göttergleiche Eigenschaften an. In einer Hinsicht ähnelt er dem schrecklichen Thor eher als dem lieben Gott: Manchmal hat der Fürst über den Schlossfelsen heruntergedonnert ins Dorf wenn er mit seinem schwarzen Mercedes über die Holzbrücke ins Schloss gefahren ist. Wenn der Fürst unter die Menschen kommt und allzusehr wie ein Mitmensch wirkt, so wird das Kind enttäuscht: Den Fürst habe ich immer an seinem Geburtstag gesehen, da hat er herunten im Dorf eine kleine Ansprache gehalten, seine Stimme habe ich gehört, und dann hat mich der Vater über die Köpfe der Leute gehoben, damit ich ihn habe sehen können, den Fürst. Ich habe ihn aber nicht gesehen, denn dass der Mann am Mikrophon der Fürst ist, habe ich nicht glauben können. Erst wenn ich wieder unter den Leuten gestanden bin und ihre Rockzipfel tan- zen gesehen und selber auch geklatscht habe, bin ich mir sicher gewesen, dass da oben der Fürst steht. Nachher ist er durchs Dorf gegangen, der Fürst, und wo er hingekommen ist, haben die Leute zu klatschen begonnen. Ganz lustig erzählt ist die allzumenschliche Begeg- nung in der Bäckerei: Einmal, die Mutter und ich sind in die Bäckerei gegangen, die Ladentür hat geklingelt, da ist der Fürst vor dem Verkaufstisch gestanden. «Grüssgott, Durchlaucht», hat die Mutter gesagt,und ich habe vor Schreck und Scham den Mund nicht aufge- bracht. [...] Dass der Fürst Brötli gekauft hat, hat mich nach dem ersten Schreck in Staunen versetzt. (Man könnte sich schwerlich Johannes den Guten, Johannes den Feldmarschall oder Josef Wenzel den Prunkhaften in einer Dorfbäckerei vorstellen!) Auch die Gemahlin des Fürsten, Fürstin Gina, und der älteste Sohn, Erbprinz Hans Adam, werden er- wähnt, aber wie der Fürst selbst kommen sie in der Erzählung ohne Vornamen und mehr als unpersön- liche Figuren vor. Geschildert wird die Tradition, wobei die Vaduzer Vblksschüler anlässlich des Ge- burtstags der Fürstin aufs Schloss hinaufgingen und 
der Landesmutter unter Absingen der Landeshymne gratulierten. Der Erbprinz wird im Zusammenhang mit seiner Hochzeit, seiner amerikanischen Schwei- nezucht und seiner Stellvertretung des Fürsten er- wähnt. Am Ende der Erzählung werden Überlegungen zur staatsrechtlichen Stellung des Fürsten gemacht (der Volksschüler ist allmählich Gymnasiast und dann Maturant geworden - seine einzige direkte Begrüs- sung des Landesvaters macht er beim Empfang auf dem Schloss nach der Matura): Dass der Fürst nicht alle Macht sondern nur das Vetorecht besitzt, habe ich im Gymnasium gelernt, nicht aber, dass ihm nicht nur der Herrenwingert, der schwarze Mercedes und das Schloss gehören. [...] nun hat der Fürst sein Amt an ihn [den Erbprin- zen] übergeben, er bleibt aber trotzdem der Fürst. Das ist nur richtig, das heisst mittelalterlich genau, denn der Fürst ist so sehr Fürst und zudem noch von Gottes Gnaden, dass er das Fürstsein bis zu seinem Tod nicht abgeben kann, auch bis zu meinem nicht. Trotz der persönlichen Note in manchen Details widerspiegelt Donhausers Erzählung sicherlich die Empfindungen sehr vieler Landeskinder gegenüber ihrem Monarchen und seiner Familie. 126
        

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