DER KOMPONIST ALS LEXIKOGRAPH HANS STRICKER / HERBERT HILBE Das fragliche Wörterbüchlein befindet sich bis heute im Besitz der Familie Rheinberger in Vaduz. Es handelt sich um ein unscheinbares, eng beschriebe- nes, aber nicht gänzlich gefülltes Heft. Jede Seite ist in zwei Spalten gegliedert. Für alle Buchstaben des Alphabets ist eine solche Spalte zu rund 35 Zeilen vorgesehen (X und Y zusammen nehmen nur eine Spalte ein), was insgesamt 24 Spalten oder 12 Seiten ergibt. Diese Raumeinteilung führt zunächst zu 840 möglichen Einträgen. Erfahrungsgemäss lassen sieb freilich nicht jedem Anfangsbuchstaben eine gleich- mässige Anzahl Wörter zuordnen; so sind denn auch hier nicht alle Spalten mit Wörtern des jeweils einschlägigen Buchstabens aufgefüllt: bei E ist es nur gut die Hälfte, ähnlich bei N; Wörter mit Q gibt es nur vier; X/Y gar keine. Der Autor hatte offen- sichtlich bald mit den Unzukömmlichkeiten eines solchen im voraus erstellten starren Schemas zu kämpfen. Das heisst: nachdem er die meisten Spal- ten bereits gefüllt hatte und der Quell der neu in der Erinnerung sich einstellenden Ausdrücke nicht ver- siegen wollte, muss er damit begonnen haben, zu- nächst die teils freigebliebenen Spalten mit Wörtern anderer Buchstaben anzufüllen und, als auch diese Platzreserve ausgeschöpft war, hinter dem Buchsta- ben Z weitere elfeinhalb Seiten aufzufüllen. Hier nun verzichtete Rheinberger allerdings gezwungener- massen darauf, dem eingangs vorgesehenen alpha- betischen Ordnungskriterium weiter nachzuleben; die Einträge sind nun gänzlich ungeordnet - sowohl bezüglich ihrer alphabetischen Folge wie auch etwa in sachlicher oder grammatischer Hinsicht. So be- ginnt beispielsweise die erste dieser Zusatzseiten mit den Einträgen wäli, rottla, falga, warba, gse, zünda, muhla, Nialazuh, Wihbslütt, etc. Die ange- sprochene Platz- und Ordnungskalamität hätte sich natürlich vermeiden lassen, wenn statt des festen Heftes eine Kartei angelegt worden wäre, wie dies ein gelernter Philologe zweifellos in der ersten Ar- beitsphase getan hätte. Doch ein solcher war nun Rheinberger eben nicht. Betrachten wir nun die Handschrift etwas genauer: Rheinbergers Gebrauchsschrift ist die deutsche Fraktur; er benützt sie für die Einleitung seines Wörterbüchleins sowie für die hochdeutschen 
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r Titelseite des 12,3 cm x 18,4 cm grossen, linierten Heftes: «Wörterbuch des liechtensteinischen Dia- lekts. (Bad Kreuth im wäss- rigen Sorher 96) J. Rhein- berger.» 139
        

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