nachweisbare Schulmeister in Vaduz. Er nannte sich stolz «Skribent5 und teutscher Schul- und Re- chenmeister». Von einem Lehrer erwartete man auch damals schon, dass er schön und geläufig schreiben konnte. Mit dieser Kunst hatte Krauss 1669 beim Grafen Karl Friedrich von Hohenems eine Anstellung gefun- den. Das zeigt 
der Revers, den Krauss als Bestäti- gung der «Bestallungs-Instruction»6 geschrieben hat. Bei den Grafen von Hohenems war es wie in anderen Adelskreisen üblich, einen Schreiber und Schulmeister aus dem süddeutschen Raum, mit Vor- liebe aus Bayern, anzustellen. Verwandtschaftliche Beziehungen und Empfehlungen spielten dabei oft eine grosse Rolle, ebenso die Höhe des Lohnes. Manchmal erhielt der Gesuchsteller gar nichts, wenn seine Schrift oder sein Benehmen dem Herrn nicht gepasst haben. Dann musste sich der arme Lehrer damit zufriedengeben, dass man ihn mit dem Lohn auf spätere Zeiten vertröstete oder ihm wenig- stens ein gutes Zeugnis gab. Johann Christian Krauss war aber nicht nur Lehrer, sondern auch «Skribent», wie man damals einen Schreiber nannte. So wurde er am 21. November 1669 als «Cancellist und teutscher Schulmeister» vom Grafen von Hohenems aufgenommen. Der Biograph der Grafen von Hohenems, Ludwig Welti, hat als bester Kenner der Geschichte dieses Grafenhauses zwei bedeutende Werke geschrieben, über Graf Jakob Hannibal I. und Graf Kaspar von Hohenems. Aufgrund seiner Forschungen bezeich- nete Welti den 
Grafen Kaspar als kulturbeflissenen Aristokraten»7. Er hatte 1612 in Hohenems eine Lateinschule gegründet, die sich bald grosser Be- liebtheit erfreute und auch von auswärtigen Schü- lern besucht wurde. Nach der Schulordnung des Grafen war der Schulmeister verpflichtet, der Ju- gend sowohl «in lateinischem als teutschem Schrey- ben, Lesen und Rechnen mit Schuelhalten ordent- lich und fleissig vorzustehen, etliche zum Gesang zu ziehen und zu dem Chor zu gebrauchen». Die Bestallungs-Instruction, die Krauss 1669 vom Grafen Karl Friedrich von Hohenems erhalten hat, dürfte im Wortlaut auf die erwähnten Anordnungen des Grafen Kaspar zurückgehen. Vermutlich hatten 
sie auch 
für Vaduz Geltung, obwohl es dort keine Lateinschule gab. Diese Instruktion wurde wörtlich in den Revers aufgenommen. Krauss musste sich eidlich verpflichten, die Bestimmungen getreu zu befolgen. Da ihm aber der Lohn für seine Tätigkeit als Schrei- ber und Schulmeister mit 40 Gulden im Jahr zu gering war, suchte er am 8. November 1670 beim Stadtrat 
in Feldkirch um die Stelle des Schulmeisters an und bat «raptissime» um Nachricht, weil er sich schon vor etlichen Wochen angemeldet habe. Um sicher aufgenommen zu werden, ging Krauss sehr planmässig vor.8 Er bat den Grafen Karl Friedrich und die Amtsleute der Regierung in Hohenems und Vaduz um eine «Rekommandatio». Die erste Empfehlung gaben ihm bereitwillig die Vormundschaftsräte und Ober- amtsleute von Hohenems und Vaduz.9 Es wird darin amtlich bestätigt, dass Johann Christian Krauß von Bamberg «ein wolgeübter Skribent und qualificier- tes Subiectum» sei. Er habe in der 
Grafschaft Vaduz die Jugend zwei Jahre lang «mit guetem effect in- struiert» und dabei seine Person und gute Qualitäten vorgestellt. Einige Tage danach sandte Graf Karl Friedrich eine Rekommendation mit eigenhändiger Unterschrift an den Stadtrat von Feldkirch und be- stätigte, dass Krauss als Schulmeister und Skribent des Grafen und der Beamten mit Zufriedenheit seine Pflichten erfüllt habe.10 Falls die Stadt Krauss auf- nehmen könnte, würde sie ihm, dem Grafen, einen sonderbaren Gefallen und eine Höflichkeit erweisen. Die Empfehlung vom 20. November 1670 ist beson- ders wichtig, weil die Amtleute darin bestätigten, dass Krauss ein tüchtiger Schulmeister sei und die Jugend 
in Vaduz zwei Jahre lang unterrichtet habe. Dieser Akt 1233 im Stadtarchiv Feldkirch bot den Anlass zu weiterer Forschung im Hohenemser Ar- chiv, das sich teilweise im Vorarlberger Landesar- chiv 
in Bregenz befindet. Dort fand ich die Bestal- lungs-Instruction und den Revers von Krauss. Das Gesuch an den Stadtrat von Feldkirch hat Krauss dem Stil der Zeit entsprechend 
sehr devot gehalten. Er versicherte dem Stadtrat, dass er «die liebe zartblühende Jugend» so erziehen werde, daß die Stadt mit ihm zufrieden sein müsse. Die Jugend 190
        

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