Bemerkungen zum Fundort Das Lutzagüetli ist eine Kuppe des von Nordosten nach Südwesten gerichteten Eschnerbergs im Rheintal5. Das kleine etwa 60 m auf 35 m messende Gipfelplateau liegt auf 640 m ü. M. und ist heute stark bewaldet. 1937 entschloss sich der Historische Verein für das Fürstentum Liechtenstein, auf dem Lutzagüetli Gra- bungen durchzuführen. Grund dafür waren die zahlreichen Lesefunde, die seit dem Beginn des 20. Jh. gemacht worden waren. Anschliessend wur- de ein Vorbericht dieser Grabung publiziert1'. Auf dem Gipfelplateau konnten mehrere Gebäude- grundrisse freigelegt werden. Auf Grund des Befun- des wurden ein Bau im Westen (II/III) und ein Bau im Süden (V) in die römische Zeit, namentlich ins 3. Jh. n. Chr. datiert7. Die Chronologie eines weite- ren, dreiräumigen Gebäudes (VI) blieb unsicher, denn es wurde auch mittelalterliches Fundmaterial festgestellt". Das Plateau war, wie im Süden nachge- wiesen werden konnte, offenbar in römischer Zeit ummauert - im Norden könnte das steile, felsige Terrain eine Mauer überflüssig gemacht haben. Die Ausgräber trafen auf dem Terrain und im In- nern der erwähnten Steinbauten einen Zerstörungs- horizont an und datierten diesen aufgrund der Mün- zen ins späte 3. Jh. n. Chr. Eine stratigraphische Eingrenzung der als römisch bezeichneten Struktu- ren war aber, soweit die vorliegenden Informatio- nen, nicht möglich. Die Ausgrabungen erbrachten zahlreiche römische Münzen (ca. 50 Stück) und lieferten den Hinweis, dass die zuvor sporadisch an den Abhängen des Gipfelplateaus gefundenen Stücke ursprünglich von dort stammen dürften. Während der Grabungen konnten keine Konzentrationen festgestellt werden, die als «Schatz» angesprochen wurden. Römische Münzen waren vielmehr in allen Schnitten entdeckt worden. Lesefunde und Grabungsfunde zeigten zum Teil Brandspuren, die Frommelt 1937'' als typisch für Münzen vom Lutzagüetli ansah: «Die Münzen dieses Fundortes zeigen einen eigenen Erhaltungszustand und unterscheiden sich von Münzen, die anderswo gefunden wurden, durch spröde, schwarzgraue Kruste anstatt Patina und eine das ganze Metall 
durchgreifende Schädigung durch Brand (Schmelz- stücke, starke Verbiegungen, Brüchigkeit.)» Overbeck teilte aus unklaren Gründen bei seiner Auflistung der Münzen vom Lutzagüetli den nach 1937 durch zahlreiche Streufunde stetig vergrösser- ten Fundkomplex in einen Schatzfund und eine Münzreihe auf. Dabei vermutete er bei einem gros- sen Teil der Münzen eine Provenienz aus dem Schatzfund. Welche Gründe Overbeck hatte, neun Münzen (davon vier durch Hitzeeinwirkung zusam- mengebackene) einem Schatzfund sicher zuzuschla- gen, ist nicht nachvollziehbar - als Indiz für einen Schatz können die zusammengeschmolzenen Stücke aber gewiss gelten. Alle Hinweise zur Fundstelle und zum Fundmaterial deuten auf eine wohl befestigte Höhensiedlung des 3. Jhs. auf dem Lutzagüetlikopf - genauere struktu- relle Angaben fehlen vorerst. Der beobachtete Zer- störungshorizont lässt an ein plötzliches Ende dieser Ansiedlung denken - die Münzreihe deutet durch ihr Ende ebenfalls in diese Richtung. Im Rheintal sind verschiedene vergleichbare Höhen- siedlungen bekannt, deren Besiedlungszeiten oft über die Münzfunde eingegrenzt worden sind. In der näheren Umgebung ist vor allem der archäologisch untersuchte Fundpunkt «Krüppel» oberhalb Schaan zu erwähnen, von dem sowohl spätrömisch zu datie- rende Steinbauten, als auch über 150 römische Münzen bekannt sind1", darunter auch einige des 3. Jhs. n. Chr. An anderen Fundstellen, etwa dem Montikel/Bludenz, Vorarlberg", sind vorwiegend Einzelfunde aus römischer Zeit bekannt. Wie die neueste Zusammenstellung der archäologischen Si- tuation im Rheintal zeigt, können aber nur weitere Grabungen und eine quellenkritische Aufarbeitung der Altfunde an den archäologisch nicht oder schlecht erforschten Fundstellen zu einem klareren und fundierteren Bild der Geschichte des 3. Jhs. im Rheintal führen12. 172
        

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