DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN (Canetti setzt sich dann mit den beiden Bildern Sechs Blinde und Triumph des Todes auseinander, welche einen besonders starken Eindruck auf ihn machten.) Wir erinnern an dieser Stelle an Gott- scheds Eindruck von der Gemäldesammlung zur Zeit des Fürsten Josef Wenzel (siehe den betreffen- den Abschnitt oben). Die jetzige Residenz der fürstlichen Familie, Schloss Vaduz, wurde mehrfach besungen. Ein 1908 verfas- stes Gedicht «Schloss Vaduz» von Johann Baptist Büchel, welches im Jubiläumsbüchlein Liechten- stein im Liede enthalten ist141', beschreibt die alte Burg als historischen Bau, allerdings auch als Sinn- bild: [...] dass Treue ohne Trug Einet Fürst und Volk in ew'gem Bunde! Der Autor bezieht sich auf die Restaurierung des Schlosses, welche Fürst Johann II. veranlasste: Von so mancher schwerer Wunde, Die der Zeiten Ungemach Dir schlug. Wirst durch Fürstensorge du gesunde. Auch Josef Gassner widmete Schloss Vaduz ein Ge- dicht, das er 1919 als «Nachklang zum 60jährigen Regierungsjubiläum Seiner Durchlaucht unseres gnädigsten Landesherrn» verfasste.147 Der Dichter bezieht sich zunächst auf die Geschichte der alten 
Burg, wie sie einst «in voller Jugendschöne» da stand, aber später durch Kriegseinwirkungen zer- stört wurde. Eine längere Strophe spielt auf die Restaurierung des Baus durch Fürst Johann II. an: Es naht in Huld sich dir als Lebenswecker Aus banger Starre, müdem, schwerem Schlaf, Dein edler Fürst, der Finder und Vollstrecker So manchen schönen Plans, ein Edelgraf, Wie keinen du geschaut in vorigen Tagen. Ihn fasst das Mitleid an in deiner Not, Er hört um dich der Edlen stilles Klagen: Zu froher Urständ ruft sein Machtgebot. Zum Kronjuwel schafft dich sein Schöpferwerde, Zum Zauberhort im trauten Luftrevier, Zur schönsten Veste wohl auf schwäbischer Erde Und seines freien Ländchens schönster Zier. Das Gedicht endet mit folgenden Worten: Laut soll des Märchenprinzen Lob erschallen, Der dich erweckt, Dornröschen Schloss Vaduz! Das Schloss in seiner heutigen, von der fürstlichen Familie bewohnten Form wurde bisher in dieser Eigenschaft eher nebenbei erwähnt. Es kommt zum Beispiel an einigen Stellen in Michael Donhausers Prosawerken vor. In der längeren Erzählung Edgar (1987 veröffentlicht)148, welche, wie das im vorherge- 142) Die fürstliche Gemäldesammlung wurde unter Fürst Johann I. aus dem Palais in der Bankgasse in das Rossauer Palais verlegt. Gegen Ende des letzten Krieges (1945) wurde die Sammlung dann nach Vaduz übersiedelt. Heute enthält das Rossauer Liechtenstein-Palais wieder eine Bildergalerie, allerdings ganz anderer Art: Das Palais ist dem österreichischen Staat vermietet, welcher dort eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst unterhält. 143) Das Rossauer Gartenpalais wurde in den neunziger Jahren des siebzehnten Jahrhunderts vom Fürsten Johann Adam I. nach Plänen der Architekten Domenico Rossi und Domenico Martineiii errichtet. 144) Elias Canetti. geb. 1905. studierte in Wien, nunmehr seit Jahr- zehnten in London ansässig. 145) Elias Canetti, Die Fackel im Ohr. Lebensgeschichte 1921-1931, Carl Hanser Verlag, München 1980, S. 131. Den Hinweis auf dieses Zitat verdanke ich Herrn Dr. Reinhold Baumstark. 146) Siehe Anm. 2; S. 65. 147) Gedrucktin «SchulchronikTriesenberg» (s. Anm. 134), S. 61 f. 148) Beim Residenz Verlag, Salzburg u. Wien, erschienen. 129
        

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