t FÜRSTLICHER STUDIENRAT PROF. OTTO SEGER FELIX MARXER / ALOIS OSPELT Nachruf FELIX MARXER Am 8. März 1988 ist Prof. Otto Seger nach langer schwerer Krankheit im Kantonsspital in Chur ge- storben. Nicht nur der Historische Verein, sondern ganz Liechtenstein hat ihm viel zu verdanken. Seine umfassende Bildung und vielseitige Begabung, seine Hingabe an übernommene Verpflichtungen und eine unerschöpflich erscheinende Arbeitskraft befähigten ihn, in einem ungewöhnlich grossen Wir- kungskreis im Dienste der Jugend und des Landes tätig zu sein. Als Gewerbesekretär, Lehrer, Berufs- berater, Leiter des Abendtechnikums Vaduz, Histo- riker und Publizist hat er Bedeutendes geleistet. Otto Seger wurde am 20. Februar 1907 in Schott- wien am Semmering als Sohn des fürstlich liechten- steinischen Försters Adolf Seger und der Hedwig, geb. Real, geboren. Noch im gleichen Jahr übersie- delte die Familie nach Karlstal in Schlesien und 1919 nach Landskron in Böhmen. Nach dem Ersten Weltkrieg war sein Vater als Forst- meister in Mödling, im Wienerwald tätig, wo Otto Seger auch die Matura ablegte. Nach germanistischen und historischen Studien und einer Ausbildung als Turnlehrer wirkte er als Erzie- her an der Bundeserziehungsanstalt für Knaben in Traiskirchen bei Wien. Eine Lehrerbeurteilung aus dem Jahre 1932 be- zeichnet ihn als «fleissigen, gewissenhaften Men- schen, der über vielerlei Fähigkeiten verfügt». 1937 verehelichte er sich mit Gerda Rittler aus Wien. Der Ehe entsprossen zwei Kinder, Ulrich und Elisabeth. (Sein Sohn Ulrich ist 1958 im Mont-Blanc- Gebiet im Alter von 19 Jahren tödlich verunglückt.) Ende 1938 wurde Otto Seger zum Direktor des Gym- nasiums in Bregenz und im folgenden Jahr auch zum Leiter des Mädchengymnasiums am Marien- berg in Bregenz ernannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg übersiedelte er mit seiner Familie nach Vaduz, wo er 1946 eine Stelle als Gewerbesekretär fand. Er gründete die Berufsberatungsstelle und war 1948 bis 1966 nebenamtlicher Berufsberater. Die Ver- selbständigung dieses Amtes bedingte den Abschied von seiner ihm lieb gewordenen Lehrtätigkeit an der 
Realschule Vaduz, an der er 15 Jahre lang erfolg- reich und von Kollegen und Schülern hochgeschätzt gewirkt hatte. 1968 organisierte er erstmals die Teilnahme unse- res Landes an den Internationalen Berufswettbe- werben. Als Höhepunkt seines Wirkens im Bildungswesen Liechtensteins ist die Gründung des Abendtechni- kums Vaduz im Jahre 1961 zu bezeichnen. Über zwei Jahrzehnte, bis 1984, ist er dem Abendtechni- kum als gewandter, sachkundiger und verantwor- tungsvoller Leiter vorgestanden und hat die Schule von bescheidenen Anfängen zu einer weithin aner- kannten technischen Ausbildungsstätte geführt. Bei einer Diplomfeier sagte Otto Seger in seiner Festansprache, nachdem er sich zu Einsatz und Leistung bekannt hatte: «Das Positive im Suchen unserer Zeit nach neuen Wegen und Zielen ist das Streben nach mehr Menschlichkeit, nach innerer Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zum Anteil- nehmen am Leben des Nächsten. So nüchtern die Arbeit des Ingenieurs, aber nur von aussen gesehen erscheint, sie birgt viele Möglichkeiten menschlicher Wirkung: Kameradschaftliches Zusammenarbeiten, Verständnis für den Untergebenen, nicht zuletzt für den Gastarbeiter, und schliesslich das Bewusstsein, dem Wohle aller zu dienen.» Das Zitat bringt die Gesinnung und Lebensauffas- sung Segers zum Ausdruck, die er ohne grosses Aufheben in die Praxis umsetzte. Er selbst war stets für andere da. Er lebte bescheiden und war jedem Luxus abhold. Sein Verkehrsmittel von Balzers bis Ruggell war das Fahrrad, mit dem man ihn täglich bis ins hohe Alter sah, und mit dem er auch, wie er stolz sagte, bei Zusammenkünften meist als erster an Ort und Stelle war. In einer Dankadresse an Prof. Seger äussert sich ein ATV-Diplomand folgender- massen: «Als geistiger Vater und Mitbegründer des Abend- technikums Vaduz ist er die gute Seele dieser Schule im wahrsten Sinne des Wortes. Er war unser väterli- cher Berater, verständnisvoller Briefkastenonkel für unsere psychischen und physischen Wehwehchen und wenn nötig ein strenger, aber gerechter Pä- 219
        

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