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HEIMITO VON DODERER DIE STRUDLHOFSTIEGE ODEE MELZER UND DIETIEFE DER JAHRE BIEDERSTEIN VERLAG MÜNCHEN schreibt mit peinlich genauem Realismus eine An- zahl von Wiener Örtlichkeiten, mit besonderer Beto- nung des IX. Bezirks (Aisergrund). Mittelpunkt der Handlung ist die Strudlhofstiege, eine prächtige Steintreppe, die den oberen mit dem unteren Teil der Strudlhofgasse verbindet. Gerade gegenüber, auf der anderen Seite der Liechtensteinstrasse, liegt das Palais Liechtenstein. Dieses Palais und der hin- ter ihm liegende Park kommen mehrmals in der Erzählung vor. Am Palais gehen die Charaktere die- ses Romans immer vorbei. Sie wissen, dass das Gebäude «die berühmte Bildergalerie enthielt» (S. 761)142, aber sie gehen nicht hinein. Einmal wird der Eindruck der Zentralgestalt Melzer über die Architektur geäussert:143 Melzer strebte also aus der Strömung, wandte sich nach rechts, ging an dem schweren, barocken Portal des Liechtenstein-Parks vorbei - der Palast dahin- ter hatte für ihn immer etwas Alt-Chinesisches, noch aus der strengen Zeit - und nun wieder nach rechts, schräg über die etwas weniger belebte Liech- tensteinstrasse. (S. 329 f.) In diesem Roman ist eigentlich mehr die Rede von dem zum Palais gehörenden Park als vom Hauptbau selbst. Man geht darin gern spazieren, man ruht sich gern auf den Bänken aus und schaut dabei «auf die alten Bäume [...] und auf deren Geäst vor dem 
hohen erhellten Himmel» (S. 794), man pflegt sogar Liebesverhältnisse dort. Der Erzähler blickt nostal- gisch zurück in den Park des Liechtenstein'sehen Palastes, welches ge- räumige Grün den Erholung Suchenden dieser Stadtgegend damals noch zugänglich war. (S. 790) Am Park entlang zieht sich die lange Liechtenstein- strasse, welche im Laufe des Romans als wichtige Verkehrsstrasse in diesem Stadtteil oft erwähnt wird. Einer, der im Gegensatz zu den Gestalten der Strudl- hofstiege tatsächlich in das Palais hineingelangte und die Bilder genoss, war der junge Elias Canetti.144 Im zweiten Teil seiner autobiographischen Auf- zeichnungen, Die Fackel im Ohr (1980 veröffent- licht), beschreibt er seine frühen Begegnungen mit Breughel: Ich geriet an die Bilder von Breughel. Meine Be- kanntschaft mit ihnen begann nicht dort, wo die eigentlichen Herrlichkeiten hängen, im Kunsthisto- rischen Museum. Zwischen Vorlesungen im Physi- kalischen und Chemischen Institut fand ich Zeit für einen kurzen Besuch im Liechtenstein-Palais. Von der Boltzmanngasse ging es in raschen Sprüngen die Strudlhofstiege hinunter und schon war ich in der wunderbaren Galerie, die heute nicht mehr be- steht, da sah ich meine ersten Breughels.'45 128
        

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