DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN Fünfzig Jahre Vater eines treuen Volkes, Das so glücklich wohnt im schönsten Lande, Sicher, gottbeschirmt am Rheinesstrande. Wo ein solcher Vater fünfzig Jahre waltet, Trocknen viele Tränen von den Wangen, Findet seinen Tröster manches Bangen. Heil Johannes, Dir! Heil Dir zum Jubeltage! Fs umstrahlt Dein Ruhm mit neuem Scheine Thron und Wappenschild der Liechtensteine. Stehe fernerhin in Gottes Hand und Schutze! Schwer wird wiegen auf des Fw'gen Wage Deine Güte am Vergeltungstage.''2 Büchels Zeitgenosse, der im Ausland lebende Liech- tensteiner Josef Gassner'" verfasste mehrere Ge- dichte über sein Heimatland134, die einen sehr ähnli- chen Ton wie Johann Baptist Büchels lyrische Er- zeugnisse haben - einen Ton, der für den heutigen Geschmack eben etwas schwer zu ertragen ist. Zu späteren Jahrestagen des Regierungsantritts des Fürsten bzw. zu dessen Geburtstagen schrieb Josef Gassner Gedichte. 1916, zum 58. Jahrestag des Re- gierungsantritts Fürst Johanns IL, verfasste Gassner ein langes Gedicht, «Dem Landesvater», aus dem hier nur die Anfangsstrophen zitiert sind: Huldvoll, gnädig und mild Steht vor unsers Geistes Blicken, Fürst Johannes, dein Bild, Uns, deine Kinder, zu entzücken. Heil, Johann, dir, dem Landesvater Heil! Der Jahre 58 sind verflossen Seit jenem Tage, da du «klar und fest» - Der holden Jugendfreiheit dich entreissend - Die Zügel der Regierung hast ergriffen Als souveräner Herrscher deines Landes Und deines hocherlauchten Hauses Lenker. Und wahrlich! Segensjahre sind's geworden. Dein Land am deutschen Rhein, dein Liechtenstein, Du schlössest es, um reich es zu beglücken, Als Jüngling schon gar tief ins warme Herz Und bliebst ein Vater ihm in Freud' und Leid. (S. 59) 
In der Folge bezieht sich der Verfasser auf die Kir- chen, die der Fürst bauen Hess, sowie auf die Re- staurierung von Schloss Vaduz. Ausserdem erwähnt er Johanns Mäzenatentum und seine grosszügige Unterstützung armer Studenten, von Witwen, Wai- sen und Kranken. Etwas knapper fasst sich Josef Gassner in einem Gelegenheitsgedicht «Zum 80. Geburtstag Seiner Durchlaucht des regierenden Landesfürsten» (1920), welches als Lied vertont wurde. Hier die zweite Strophe: Ihm, dem treuen, starken Hüter, Der nicht Müh' noch Sorge spart, Wo es gilt die höchsten Güter, Bleibt die Treue fromm gewahrt. Treue muss mir Treu' sich gleichen: So will's Liechtensteiner Art. Drum wie sturmerprobte Eichen Steh 'n wir um den Thron geschart. (S. 62) In seiner 1985 veröffentlichten Erzählung «Der Fürst», welche hauptsächlich mit Fürst Franz Jo- sef II. zu tun hat (siehe nächsten Abschnitt) weist Michael Donhauser darauf hin, wie die Gestalt des 128) Der Band wurde «derselben [d.i. der österreichischen Armee] zum Besten ihrer invaliden Soldaten» 1849 in Wien herausgegeben. Den Hinweis auf dieses Werk verdanke ich Herrn Dr. Reinhold Baum- stark. 129) Kanonikus Johann Baptist Büchel d..).. 1853-1927, aus Bal- zers, vorwiegend in Triesen und Vaduz tätig, tat sich als Theologe, Schulmann. Historiker wie auch als Politiker hervor. 130) Siehe Anm. 2. 131) Einer Anmerkung des Herausgebers gemäss (S. 78) wurde die- ses Gedicht vom Bischof von Chur und Landesbischof von Liechten- stein, (ieorgius Schmid von Grüneck. vertont. 132) In der zweiten Ausgabe, die 1918 anlässlich des 60jährigen Regierungsjubiläums herausgegeben wurde (vgl. Anm. 2), war dieses Gedicht insofern abgeändert, dass der Ausdruck «fünfzig Jahre» jeweils durch «sechzig Jahre» ersetzt wurde (S. 13 f.)! 133) Josef Gassner. 1858-1927, aus Triesenberg, war an verschie- denen Orten der Donaumonarchie im Schuldienst tätig. 134) Viele wurden im Buch «Schulchronik Triesenberg» von Engel- bert Bucher (Triesenberg o. J. [1963]) gesammelt (S. 45-67). Wir zitieren nach dieser Ausgabe. 123
        

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