribbentrop erliess für den schweizerischen Gesandten in Berlin eine Stel- lungnahme: Deutschland habe «gegen das Fortbe- stehen eines unabhängigen Fürstentums an sich nichts», ein engerer Anschluss an die Schweiz sei «unerwünscht»; unter dieser Voraussetzung «ga- rantierte» Ribbentrop «Liechtensteins Fortbe- stand».84 Als Ergebnis steht fest: In Berlin war die Liechten- stein-Frage nach dem österreichischen Anschluss eine Woche lang offen. Solange bestand Anschluss- gefahr. Am Freitag, 18. März, traf dann Hitler sel- ber abschliessend die Entscheidung, Liechtenstein vorläufig in Ruhe zu lassen. Hitler und seinem Aussenminister war der Gegenstand Liechtenstein zu unbedeutend,8' die Verträge mit der Schweiz standen im Wege, die Friedensglorie um Öster- reich sollte nicht gestört werden. Die Berliner Ent- scheidungen kannte man in Liechtenstein freilich noch nicht. UNSICHERHEIT IN LIECHTENSTEIN Hier spitzte sich die Lage nochmals zu. Die National- sozialisten witterten Morgenluft. Die Bürgerpartei war bedrängt. Und die VU-Opposition sah ihre Chance. Das «Liechtensteiner Vaterland» begrüsste in der Mittwochausgabe (16. März) den österreichi- schen Anschluss und folgerte für Liechtenstein: «Das Regime Schuschnigg ist zusammengebrochen; auch das Regime der Bürgerpartei wird und muss zusammenbrechen».86 Die Anschlussvorgänge in Österreich meldete das «Liechtensteiner Volksblatt» 
erst ohne Wertung, darauf mit resignierter Zustim- mung.87 Nach der Rückkehr von Bern dachte die Regierung möglicherweise einen Moment lang an eine Volks- abstimmung über die liechtensteinische Selbstän- digkeit, während liechtensteinische Nationalsoziali- sten daraus eine Abstimmung über einen Anschluss an das Reich machen wollten und an die Mittelstelle in Berlin meldeten, sie wollten als «NSDAP Liechten- stein» oder als «Volksdeutsche Freiheitsbewegung» Liechtensteins in Neuwahlen ziehen und das Haken- kreuz statt der Fürstenkrone in die liechtensteini- sche Flagge einfügen.88 Die internationale Presse war erneut beunruhigt. «La Stampa» titelte: «Movimento nel Liechtenstein per l'Anschluss alla Germania».8'' Ein Schweizer bot dem Regierungschef Tretminenanlagen zur Grenz- sicherung an."0 Gerüchte schwirrten." Im Einvernehmen mit der Regierung in Vaduz sand- te Fürst Franz am 17. März 1938 Reichskanzler Hitler «anlässlich der Vereinigung von Österreich ... mit dem Deutschen Reiche ... meine Glückwün- sche», anfügend, dass er von Deutschland eine «Ge- währ für einen dauernden Frieden» in Europa er- warte. Hitler dankte dem Fürsten telegrafisch.''2 82) Notizen in der Handschrift von Ribbentrop, LLA Dok. 115/ 117 378 f.; der nicht datierte Zettel liegt bei Stiers Bericht vom 19. März 1938 zu Dr. Otto Schaedlers Besuch in Berlin, siehe unten Anm. 97. 83) Telegramm Weizsäckers an Köcher in Bern. 18. März 1938, LLA Dok. 1204/331 732. 84) Ribbentrops Stellungnahme gegenüber dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Hans Georg Mackensen, 19. März 1938. LLA Dok. 317/192 022 f. und 1204/331 737 f. - Ausführlicher dann der von Ribbentrop abgesegnete und von Ernst von Weizsäcker gezeichnete «Erlass» des Auswärtigen Amtes vom 25. März 1938 an die deutsche Gesandtschaft in Bern (abgesandt am 30. März), mit Abschriften an das Oberkommando der Wehrmacht und das deutsche Generalkonsu- lat in Zürich, LLA Dok. 1204/331 739-745 und 115/117 390 ff. 85) Dies ist auch die Auffassung von Fürst Franz Josef IL, Interview des Verfassers mit dem Fürsten vom 19. August 1988. 86) L.Va.. 16. März 1938.-Sieheauch L.Va., 23. März 1938: «Frie- den in Liechtenstein». - Schriftleiter des L.Va. war zu diesem Zeit- punkt Dr. Alois Vogt. 87) L.Vo., 15. und 17. März 1938. - L.Vo.. 19. März 1938: «Tatsa- chen um Liechtenstein»: «Der grossdeutschen Bewegung bringen wir 18
        

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