Fürst Alois Gonzaga 1780-1833 Der jüngste Sohn des Fürsten Karl Borromäus, Alois Gonzaga, als «Louis» bekannt, war ebenfalls ein grosser Kriegsheld. Nachdem er sich an mehreren Schlachten Lorbeeren geholt hatte, wurde er mit erst 33 Jahren zum Feldmarschalleutnant befördert und 1830, als einziger der distinguierten Brüder Liechtenstein, mit dem Goldenen Vliess ausgezeich- net. Goethe scheint ihn erst im Jahre 1813, zusammen mit seinem Bruder Moritz, kennengelernt zu haben. Die fürstlichen Brüder kamen nach ihrem Kampf an der Völkerschlacht bei Leipzig nach Weimar. Beide Brüder haben anscheinend geholfen, Goethe und seinen Haushalt vor den Besatzungstruppen (Kosa- ken) zu schützen. Goethe schrieb in diesem Zusam- menhang in einem Brief an Gräfin Josephine O'Do- nell: Die edle Theilnahme des Fürsten Louis der mit eige- ner und der Seinigen Gefahr die Verwüstungen, womit uns wilde Horden überzogen, abzulehnen trachtete musste rühren und unsere Hoffnungen beleben.''" Auch in seinem Tagebuch (unter dem 25. Oktober 1813) verzeichnete Goethe einen Besuch der Brüder Liechtenstein bei sich.'21 Im schon mehrmals erwähnten Gedicht «Romanzen vom unbekannten Ritter» (1825) von Josef Christian von Zedlitz wird Fürst Alois unter den zeitgenössi- schen Helden aus dem Haus Liechtenstein ange- führt. Nach der Darstellung des Fürsten Johann I. (siehe oben) heisst es in der 6. Strophe: Fürst Alois heisst sein Sippe. Fr hat aus jeder Schlacht Sich eine neue Wunde und neuen Ruhm gebracht.'22 Dann folgt der Hinweis auf seinen verstorbenen Bruder Moritz, welcher schon im vorhergehenden Abschnitt zitiert wurde: Als noch sein Bruder lebte, sah man sie stäts zu zweyn. Vorschreiten vor dem Heere, wie zween mordgier 'ge Leun 
Dem Fürsten Alois wurde darüber hinaus ein eige- nes Gedicht gewidmet. Allerdings wird er insofern ähnlich wie sein Vorfahre Christoph im Gedicht von Zedlitz behandelt, als die Hauptfigur wohl als «Liechtenstein», aber mit keinem Vornamen ge- nannt wird. Autor des Gedichts «Der Kaiser und der Ritter» war Ludwig August Frankl.123 Das Gedicht beschreibt die Szene, wie Kaiser Franz Fürst Alois im Jahre 1830 bei einer Verleihungsfeier den Orden des Goldenen Vliesses überreicht: Und fast der letzte nahet, ein hoher, kühner Held, Der hielte wohl im Sinken mit seinem Schwert die Welt; Er schreitet langsam vorwärts, verneigt das Ange- sicht - Die Knie will er beugen und beugt die Knie nicht. Schon dreissig Jahre früher, als Alois noch ein jun- ger Offizier von zwanzig Jahren war, war ihm im Gefecht ein Bein durch eine Kugel zerschmettert worden;124 seither wurde die Anzahl seiner Verwun- dungen fast legendär. Alois sagt darauf dem Kaiser: «Verzeiht, mein Herr und Kaiser! wenn sich das Knie nicht beugt, Wie demutvoll im Innern mein Sinn sich eurem neigt; Es galt einmal recht tüchtig in einer heissen Schlacht, Galt euer Heil, Herr Kaiser! hab' nicht an mich gedacht.» Der Kaiser, gerührt durch diese Worte, erwidert: «Wer so wie ihr im Kampfe dem Tod ins Aug' ge- seh 'n, Der kann vor seinem Kaiser und Herrn auch auf- recht steh'n.» Erst gegen Ende des Gedichts nennt Frankl den tapferen Ritter: Von dem ich dies berichte, das ist der Liechtenstein Man kann nur annehmen, dass seine Zeitgenossen imstande waren, den steifbeinigen Liechtenstein von seinem Vetter Johann L, dem Chef des Hauses, welchem Jahrzehnte früher das Goldene Vliess ver- liehen worden war, zu unterscheiden. 120
        

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