Fürst Franz Josef IL 1906-1989 Fürsten Johann IL, der für seine Untertanen etwas fast Gottähnliches an sich hatte, bei der in seinen letzten Jahren noch jungen, heute aber älteren Ge- neration nachwirkt: Grösser als der Fürst [gemeint ist Franz Josef IL] sind nur Gottvater und Johannes der Gute gewesen. 1927 hat der Rhein das Land überschwemmt, das ist eine grosse Katastrophe gewesen. Die Bevölkerung hat sich in grosser Not befunden, und Johannes der Gute, der damalige Fürst, hat, wie sein Name sagt, viel Gutes für die Bevölkerung getan, so habe ich es gelernt. In den Schatten von Johannes dem Guten hat aber die Grossmutter den Fürst gestellt, sie hat ein kleines Bild von Johannes dem Guten, vielleicht sein Sterbebild, im Messbuch stecken gehabt, sie hat es mir oft gezeigt und gesagt, was für gütige Augen er habe. Gegen ihre Bewunderung ist niemand ange- kommen, auch nicht der Fürst. Dann ist neben der Kirche eine Statue von Johannes dem Guten errich- tet worden, an meinem Schulweg. Ein mächtiger, länglicher Steinblock hat den weiten Mantel gebil- det, in den Johannes der Gute eingehüllt gewesen ist, und auf diesem ist sein kahler Kopf gesessen.'35 
Da für den jüngeren Bruder und Nachfolger Jo- hanns IL, Fürst Franz, unseres Wissens keine litera- rische Nennung bekannt geworden ist, bleibt ab- schliessend der übernächste Landesfürst und Chef des Hauses Liechtenstein zu behandeln: Franz Josef II. (Regierender Fürst 1938-1989), Enkel eines Cou- sins der Fürsten Johann II. und Franz. Fürst Franz Josef war mit der Bevölkerung seines Landes deut- lich verbundener als jeder seiner Vorgänger, erst recht da er kurz nach seinem Regierungsantritt als erster Fürst von Liechtenstein seinen Wohnsitz ins Land verlegte. Er bezog Schloss Vaduz als Residenz, wobei seine Kinder im Fürstentum aufgezogen wur- den. In den letzten Jahren erfuhr Fürst Franz Josef eine literarische Behandlung durch den jungen Schrift- steller Michael Donhauser.136 In einer kurzen Erzäh- lung, «Der Fürst», die 1985 in der österreichischen literarischen Zeitschrift manuskripte veröffentlicht wurde''7, wird Franz Josef II. hauptsächlich durch die Augen eines Kindes, eines Volksschülers, ange- schaut. Nicht so sehr der Mensch oder die histori- sche Persönlichkeit Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein wird behandelt, sondern eher die durch ihn repräsentierte Landesvater-Figur. Die naiven Sinne des Kindes nehmen allerdings ver- schiedene Aspekte dieser Figur wahr, welche einan- der ablösen oder sich miteinander verflechten. Ebenso wie seine Grossmutter ehrfürchtige Erinne- rungen an «Johannes den Guten» bewahrt (siehe den vorhergehenden Abschnitt), bringt der Ich-Er- zähler als junger Volksschüler ähnliche Empfindun- gen gegenüber dem jetzigen Landesfürsten auf, wel- cher übrigens nicht namentlich genannt wird (auch in bezug auf das Land kommt der Name Liechten- stein nicht vor). Die Erzählung beginnt mit den fol- genden Worten: Der Fürst ist ein guter und gütiger Landesvater, habe ich in der Volksschule gelernt. Später taucht der schon zitierte kindliche Eindruck auf: Grösser als der Fürst sind nur Gottvater und Johan- nes der Gute gewesen. 124
        

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