DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN Fürst Alois II. 1796-1858 Als «ziviler» Persönlichkeit ist es Alois II. (Regieren- der Fürst 1836-1858) kaum gelungen, die Aufmerk- samkeit der Literaten zu fesseln. Die einzige uns bekannte Nennung des Fürsten Alois II. in einem einigermassen literarischen Zusammenhang ist eine indirekte - es handelt sich eher um eine symboli- sche Anspielung auf ihn als um einen Hinweis auf seine Persönlichkeit. Der betreffende Passus findet sich in einem Aufsatz Franz Grillparzers aus dem Jahr 1849. Die kurze Schrift ist unvollendet und wurde unter dem Titel «Professor Palacky» in Grill- parzers Sämtlichen Werken veröffentlicht.'-5 In die- sem politischen Aufsatz bezieht sich Grillparzer auf den sprichwörtlichen Reichtum des Fürstenhauses Liechtenstein: Sie wissen, [...], dass Gleichberechtigung nicht eins und dasselbe ist mit Gleichgeltung, so wie mein Eigentum gleichberechtigt ist mit dem des Fürsten Liechtenstein, was aber nicht hindert, dass er ebensoviele Millionen besitzt, als ich Hunderte.'-'' Vielleicht hatte sich Grillparzer vor mehr als zwei Jahrzehnten für seine dichterische Bearbeitung des Hauses Liechtenstein (siehe oben, im Abschnitt «Das Geschlecht Liechtenstein») vom Vater des nun- mehrigen Fürsten mehr als 100 Dukaten erhofft! Alois II. war bekanntlich der erste Regierende Fürst von Liechtenstein, der den Boden seines Fürsten- tums betrat (und zwar im Jahre 1842). Es ist also angebracht, dass die Entstehung des Textes der liechtensteinischen Landes- bzw. Volkshymne in seine Regierungszeit zurückgeht. Mutmasslicher - aber nicht nachweisbarer — Autor war der Schwei- zer Pater Jakob Josef Jauch, der von 1852 bis 1856 Kaplan in Balzers war.127 Obwohl sich der Inhalt des Textes vorwiegend auf den Staat Liechtenstein und dessen Landschaft bezieht, umfasst er einen Vers, der den Monarchen direkt betrifft: Beim Singen des Verses «Hoch leb' der Fürst vom Land» ist es ein recht ergreifender Moment, wenn alle anwesenden Landesbürger gleichzeitig die rechte Hand erheben. 
Fürst Friedrich 1807-1885 Bildete Fürst Alois II. für seine Zeit insofern eine Ausnahme, als er keinen Militärdienst absolvierte, so setzten die meisten seiner jüngeren Brüder die militärische Tradition des Hauses fort und folgten somit dem Beispiel ihres berühmten Vaters. Die glanzvollste Karriere unter ihnen machte der vierte Sohn, Friedrich, der es zum Feldmarschall- leutnant, zum Gouverneur in Siebenbürgen und zu vielen hohen Orden (darunter das Goldene Vliess) brachte. Anfang 1848 war Fürst Friedrich zum Generalmajor aufgestiegen. Einige Monate später, im Laufe des Kampfes in den italienischen Provinzen, zeichnete er sich in der Schlacht bei St. Lucia aus. Ein Gedicht zur Erinnerung an diesen ruhmvollen Tag für das österreichische Heer (unter der Führung Radetz- kys), «Zur Jahresfeier der Schlacht von St. Lucia», wurde 1849 in dem patriotischen Gedichtband Hel- den-Blumen aus dem Kranz der österreichischen 120) WA, IV, 24, S. 23; Brief Nr. 6629, datiert 30. 10. 1813. 121) WA, III, 5, S. 80. 122) In den Anmerkungen zum Gedicht im Buch «Liechtenstein im Liede» irrt sich der Herausgeber, Franz Kraetzl, als er behauptet, die beiden fürstlichen Brüder Alois [. und Johann I. seien hier gemeint (S. 77). Der Regierende Fürst Alois hatte nur eine kurze militärische Laufbahn und war keineswegs als Kriegsheld bekannt. Schon Falke hatte auf diese dichterische Behandlung des Fürsten Alois Gonzaga verwiesen, ohne die Quelle zu nennen (III, S. 361). 123) Ludwig August Frankl. 1810-1894, tätig in Wien. Das Gedicht findet sich in Frankls «Episch-lyrischen Dichtungen» (bei J. P. Sollin- ger, Wien 1834, S. 141-146). Es wurde auch in die Sammlung «Liechtenstein im Liede» (siehe Anm. 2) aufgenommen (S. 35-37); wir zitieren nach dieser Ausgabe. 124) Falke. III. S. 362. 125) Vgl. Anm. 36 oben -1. Abt., 13. Bd.; Prosaschriften I, S. 217-19 (hier S. 218). (Der Aufsatz hat den wunderlichen Anfang: «Herr Professor Palacky ist wahnsinnig geworden.») 126) In einer Anmerkung zu dieser Stelle in der genannten Ausgabe heisst es: «Die Fürsten Liechtenstein galten als die reichsten Aristo- kraten Österreichs» (S. 419). 127) Vgl. Josef Frommelt. «Oben am jungen Rhein lehnet sich Liech- tenstein ...». Liechtensteiner Volksblatt. 14. 8. 1989, S. 3. Allgemein anerkannt als Landeshymne wurde dieser Text allerdings erst etliche Jahrzehnte später, in der Regierungszeit Johanns II. 121
        

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