DAS HAUS LIECHTENSTEIN IN DER DEUTSCHEN LITERATUR / GRAHAM MARTIN wollte. In seiner Untersuchung der Novelle plädiert Sp. Wukadinovic für den in Böhmen gelegenen Be- sitz der Fürsten Lobkowitz, Schloss Eisenberg und Burg Hassenstein, als Schauplatz der Handlung;" ' dieses Plädoyer ist übrigens für den Verfasser der vorliegenden Arbeit viel überzeugender als Karl Simrocks in bezug auf Vaduz!"6 Die Familien Liech- tenstein und Lobkowitz waren durch die Heirat der Prinzessin Marie, Tochter von Moritz und Leopoldi- ne von Liechtenstein, mit Fürst Ferdinand Lobko- witz verschwägert. Diese Heirat fand 1826 statt, also im Jahr, in dem Goethe den Stoff zur Novelle wieder in die Hand nahm. Wukadinovic meint, die Nach- richt der Hochzeit könnte in Goethe angenehme Erinnerungen an seinen früheren Umgang mit der Mutter der Braut hervorgerufen haben.117 Damals war nämlich Fürstin Leopoldine (geborene Prinzes- sin Esterhäzy) noch eine jugendliche Schönheit ge- wesen.1"* Wukadinovic stellt also Leopoldine von Liechtenstein als mögliches Modell für die Fürstin in der Novelle vor, während er die Gestalt des Fürsten als eine mögliche Verschmelzung der Goethe be- kannten historischen Persönlichkeiten Moritz von Liechtenstein und Fürst Lobkowitz sieht."" Fürst Moritz erfuhr eine weitere literarische Be- handlung, bei der er allerdings nicht namentlich genannt wird. In der oben erwähnten Ballade «Ro- manzen vom unbekannten Ritter» (1825) von Josef Christian von Zedlitz (vgl. unter «Fürst Johann L») ist in der 6. Strophe die Rede von «Fürst Aloys» (siehe auch nächsten Abschnitt). Das Gedicht schliesst: Als noch sein Bruder lebte, sah man sie stäts zu zweyn Vorschreiten vor dem Heere, wie zween mordgier 'ge Leun: Doch der ist jüngst geschieden zum stillen Land hinab; Ihm kühlt die edle Stirne - der Lorber - und das Grab! Gemeint kann nur Fürst Moritz sein, der tatsächlich gemeinsam mit seinem Bruder Alois Gonzaga meh- rere militärische Feldzüge mitmachte und von ver-schiedenen 
Autoren (z.B. Falke) immer wieder zu- sammen mit ihm erwähnt wurde. Er war eben 1819, wenige Jahre vor dem Erscheinen des Gedichts, gestorben. 107) Vgl. Adam Wolf. Fürstin Eleonore Liechtenstein, Wien 1875, S. 322. 108) Vgl. WA. III. 4, S. 298-309 (passim). 109) WA, IV. 23, S. 47 f. 110) Urzidil, S. 99 f. 111) WA, II, 9, S. 139-154. Vgl. auch Urzidil, S. 203; Press. S. 64 f. 112) WA, IV, 23, S. 425 f.; Brief vom 5. 8. 1813. 113) WA, IV. 24. S. 19; Brief Nr. 6624, An den Fürsten Moriz Joseph von Liechtenstein. Konzept vom 24.10.1813. Vgl. auch Press, S. 67 (Anm. 92). 114) WA. IV, 24, S. 23; Brief vom 30. 10. 1813. 115) Sp. Wukadinovic, Goethes «Novelle». Der Schauplatz. Cooper- sche Einflüsse, Halle a.d.S. 1909. 116) Siehe Karl Simrock, Das malerische und romantische Rhein- land. Leipzig 1838, S. 31 f.; vgl. auch G. D. C. Martin, The Principality of Liechtenstein in German fiction: Fantasy and reality, in: For Lionel Thomas. ACollection of Essays Presented in His Memory, hrsg. von DerekAttwood u.a., Hull 1980. S. 166 f. 117) Wukadinovic, S. 14 u. 66 ff. 118) Vgl. Urzidil, S. 99 f. 119) Wukadinovic, S. 68-72. 119
        

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