Die Münzreihe endet (mit Ausnahme zweier Stücke) mit Prägungen von Diocletian bzw. Maximianus I. Die spätesten belegten Prägungen dieser Herrscher werden zwar von Overbeck vor bzw. ins Jahr 288 n. Chr. datiert - dies aber entgegen anderer Ansich- ten17 und in der sicheren Annahme, dass es sich beim grössten Teil der Münzen vom Lutzagüetli um einen versprengten Schatzfund handelt. Es gibt zweifellos Argumente für diese Ansicht: Aneinan- derhaftende Stücke, Erhaltung, chronologische Ge- schlossenheit und die grosse Fundmenge" sprechen sicher für einen «Schatzfund», d.h. eine zusammen in den Boden gelangte Menge von Münzen. Der archäologische Befund erhärtet diese These nicht und lässt es vor allem nicht zu, diejenigen Münzen mit Sicherheit auszuscheiden, die zu diesem Fund gehört haben1'1. Die 59 Neufunde ermöglichen keine endgültige Be- urteilung der Münzfunde vom Lutzagüetlikopf. Wir möchten aber unterstreichen, dass eine im Jahr 288 n. Chr. erfolgte Zerstörung der Siedlung auf dem Lutzagüetlikopf und die Vergrabung eines Schatzes in diesem Jahr als Hypothesen zu werten sind, die wir, zumindest was die dezidierte Datierung angeht, nicht teilen. Die Deutungsversuche für die ganze Münzreihe, die in der Literatur weite Verbreitung gefunden haben20, die Qualität der Neufunde und deren Fundumstände führen alle zum Schluss, dass alleine die genaue Kenntnis des archäologischen Kontextes bei der Auswertung von Fundmünzen für die historische Forschung zu einigermassen exakten Aussagen führen kann. 
17) Vgl. Overbeck 1973, 154 Nr. 94 und Anmerkung dazu. 18) Die 145 in der Literatur bekannten Münzen des Krüppels bei Schaan stammen zum grösseren Teil aus der Mitte des 4. Jh. und nicht aus der früheren Belegungszeit im späteren 3. Jh. n. Chr., vgl. Overbeck 1973, 159-167 Nr. 77-Vom Grossen Chastel, Gemeinde Lostorf/SO zählt man auf einer vergleichbaren Fläche 39 römische Münzen, vgl. S. Frey-Kupper, Die Fundmünzen, in: Ch. Ph. Matt u.a. Der Grosse Ghastel bei Bad Lostorf, ein spätrömisches Refugium im Solothurner Jura. Archäologie des Kt. Solothurn 5.1987, 87-101.- Auf dem Üetliberg, Gemeinde Stallikon/ZH sind auf einer deutlich grösseren Fläche nur 77 römische Münzen geborgen worden. B. Iledinger, Die römischen Fundmünzen vom Üetliberg, Grabungen 1982-1989, in: Üetliberg-Uto-Kulm.-Die Ausgrabungen von 1980-1989. Monographien der Zürcher Denkmalpflege (im Druck). Vom Wittnauer Horn/Wittnau/AG sind 110 Münzen bekannt: G. Ber- su, das Wittnauer Horn. Monographien zur Ur- und Frühgeschichte der Schweiz IV (1945) 94-102. 19) Die Zusammensetzung der Münzreihe selbst lässt es unserer Meinung nach nicht zu, einen Schatzfund herzuleiten. Auffällig ist zumindest, dass der ebenfalls nach Overbeck 1973, 96-102 und Overbeck 1982, 201 um oder nach 285 n. Chr. vergrabene Fund von Balgach/SG gleiche Datierungen für die Schlussmünzen zeigt (der Fund ist nicht vollständig überliefert). Die Verteilung der 201 Stücke von Balgach auf die einzelnen Kaiser ist stark von derjenigen des Lutzagüetlis (183 Stücke des 3. Jhs.) verschieden: Balgach Lutzagüetli Claudius IL 17.4% 4.8% Aurelian 12.4% 18.6% Probus 19.9% 32.1% Diocletian 16.9% 6.6% Im Gutshof von Wiesendangen/ZH wurden in einer Raumecke ein Münzfund von 27 Antoninianen und einem Follis des 3. Jhs., darunter einige verbrannte Stücke geborgen. Der Befund sprach hier für einen verstreuten Schatzfund. Vgl. W. Drack, H. R. Wiedemeru. E. Ettlinger, Spuren eines römischen Gutshofes bei Wiesendangen. JbSGU 48, 1960/61,84-94. 20) So etwa : B. Overbeck, Raetien zur Prinzipatszeit, in: ANRW II 5,2 (19771682 Abb. 7. 176
        

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